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12.07.19 / Italien-Sehnsucht / »Wege des Barock« führen nach Potsdam

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-19 vom 12. Juli 2019

Italien-Sehnsucht
»Wege des Barock« führen nach Potsdam
H. Tews

Zwei Jahre nach seiner Eröffnung schlägt das Potsdamer Museum Barberini eine Brücke zum gleichnamigen Palazzo in Rom, der eine der kostbarsten italienischen Kunstsammlungen be­herbergt. Vom 13. Juli bis 6. Okto­ber werden in der Ausstellung „Wege des Barock. Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom“ 54 Meisterwerke aus den Sammlungen der Palazzi Barberini und Corsini zu Gast in Potsdam sein, darunter eines der bedeutendsten Werke Caravaggios: sein 1589/99 entstandener „Narziss“.

Der römische Palazzo Barberini birgt eine der wichtigsten Sammlungen römischer Barockmalerei. Zusammen mit dem Palazzo Corsini beherbergt er heute die italienische Nationalgalerie. Die Ausstellung „Wege des Barock“ zeigt erstmals eine repräsentative Auswahl dieser Malerei. Sie zeichnet die von Caravaggio inspirierte Entstehungsgeschichte der römischen Barockmalerei nach und verfolgt deren Einflüsse nördlich der Alpen. Sichtbar wird das an der Sammeltätigkeit Friedrichs des Großen, der für das Neue Palais in Potsdam Werke von Artemisia Gentileschi, Guido Reni und Luca Giordano erwarb.

Maffeo Barberini, der spätere Papst Urban VIII., war der wichtigste Förderer dieses römischen Barock. Bereits vor Erlangung der Kardinalswürde ließ er sich von Caravaggio porträtieren. Als Papst wollte er in seinem Jahrhundert eine kulturelle Blüte in Malerei, Architektur, Literatur und Musik initiieren, die den Vergleich mit der Renaissance nicht zu scheuen brauchte. In sein Pontifikat fiel die Einweihung des Petersdoms im Jahr 1626, dessen Bau über 

100 Jahre zuvor begonnen hatte. 

Weil von seinem Palazzo Barberini entscheidende Impulse für die Kunst des Barock ausgingen, nahm Friedrich der Große den Bau zum Vorbild für das Palais Barberini, das er den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts am Alten Markt in Potsdam bauen ließ. Der preußische König hatte sich eine italienische Piazza für Potsdam gewünscht und sich an einem Kupferstich Piranesis orientiert, der den Palazzo Barberini in Rom zeigt. Damit stellte Friedrich eine Beziehung zum Familiensitz der Barberini her und – durchaus ironisch – zum bedeutendsten Kunst-Papst des Barock.

Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde das Palais von 2013 bis 2016 als moderner Museumsbau wiedererrichtet. Eine Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ermöglichte jetzt die Ausleihe zweier von Friedrich II. erworbener Gemälde von Artemisia Gentileschi, die sich seit 1769 im Neuen Palais befinden. Nach 250 Jahren verlassen sie, eigens für die Ausstellung restauriert, erstmals ihren Standort. Zur Ausstellung gibt es eine Barberini-App mit einem Audioführer, gesprochen vom TV-Moderator Günther Jauch.


www.museum-barberini.com