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19.07.19 / Friedrichs II. berühmtester Gefangener / Vor 225 Jahren starb der preußische Abenteurer Friedrich Freiherr von der Trenck auf der Guillotine – in Paris

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-19 vom 19. Juli 2019

Friedrichs II. berühmtester Gefangener
Vor 225 Jahren starb der preußische Abenteurer Friedrich Freiherr von der Trenck auf der Guillotine – in Paris
Wolfgang Kaufmann

Der preußische Adel glänzte im 18. Jahrhundert eher durch kontinuierliche Pflichterfüllung und Tapferkeit im Felde als durch wilde Abenteuer. Eine Ausnahme bildete hier Friedrich Freiherr von der Trenck, dessen bewegtes Leben vor 225 Jahren gewaltsam endete.

Um die Person des Abkömmlings eines alten ostpreußischen Adelsgeschlechtes ranken sich viele Legenden, an denen von der Trenck auch fleißig mitgestrickt hat. Das begann schon mit seiner Fälschung von Geburtsjahr und –ort. Statt, wie behauptet, 1726 in Königsberg, ist der Sohn des Generalmajors Christoph Ehrenreich von der Trenck am 16. Februar 1727 in der heutigen Kreisstadt des Landkreises Börde in Sachsen-Anhalt Neuhaldensleben auf die Welt gekommen. Nach dem Besuch der Universität Königsberg trat von der Trenck im Juli 1744 ins preußische Heer ein und zog dann bereits im Monat darauf als Kornett in den Zweiten Schlesischen Krieg. In dessen Verlauf avancierte er zum Ordonanz-Offizier von Friedrich dem Großen und gewann dessen Vertrauen. Das verlor von der Trenck jedoch bald wieder. Am 28. Juli 1745 wurde der junge Kavallerist auf Befehl des Königs verhaftet und ohne jedwedes Verfahren in der schlesischen Festung Glatz eingesperrt.

Immer wieder kolportierten, aber historisch wenig fundierten Darstellungen zufolge, die zumeist auf von der Trencks effekthasche­ri­scher Autobiografie basieren, resultierte die Entscheidung von Friedrich dem Großen aus einer Liebschaft des Freiherrn mit einer „großen Dame“ in Berlin. Man munkelte, es habe sich dabei um die jüngste Schwester des Königs, Prinzessin Amalie von Preußen, gehandelt. Tatsächlich jedoch war der Kornett wohl in Ungnade gefallen, weil er mit seinem älteren Vetter Franz Freiherr von der Trenck korrespondierte, der als Oberst der Panduren, gefürchtete kroatische Freischärler, in österreichischen Diensten stand. Und gegen Österreich führte Preußen ja gerade Krieg. Dennoch forderte der Ältere den Jüngeren auf zu desertieren, was dieser dem König meldete. Damit war das Misstrauen Friedrichs des Großen geweckt, und als sein Untergebener den Erhalt weiterer Briefe des österreichischen Verwandten zu verheimlichen versuchte, explodierte es geradezu. Wenn der Preußenkönig etwas nicht gebrauchen konnte, dann waren das Offiziere, die sich ins Ausland absetzten und hernach in den Dienst des Feindes traten. Deshalb auch die klare Weisung an den Glatzer Festungskommandanten Generalmajor Heinrich August de la Motte Fouqué: „Verwahrt sehr streng diesen Schelm; er hat … Pandur werden wollen!“

Aufgrund der ausnehmend schlechten Behandlung in Glatz unternahm von der Trenck mehrere Ausbruchsversuche, die zunächst allesamt scheiterten und seine Situation kontinuierlich verschlimmerten. Am 24. Dezember 1746 hatte er jedoch schließlich Glück und entkam durch die Hilfe eines Leutnants, der mit ihm sympathisierte. Anschließend floh der preußische Offizier über Wien nach Russland, wo er in die Dienste des Zaren trat. 1749 führte ihn sein Weg erneut nach Österreich – nun galt es, das Erbe des inzwischen verstorbenen Vetters anzutreten. In diesem Zusammenhang erhielt von der Trenck eine Rittmeisterstelle im 5. kaiserlichen Kürassier-Regiment Caspar Graf Cordova.

Naheliegenderweise trachtete Friedrich der Große danach, des Deserteurs habhaft zu werden. Die Gelegenheit hierzu ergab sich im Mai 1754. Nach dem Tode seiner Mutter reiste von der Trenck in die Stadtrepublik Danzig, wo er von preußischen Offizieren gefangengesetzt und nach Pommern verschleppt wurde. Von dort aus führte der Weg des Arrestanten bis in die Festung Magdeburg. Dort musste er ab Juli 1754 erneut ohne Gerichtsurteil einsitzen – nun allerdings für neun Jahre, fünf Monate und elf Tage. In dieser Zeit unternahm der Staatsgefangene Friedrichs des Großen mehrere spektakuläre Fluchtversuche mittels selbstgegrabener Tunnel und ähnlicher Tricks, durch die er zur Legende avancierte. Und wieder wurden die Haftbedingungen mit jedem Scheitern eines Ausbruchs härter, nur dass von der Trenck diesmal nicht irgendwann zum Ziele kam.

Seine Freilassung erfolgte erst am 24. Dezember 1763 nach Abschluss des Siebenjährigen Krieges auf direkte Intervention von Maria Theresia – unter der Bedingung, dass er nie wieder preußischen Boden betrat. In Österreich erging es ihm ausnehmend gut. Dort bekam er seine volle Gage für die Jahre der Haft nachgezahlt und dazu noch eine Pension auf Lebensdauer in gleicher Höhe.

In der Folgezeit lebte der offensichtlich höchst unstete und auch querulatorisch veranlagte von der Trenck in Aachen und Ungarn, bis er nach dem Tode von Friedrich dem Großen nach Preußen zurückkehren durfte und dort sogar eine Entschädigung für früher konfisziertes Eigentum erhielt. Später vagabundierte der Freiherr über England nach Frankreich. Dort erfreute sich der „Ausbrecherkönig“ einer erstaunlichen Popularität und wurde enthusiastisch gefeiert. Erst drei Tage vor dem Ausbruch der Französischen Revolution verließ Trenck Paris und widmete sich anschließend seinem bevorstehenden Umzug nach Hamburg. 1791 trieb den Adeligen aber die Neugier in die Hauptstadt Frankreichs und der Französischen Revolution.

An der Seine betätigte er sich als Schriftsteller, bis 1794 der Große Terror losbrach. Nun wanderte von der Trenck auf persönliche Veranlassung des Jakobiner-Führers Maximilien de Ro­bes­pi­erre ins Gefängnis Saint-La­zare und anschließend vor das Revolutionsgericht. Der Ankläger Antoine Quentin Fouquier-Tin­ville warf ihm vor, als österreichischer Agent an einer Verschwörung zur Wiederherstellung des Königtums beteiligt gewesen zu sein und darüber hinaus seine Mitgefangenen aufgewiegelt zu haben. Von der Trenck erwiderte hieraufhin: „Friedrich von Preußen war groß und erbärmlich. Ihr seid nur erbärmlich!“ 

Trotzdem hätte er am Ende fast einen Freispruch erwirkt, zog es aber aus Gründen der Ehre vor, sich schützend vor seine 29 Mitangeklagten zu stellen, zu denen unter anderem der Dichter André Chénier gehörte. Also wurde er gleich den anderen zum Tode verurteilt und am 25. Juli 1794 auf dem Pariser Place du Trône-Renversé guillotiniert. Diesmal hatte von der Trenck keine Chance zu fliehen, und es gab auch niemanden, der ihn durch eine Intervention rettete. Dabei hätte er nur zwei Tage länger leben müssen, um infolge des Zusammenbruchs der Jakobiner-Diktatur freizukommen.