20.04.2024

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16.08.19 / Frei gedacht / Die verliebte Nachbarin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-19 vom 16. August 2019

Frei gedacht
Die verliebte Nachbarin
Eva Herman

Unsere Nachbarin hat mir neulich erzählt, dass sie frisch verliebt sei. Wie ein junges Mädchen hatte sie im Treppenhaus gekichert, als sie mir die frohe Botschaft übermittelte. „Wer ist denn der Glückliche?“, fragte ich sie, als sie mit seliger Miene antwortete: „Der Habeck Robert“. Robert Habeck? Der Grünen-Vorsitzende? „Genau der“, gluckste sie beifallheischend. Bevor ich weiterdenken konnte, erläuterte sie mir, dass es sich natürlich um eine platonische Liebe handele, er selbst wisse ja von nix. Aber er sei ein so interessanter und kluger Mann, dass wohl „keine Frau an ihm vorbeikommt“.

Ich schon, dachte ich noch bei mir, als sie auch schon loslegte. Der Herr Habeck hätte jetzt, angesichts der Tatsache, dass unsere Welt bald untergehe wegen des schlimmen Klimas, etwas ganz Sensationelles vorgeschlagen: Die Leute könnten jetzt ihre Kleider tauschen, um das Klima zu schützen. Ja, dachte ich, so hat es damals auch bei den Hippies der 68er angefangen, und was kam dann? Aber unsere Nachbarin sprudelte schon weiter: „Der Herr Habeck hat auch gesagt, dass er ganz viele Leute kennt, die sich jetzt immer treffen, um die Klamotten zu tauschen.“ Sie nickte eifrig, als sie die Geschichte für sich zu Ende zu denken schien: „Ja, mei“, sagte sie, „die ganzen Kleiderschränke in Deutschland sind proppevoll bis obenhin. Wenn man sich jetzt gegenseitig einlädt, um was im fremden Schrank zu suchen, dann hat man auch noch Spaß miteinander, hat auf den Schlag praktisch neue Klamotten“ und, nun legte sie eine kurze Kunstpause ein, atmete tief durch – und dann brach es heraus: „Und wir sparen Ressourcen!“ Sie nickte: „Und das ist fürs Klima gut! Sagt Robert Habeck.“

„Na, ja“, wandte ich ein. „Die meisten Kleiderschränke stehen in den Schlafzimmern. Dann muss ich ja all die Leute für den Kleidertausch in mein Schlafzimmer lassen, ist ja fast wie bei Familie Tupper ...“ Unsere Nachbarin lachte kokett und tatschte kurz meinen Unterarm: „Ach, geh, Sie immer mit Ihren Einwänden. Bleiben Sie einfach mal locker. Wenn es der Herr Habeck so macht, dann können wir es doch auch, oder?“ Sie warf einen schelmischen Blick nach oben und den Kopf in den Nacken. „Das ist eine ganz neue Freiheit“, schmunzelte sie vielsagend. Während ich mir das Drama gerade bildlich vor Augen ausmalte, atmete sie wieder tief durch, als würde sie den Politiker praktisch inhalieren. „Mei, er ist ja so attraktiv, der Robert. Finden Sie nicht auch?“ „Ja, der Robert“, murmelte ich ganz leise, um die soeben offengelegten Gefühle meiner Nachbarin nicht zu verletzen. „Der ist gut für die Systemshow, für sonst nix.“

Aber meine Nachbarin hatte schon eine neue Story vom Robert, die sie mir auch unbedingt erzählen wollte. Mit strahlender Miene erörterte sie ganz wichtig, dass der Herr Habeck, der ja „jetzt ein ganz wichtiger Politiker in Deutschland ist, und bestimmt wird er bald Kanzler“, sich praktisch rund um die Uhr um unser Klima sorgen würde. „Einen Fortschritt brauchen wir, verstehen Sie?“, funkelte sie mich an. „Und er hat ihn!“ „Ja, was hat er denn für einen Fortschritt?“, fragte ich zurück. Bislang geht’s nur alles rück­wärts, schoss es mir durch den Kopf, alle Fortschritte sind ja eh schon dahin, so soll man jetzt ja nicht mehr fliegen, kein Schiff (außer Segler), kein Auto mehr fahren; all diese Dinge waren vor allem im letzten Jahrhundert zu riesigem Erfolg entwickelt worden, Motorisierung, Industrialisierung, Zivilisation nannte man das damals, und jetzt? Schadet alles! Also, weg mit Schaden! Soll abgeschafft werden. Ich stöhnte leise.

„Also,“ fragte ich noch einmal, was hat er sich denn für einen Fortschritt für uns ausgedacht, der Robert?“ Und wieder sprudelte es nur so aus dem mir gegen­über am Treppengeländer lehnenden politischen Schwergewicht heraus: „Na, ganz einfach: Mitfahrgelegenheiten!“ Triumphierend schaute sie mich abermals an. „Mitfahrgelegenheiten“, wiederholte unsere Nachbarin noch einmal, damit ich es wohl auch richtig verstehe. „Man muss nicht mehr selbst fahren, hat er gesagt, was doch viel entspannter ist. Außerdem gibt es weniger Staus, weil weniger Autos unterwegs sind.“ Genauso hätte es der Herr Habeck gesagt, und: „Das ist doch ein riesiger Gewinn an Freiheit!“ Nun war ich es, die sich herzhaft am Treppengeländer festhalten musste, bei so viel Freiheit am Stück. Gerade schossen mir die Schlagzeilen der letzten Tage durch den Kopf: Man solle keine Hunde und Katzen mehr halten, weil sie zu viel CO2 produzierten, sagen die Grünen, zudem wird die Liste jener junger Frauen immer größer, die sich sterilisieren lassen, weil Babys nach Aussage der Grünen ja jetzt die allergrößten Klimakiller seien.

Terra, quo vadis, dachte ich bei mir, während die dunklen Schatten vor meinen Augen sich langsam zu schweren Schwaden verstärkten. Und so hatte ich kurze Zeit nicht richtig zugehört, was unsere Nachbarin noch so alles vom Stapel gelassen hatte. Jetzt war sie auf jeden Fall beim Thema Nachtzüge. Nachtzüge? Ich erinnere mich, dass ich einige Jahre lang häufig mit dem Nachtzug von Hamburg nach Baden Baden gefahren war. Du liebe Güte, ich hatte damals nur selten ein Auge zugetan angesichts der ewigen Ruckelei, des lauten Quietschens während der Bremsvorgänge und des ungemütlichen morgendlichen Aufstehens in der engen Kabine. Bei spontanen Bremsvorgängen konnte man oft einen Absturz aus dem Bett nur in letzter Sekunde verhindern. Zudem war der ganze Spaß damals extrem teuer gewesen.

„Nachtzüge?“ Ich starrte die Frau an. „Ja, haargenau: Nachtzüge!“ Ich schüttelte mich. „Hat das auch der Habeck Robert gesagt?“, wollte ich wissen? „Ganz genau“, erläuterte unsere Nachbarin eilfertig. „Ab Herbst 2019 könnte man das alles schon einführen, dann wird bei uns nicht mehr im Inland hin- und hergeflogen, basta!“ „Ja, wie denn das?“, wollte ich wissen: „Bei uns funktionieren doch noch nicht einmal richtig die Tagzüge. Und wir haben doch eh so gut wie keine gescheiten Nachtzüge mehr.“ Hatte ich lauter gesprochen? Ist doch wahr. „Jetzt bring ich Sie mal auf den neusten Stand der Inlandspolitik, meine Liebe“, versprach die Frau vor mir, während ich mich wieder etwas fester am Geländer festhielt. „Also, das geht jetzt alles blitzschnell, Herbst 2019.“ Eine Kerosinsteuer sei geplant, um das Bahnfahren attraktiver zu machen. So könnte nämlich „durch diese neuen Steuereinnahmen die Mehrwertsteuer auf Bahntickets gesenkt werden. Sie sah mich erwartungsvoll an: „500 Millionen Euro können so gespart werden, ist das nicht fantastisch?“

In dem Moment fiel mir eine Meldung der „Welt“ von Ende Juli 2019 ein, in der endlich auch im Mainstream das bestätigt wurde, was schon lange bei den Freidenkern bekannt ist. Unter der Überschrift „Klimasünde Inlandsflug?“ wurde Folgendes klargestellt: „Die Zahlen sagen etwas anderes. Tatsächlich sind innerdeutsche Flüge lediglich für 0,3 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Die von den Grünen geplante Abschaffung von Inlandsflügen in Deutschland würde daher kaum zu einer CO2-Einsparung beitragen.“

Tja, unsere verliebte Nachbarin wird künftig nun Kleiderschrankpartys veranstalten und den Nachtzug nehmen. Und darauf warten, dass endlich der neue Kanzler gewählt wird.