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16.08.19 / Toftü – Der besondere Tag / Tag der offenen Tür erreicht auch Nicht-Ostpreußen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-19 vom 16. August 2019

Toftü – Der besondere Tag
Tag der offenen Tür erreicht auch Nicht-Ostpreußen
U. Eichler

Viele Einrichtungen veranstalten einen Tag der offenen Tür, meist einmal im Jahr. Wir als Betreuer der Lötzener Heimatsammlung begannen vor zwölf Jahren, einen solchen Tag monatlich anzubieten, von Dieter Eichler „Toftü“ genannt. Sehr rasch merkten wir: Wir müssen uns unterscheiden. So nennen wir seit zehn Jahren den in der Regel am dritten Sonnabend des Monats stattfindenden Öffnungs- und Veranstaltungstag „Der besondere Tag“. Bei den treuen Wiederkehr-Besuchern des Lötzener Museums in Neumünster stehen seine Daten von März bis einschließlich November fest im Terminkalender.

Anfangs waren wir in der Pflicht, Themen zu finden und die Vorträge selbst zu gestalten. Wir begannen mit Dia-Vorträgen, die eine Form von Reisebericht waren. Wir bezogen uns auf Persönlichkeiten des Kreises Lötzen und auf seine Geschichte. 

Wir versuchten Lesungen und das Märchenerzählen – in der Hoffnung, auch Jüngere zu erreichen. Dann entwickelte sich eine größere Spannbreite der Themen. Nicht mehr nur die Region Masuren und das Leben seiner Menschen dort in Geschichte und Gegenwart, sondern das ganze Ostpreußen – als Teil der Geschichte Preußens – rückte in den Mittelpunkt. Durch diesen weiten Horizont erreichen wir auch Menschen, die keine Ostpreußen sind oder „nur“ Nachkommen von Ostpreußen. Die Angebote werden immer stärker von Bürgern der Patenstadt Neumünster und aus der Region angenommen.

Jetzt, im zwölften Jahr der Betreuung dieser Einrichtung (die aber seit 64 Jahren besteht), wird am 17. August die zwanzigste Sonderausstellung eröffnet werden können: „Das Ermland und Masuren im Winter“. Und mit dem Termin am 16. November wird die 100. Veranstaltung angeboten.

Inzwischen hat sich bei den Betreuern des Lötzener Heimatmuseums Hanna Ohser und Ute Eichler die Erkenntnis eingestellt: Nicht wir sind es, die den besonderen Tag gestalten – die Besucher sind es. Es vergeht kein Monat, in dem nicht Überraschungsgäste kommen und etwas aus ihrem Leben preisgeben, andere bringen Fragen und Anliegen, Informationen und Neuigkeiten oder lassen der Heimatsammlung etwas Gegenständliches zukommen.

Der Veranstaltungstag im Juli war in doppelter Hinsicht ein Experiment. Zum ersten Mal waren die Besucher der Nachmittags-Veranstaltung gebeten, Gedichte mitzubringen, die ihnen im Laufe ihres Lebens oder in einer bestimmten Situation von besonderer Bedeutung waren; keiner der Anwesenden wusste im Voraus, wie die „poetische Stunde“ sich inhaltlich gestalten würde. Ute Eichler führte auf sehr persönliche Weise in den Ablauf der Veranstaltung ein. Sie hatte unter den Papieren ihres Mannes ein Gelegenheitsgedicht gefunden, das der damals 12-jährige Dieter Eichler zum Geburtstag seiner aus Lötzen stammenden Mutter Hildegard geschrieben hatte – im Juni 1947! Heute ein Zeitdokument, in dem man von Not, vom Schwarzmarkt erfährt, vor allem jedoch die Dankbarkeit herausliest – der Vater ist gerade aus der Kriegsgefangenschaft zurück, die dreiköpfige Familie in der Nähe von Gnarrenburg am Rande des Teufelsmoors vereint. – Anfang der 1990er Jahre entstand das Gedicht „Der Alte und der Apfelbaum“, das  damals unter kuriosen Umständen von seinem Verfasser Werner von Ekesparre geschenkt wurde. Dank der – herkunftsmäßig – bunten Mischung der Besucher wurden dann auch die weiteren Gedichtbeiträge zu einem Potpourri. Ein Ostpreuße erheiterte mit Humorvollem, ein Schlesier hatte – passend zum Fontanejahr – zwei Gedichte dieses Autors mitgebracht. Ein Neumünsteraner überraschte mit seiner Gedichtauswahl, die den Zuhörern zuerst den amerikanischen Dichter Robinson Jeffers vorstellte, dann aus dem „Buch der Sehnsucht“ von Fischer-Friesenhausen ein Beispiel gefühlvoller Lyrik brachte, um danach mit dem Russen Alexander Block einen interessanten Gegenpol zu setzen. Mit dem Hinweis auf „Spann deine Flügel weit – Die schönsten Gedichte aus Ostpreußen“ und einigen Beispielen aus dieser zeitlos gültigen Zusammenstellung endete der Nachmittag. Eine junge Reporterin des „Holsteinischen Couriers“ hatte sich fleißig Notizen gemacht und Anwesende zuvor befragt.

Mittags hatten schon andere Besucher wie zum Beispiel ein Familienforscher aus Bordesholm oder ein junger Historiker aus Berlin  dem Lötzener Museum einen intensiven Rundgang abgestattet. Reiseberatung war an diesem Tag „so nebenbei“ erfolgt, die Bezugsadresse für zweisprachige Landkarten konnte vermittelt werden. Der im Ostpreußenblatt veröffentlichte Hinweis auf neu eingetroffenes Prospektmaterial hatte einen Besucher mit Herkunft Kreis Pr. Eylau gelockt, sich hier mit Informationsmaterial einzudecken. Andere waren durch die in der Lokalpresse zu lesende Mitteilung, dass es der letzte Tag der Sonderausstellung „Masuren – Land der Stille“ ist, gekommen, um noch einmal oder zum ersten Mal die Aquarelle des Berliner Malers Hans-Jürgen Gaudeck zu sehen.

Ja, alles zusammen: Er war wieder ein besonderer Tag – „Der besondere Tag“.