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16.08.19 / Dolce Vita mit Musik / Italiens Städte machen sich im August fein für bewährte Festivals

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-19 vom 16. August 2019

Dolce Vita mit Musik
Italiens Städte machen sich im August fein für bewährte Festivals
Helga Schnehagen

Die Altstadt von Ferrara (133000 Einwohner) in der oberitalienischen Re­gion Emilia-Romagna zählt seit 1995 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Geprägt von der Herrschaft des Hauses d‘Este (14. bis 16. Jahrhundert) bietet sie den idealen Rahmen für das „Ferrara Buskers Festival“ vom 24. August bis 1. September. Den musikalischen Auftakt der 32. Auflage macht bereits am 23. August das „Anteprima Buskers Festival“ in der malerischen Lagunenstadt Comacchio, etwa 50 Kilometer südöstlich.

Aufgeschreckt durch einen Zeitungsbericht, nach dem Straßenmusiker von der Polizei verscheucht wurden, beschloss Stefano Bottoni, ein Macher in der italienischen Musikszene, den Künstlern offiziell Platz zu geben. Er gründete das Straßenmusik-Festival und leitet es bis heute. Über 800000 Zuschauer werden zu den mehr als 130 Vorstellungen täglich erwartet. Das ist ein Superlativ der Straßenmusik! Die über 1000 Musiker aus 35 Ländern, dazu Jongleure und Akrobaten, treten dabei nur mit einem Hut zu ihren Füßen auf. 

Begleitet wird das Festival zum diesjährigen 500. Leonardo-Jubiläum durch eine Ausstellung von Musikinstrumenten im Castello Estense, die anhand von Skizzen aus da Vincis Codex Madrid nachgebaut wurden.

Seine 40. Auflage feiert vom 

25. bis 31. August das Festival „Benevento Città Spettacolo“ in der süditalienischen Region Kampanien. 1980 als Theater-Festival geboren, wurde es im Laufe der Jahre um Bildende Kunst, Film, Musik und Literatur erweitert und unter der künstlerischen Leitung des Regisseurs und Schauspielers Renato Giordano zum Publikumsmagneten. Von der Rivalität mit Neapel beflügelt, hat sich Benevent (60000 Einwohner) vorgenommen, sein anspruchsvolles Festival lebendig zu halten. 

Dabei werden auch in Benevent Theater, Plätze und Innenhöfe in der historischen Innenstadt zu Bühnen für Shows, Musikdarbietungen, Autoren-Lesungen, Performances, Konferenzen und Ausstellungen. Hier begegnet man der Antike. Der 114 zu Ehren Trajans erbaute Triumphbogen ge­hört zu den besterhaltenen Bauten der Römerzeit. Im Römischen Theater wird am 25. August das Festival mit einem Bühnenstück eröffnet. Am 30. August folgt die Produktion „Tanz oder stirb“, nach der Geschichte eines syrischen Tänzers, der wegen seiner Tanzleidenschaft vom Islamischen Staat bedroht wird. Am 

28. August macht Italiens bekannte Sängerin Loredana Bertè auf der Piazza Castello Station.

Nur drei Minuten zu Fuß sind es von hier über den Corso Garibaldi zur Langobarden-Kirche Santa Sofia, seit 2011 Weltkulturerbe, mit dem angeschlossenen romanischen Kreuzgang und seinen hochinteressanten 48 Säulenkapitellen. Treffpunkt schlechthin ist der Löwenbrunnen vor dem einstigen Kloster. Mag sich dem Fremden auch nicht jeder Programmpunkt sprachlich erschließen, die eigentliche Show sind die Beneventiner selbst. In bester südländischer Korso-Manier flanieren sie durch die Straßen und machen elegant „bella figura“. In der Hand ein Glas Falanghina, den guten Weißwein der Region.