19.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
16.08.19 / Verschwörungstheorien auf der Spur

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-19 vom 16. August 2019

Verschwörungstheorien auf der Spur
Silvia Friedrich

Aussagen, die auf Gefühlen statt auf Fakten beruhen, bezeichnet man als „postfaktisch“. 2016 wurde der Begriff von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres gekürt. 

Der Physiker und Managementberater Holm Gero Hümmler engagiert sich nicht nur in der „Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.“, sondern hat sich in seinem Buch „Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden“ aufgemacht, der thematischen Irreführung den Kampf anzusagen. Sein Buch richte sich vor allem an Menschen, so Hümmler im Vorwort, die von Bekannten oder Angehörigen, vielleicht auch in den Medien, mit Verschwörungsbehauptungen konfrontiert würden. Allgemeinpsychologisch lässt sich, laut Hümmler, leicht erklären, warum wir Menschen Verschwörungsideologien verfallen können. Menschen seien außerordentlich gute Muster-Erkenner. Auffinden von Mustern minimierte in früheren Zeiten Gefahren im Jahreslauf und im Zusammenleben mit wilden, gefährlichen Tieren. Es sei besser gewesen, einmal ein Muster, eine Gefahr mehr zu sehen, als vom Säbelzahntiger gefressen zu werden bevor man die eigenen Gene weitergeben konnte.

Einigen der bekanntesten und fragwürdigsten Verschwörungsmythen wird im Buch auf den Grund gegangen, wie die sogenannte „Inszenierte Mondlandung“ oder die „False Flag Operation 9/11“. 

Als Wissenschaftler kann Hümmler kaum anders, als sich wissenschaftlich den Argumentationen zu nähern. Analytisch nimmt er die Aussagen unter die Lupe, um diese dann nach und nach zu entlarven. Die „Beweise“ der Verschwörungstheoretiker seien mit naturwissenschaftlichem Halbwissen konstruierte Lügengebäude. Gefährlich werde das Ganze, wenn sich dahinter Rechtsextremisten und Rechtspopulisten verbergen, die auf diese Weise das „gesunde Volksempfinden“, auf die „rechte“ Seite bringen wollten. 

In unterhaltsamem Stil geschrieben kann diese Lektüre durchaus zu umfassendem Kentnisgewinn führen. Verschwörungstheoretiker von ihrem Weg abbringen, wird es aber sicher nicht. Schön ist der Satz, mit dem der Autor seine Leser als hoffentlich kritische Bürger am Ende entlässt: „Bleiben Sie im Kopf offen, aber nicht so offen, dass der Verstand herausfällt!“ 

Holm Gero Hümmler: „Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden“, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2019, 223 Seiten, kartoniert, 19,80 Euro