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30.08.19 / Potenzial nicht erschlossen / Fliegen soll umweltfreundlich und wettbewerbsfähig werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-19 vom 30. August 2019

Potenzial nicht erschlossen
Fliegen soll umweltfreundlich und wettbewerbsfähig werden

Über 500 Vertreter aus Politik, Industrie und Gewerkschaften trafen sich auf dem Flughafen Halle/Leipzig zur 1. Nationalen Luftfahrtkonferenz. Auf der Agenda stand eine neue Strategie, mit der Deutschlands Luftfahrtbranche wettbewerbsfähiger und umweltfreundlicher werden soll. Weltweit ist der Luftverkehr in einem Aufschwung. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) markierte das Jahr 2018 mit rund 3,34 Millionen kommerziellen Flugbewegungen im bundesdeutschen Luftraum einen neuen Rekord. Parallel wächst aber auch der Druck auf die Branche. So bezeichnet das Umweltbundesamt Fliegen als „die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen“. 

Wie in der Automobilbranche läuft auch bei den Flugzeugbauern die Suche nach neuen Antriebsformen. Auf der nationalen Luftfahrtkonferenz wurde ein „Leipziger 

Statement für die Zukunft der Luftfahrt“ vorgestellt. Das Papier sieht die Förderung der sogenannten „Power-to-Liquid“-Technologie vor. Mit dieser sollen künftig synthetische Flugzeugtreibstoffe produziert werden. Bislang kostet synthetisches Kerosin noch ein Vielfaches im Vergleich zur herkömmlichen Variante. Zudem werden die neuen Treibstoffe nur in geringen Mengen hergestellt. Experten dämpfen die Erwartungen auf schnelle Erfolge. 

Manfred Aigner, Direktor des DLR-Instituts für Verbrennungstechnik, sagt: „Für eine industrielle Produktion von vielen Tonnen kli­ma­neutralen Kerosins wird es sicher noch zehn Jahre dauern.“ 

Das Leipziger Papier nennt als zentrales Element strategischer Industriepolitik die Entwicklung von Technologien für elektrische und hybrid-elektrische Flugzeugantriebe. Wegen des Gewichts kommen Batterieantriebe auf absehbare Zeit  nicht für Langstreckenflüge in Betracht. Bei vergleichbarer Energie wird derzeit das 70-fache Gewicht und Volumen von Kerosin benötigt, so das Fachportal „airliners.de“.  

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte in Leipzig zudem auch eine nationale Wasserstoffstrategie an, die bis Ende des Jahres vorliegen soll. Sie sagte: „Wir wollen technologieoffen an die Dinge herangehen.“ Außerdem wies sie darauf hin, dass die „Potenziale von Wasserstoff auch für die Luftfahrt längst nicht erschlossen“ seien.  

Kurz vor der Luftfahrtkonferenz wurde die Ansiedlung eines neuen Flugzeugherstellers am Flughafen Leipzig/Halle bekanntgegeben. Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums will ein neu zu gründendes Unternehmen die Produktion des Kurzstreckenflugzeuges Dornier 328 wieder aufnehmen. Bei dem Projekt arbeiten die Sierra Nevada Corporation (SNC) aus den USA und die „328 Support Services GmbH“ zusammen. Die 30-sitzige Turbopropmaschine war das letzte in Deutschland gebaute Verkehrsflugzeug. Entwickelt wurde das Regionalflugzeug Dornier 328 bereits in den 1980er Jahren von der damaligen Daimler-Benz-Tochter DASA. N.H.