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30.08.19 / Es geht bergab / Deutschlands Industrieproduktion ist geschrumpft

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-19 vom 30. August 2019

Es geht bergab
Deutschlands Industrieproduktion ist geschrumpft
Norman Hanert

Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums belegen eine unerwartet starke Schrumpfung der Industrieproduktion in Deutschland. Nach Angaben des Ministeriums ging die Produktion von Industrie, Bau und Energieversorgern im Juni um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres sank die deutsche Industrieproduktion sogar um fünf Prozent. 

Der vielbeachtete Geschäftsklimaindex vom ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München war im Juli auf den niedrigsten Stand seit April 2013 gefallen. „Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindikator im freien Fall“, lautet der Kommentar von ifo-Präsident Clemens Fuest. Sai­sonbereinigt korrigiert sank der Index für das verarbeitende Gewerbe von 97,5 auf 95,7 Punkte. Laut dem ifo Institut war ein stärkerer Rück­gang beim Index zuletzt im Februar 2009 beobachtet worden. Auch im Dienstleistungssektor und im Handel ist der Geschäftsklimaindex deutlich gesunken. Einzig im Bauhauptgewerbe blickten die Unternehmen optimistischer auf die nächsten Monate. 

Fuest sagte zur Eintrübung der Stimmungslage in der Wirtschaft: „Die deutsche Konjunktur befindet sich in schwierigem Fahrwasser.“

Mit den jüngsten Zahlen wächst die Gefahr einer Rezession, einer über mehrere Quartale anhaltenden Schrumpfung der deutschen Wirtschaftsleistung. Im ersten Quartal war Europas größte Volkswirtschaft nur noch leicht um 0,4 Prozent gewachsen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) rechnet inzwischen damit, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal bereits nicht mehr gewachsen ist. Der KfW-Volkswirt Klaus Borger kommentierte die Entwicklung mit den Worten: „Sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nicht gesunken sein, wäre das schon ein Erfolg.“ 

Insbesondere das stark von der Konjunktur abhängige verarbeitende Gewerbe rechnet inzwischen mit einem starken Anstieg der Kurzarbeit. Das Münchner ifo Institut hat ermittelt, dass 8,5 Prozent der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe davon ausgehen, in den kommenden drei Monaten Kurzarbeit anmelden zu müssen. Das ist der höchste Wert seit 2013. 

Angesichts der düsteren Aussichten für die Konjunktur haben inzwischen mehrere Vertreter von Wirtschaftsverbänden Forderungen an die Bundesregierung gestellt. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) rief die Regierung dazu auf, Vorsorge für den Fall einer Wirtschaftskrise zu ergreifen. BDA-Präsident Ingo Kramer verlangte „ein Belastungsmoratorium für die deutsche Wirtschaft“ und die beschleunigte Umsetzung bereits geplanter öffentlicher Investitionen. Dabei sollten keine langwierigen Genehmigungsverfahren die Prozesse unnötig in die Länge ziehen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht beim Instrument der Kurzarbeit Handlungsbedarf. Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, wünscht sich für den Fall einer Wirtschaftskrise die Möglichkeit, die Kurzarbeit notfalls auch sehr schnell und massiv aufzustocken sowie sie innerhalb weniger Tage per Kabinettsbeschluss in Kraft zu setzen. Als Risiken nannte Zander neben einem harten Brexit auch einen globalen Handelskrieg und einen militärischen Konflikt mit dem Iran.