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30.08.19 / Dem Kriegseintritt folgte die Internierung / Vor 80 Jahren begann die Südafrikanische Union, dort und in Südwestafrika lebende Deutsche in Lager zu sperren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-19 vom 30. August 2019

Dem Kriegseintritt folgte die Internierung
Vor 80 Jahren begann die Südafrikanische Union, dort und in Südwestafrika lebende Deutsche in Lager zu sperren
Wolfgang Reith

Nachdem sich am 4. September 1939 das südafrikanische Parlament mit knapper Mehrheit gegen die Neutralität des Landes und stattdessen für die Teilnahme am Krieg auf der Seite Großbritanniens entschieden hatte, wurde schon Mitte des Monats damit begonnen die in Süd- und Südwestafrika lebenden Deutschen, die einen nicht unerheblichen Prozentsatz der weißen Gesamtbevölkerung ausmachten, zumindest teilweise zu internieren. Während die Südafrika-Deutschen vornehmlich in das Lager Baviaanspoort bei Pretoria gebracht wurden, wurden die deutschen Südwester zunächst im Lager „Klein Danzig“ bei der ehemaligen deutschen Funkstation in Windhoek interniert. Von dort wurden Letztere im Juni 1940 ins neuerrichtete Lager Andalusia überführt.

Dieser Ort erscheint heute auf keiner Karte mehr, da er nach dem Tode des einstigen Burengenerals Jan Kemp im Jahre 1946 diesem zu Ehren in Jan Kempdorp umbenannt wurde. Neben den Südwe­ster Deutschen, von denen zuletzt 1600 in Andalusia lebten, waren dort auch eine Gruppe von Ostafrika-Deutschen sowie Angehörige anderer Feindmächte interniert. 

Ab Juli/August 1940 wurden in Andalusia zusätzlich Deutsche aus der Südafrikanischen Union interniert. Hintergrund war, dass nach Baviaanspoort im Laufe der Zeit zusätzlich deutsche Seeleute und auf deutschen Schiffen gefangengenommene Passagiere eingeliefert wurden sowie Deutsch-Ostafrikaner und Angehörige anderer Nationen. 

Lagerführer in Windhoek war zunächst Hans Hirsekorn, Rechtsanwalt, Notar, Politiker und zeitweise Mitglied der South West Africa Legislative Assembly, der gesetzgebenden Versammlung Südwestafrikas. Kurz nach der Übersiedlung der Internierten nach Andalusia wurde er dort von Adolf Gutknecht abgelöst. 

Letzterer gründete einen „Notgau der NSDAP“. Das war möglich, weil die Partei seit 1934 zwar in Südwestafrika, nicht aber in der Südafrikanischen Union verboten war. Doch Gutknecht machte sich mit seiner Forderung nach bedingungsloser Unterordnung unter die nationalsozialistische Parteidisziplin bald nicht nur bei seinen eigenen Landsleuten unbeliebt, sondern legte sich auch mit dem südafrikanischen Lagerkommandanten an und wurde deshalb noch im Laufe des Jahres 1940 nach Baviaanspoort strafverlegt, wo er bis nach dem Kriege blieb.

Neuer Lagerführer wurde Heinz Beckurts, seit 1938 Vorsitzender des Deutschen Schulvereins Windhoek und außerdem Schirmherr der Deutschen Pfadfinder in Südwestafrika. Er meisterte seine Aufgabe bis zum Schluss mit Bravour und erfreute sich daher bei seinen Landsleuten allgemeiner Beliebtheit. Sein Vertreter war der ebenfalls hochgeschätzte Major Ernst von Brandis aus Tanganjika im vormaligen Deutsch-Ostafrika, der zusammen mit seinen Brüdern Cord und Karl interniert worden war.

Im August 1945 wurde das Lager Andalusia aufgelöst, doch viele der Insassen waren damit noch keineswegs frei. Die bisher dort internierten deutschen Südwe­ster, die sich während des Krieges freiwillig zur Repatriierung nach Deutschland gemeldet hatten, wurden nunmehr nach Baviaans­poort überführt. Alle anderen kamen ins dritte große Lager Koffiefontein im Oranje-Freistaat, wo vor allem die weißen Südafrikaner interniert worden waren, die mit dem nationalsozialistischen Deutschland sympathisierten.

Als im März 1946 auch das Lager Koffiefontein aufgelöst wurde, bedeutete dies zwar für viele die Entlassung in die Freiheit, viele andere jedoch wurden nach Baviaans­poort verlegt, wo durch Entlassungen Platz entstanden war und wo sie nun noch einmal Monate bis zur endgültigen Freilassung warten mussten. Aus diesem Grund kursierte damals in Südafrika der Spruch „Join the internees and see the Union.“

Von dem früheren Internierungslager Andalusia, das aus mit Holz verschalten Wellblechbaracken bestand, steht heute nichts mehr. Das einzige, was im jetzigen Jan Kempdorp noch an die damalige Zeit erinnert, sind die Gräber der 17 während der Internierung verstorbenen Lagerinsassen. Kurz vor der Auflösung des Lagers 1945 beschloss man, die Grabstätten so zu gestalten, dass sie künftig keiner größeren Pflege bedürfen. So bedecken denn die Gräber seither große im Lager hergestellte Zementplatten mit den darauf angebrachten Namen und Lebensdaten der Verstorbenen. 1965 wurde inmitten des Gräberfeldes ein großes Teakholzkreuz errichtet, vor dem man später noch eine Tafel anbrachte, auf der die Namen und Daten der dort bestatteten Deutschen eingraviert sind.

Die Anlage befindet sich weithin sichtbar am Kopfende des neuen Friedhofs von Jan Kempdorp, der ungefähr zwei Kilometer südlich des Ortes liegt. Sie macht einen durchaus gepflegten Eindruck. Auf dem Friedhof sind überdies einige südafrikanische Soldaten beigesetzt, von denen mindestens einer zu den Wachmannschaften des Internierungslagers gehörte.