17.01.2022

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13.09.19 / Mit dem Zweiten sieht man Propaganda

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-19 vom 13. September 2019

Mit dem Zweiten sieht man Propaganda
Erik Lommatzsch

Pünktlich zum vierten Jahrestag von Angela Merkels Nicht-Grenz-Schließung – es wird regierungsseitig größter Wert darauf gelegt, dass es sich nicht um eine Grenz-Öffnung handelte – erfreute uns das ZDF am 4. September mit einer „Dokumentation“. Das Werk, in das neben Originalmaterial reichlich Spielszenen eingeflochten sind, in denen die Kanzlerin fast erschre-ckend überzeugend von Heike Reichenwallner verkörpert wird, haben die Bürger dieses Landes großzügig mit ihren monatlich von der GEZ (ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice) eingezogenen Geldern finanziert. Entsprechend engagiert legt sich das Fernsehen ins Zeug, um einen nicht ganz unwichtigen Tag der jüngeren Geschichte zu „rekonstruieren“. 

Der mit den Geschehnissen völlig Unvertraute hätte nach knapp 90 Minuten folgendes Bild: Eine arg in Anspruch genommene Bundeskanzlerin Merkel absolviert an diesem Tag ein umfangreiches Programm. Von Berlin fliegt sie nach Bayern, von dort geht es nach Essen, dann nach Köln. Überall tritt sie auf. Und erst am späten Abend ist sie wieder in der Hauptstadt. Natürlich meistert sie alles souverän. Aber das ist nur Nebensache. Denn da gibt es diese „Flüchtlinge“. Die lagern plötzlich elend am Budapester Keleti-Bahnhof. Von den Ungarn, insbesondere personifiziert durch Viktor Orbán, werden sie nicht nur unversorgt gelassen, sondern auch ganz schlecht behandelt. Von Aufhalten ist die Rede, sogar registriert werden sollen sie. Vor allem einer ist es, der da vorangeht: Mohammad Zatareih, der zufällig auch ein Megafon im Rucksack hatte, drängt zum Marsch in Richtung österreichischer Grenze. Von dort will man weiter. Die Deutschen nehmen gern und großzügig jeden auf. Einen Tweet vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gab es einige Tage zuvor, die Regeln des Dublin-Abkommens – das Asylverfahren findet dort statt, wo erstmals europäischer Boden betreten wurde – werden nicht mehr angewendet. Massen folgen Zatareih. Zu Fuß. Oft im Bild: Ein Mann, der sich an Krücken bewegt. Und immer diese Angst, die perfiden Ungarn könnten irgendetwas gegen diesen Marsch unternehmen, der von einem unbekannten Zeitpunkt an „March of Hope“ genannt wird. Die Kanzlerin bekommt ständig Nachrichten. Die Menschen tragen auch große Bilder von ihr, als „Flüchtling“ hat man so etwas scheinbar immer bei sich. Irgendwann ist klar: Merkel muss entscheiden, um eine „humanitäre Katastrophe“ zu verhindern. Dass die „Flüchtlinge“ aus Ungarn wegmüssen, versteht jeder. Auch der österreichische Kanzler jammert und will Zusagen. Gut, dass wir eine entschlossene Regierungschefin haben. Natürlich dürfen alle kommen. Eine Heldin! Und dafür wird sie auch noch von einigen Unbelehrbaren aus dem eigenen Land – etwa Alexander Gauland – bepöbelt.

Soweit, so flach. Um die „Dokumentation“ zu hinterfragen, braucht man nicht einmal zusätzliche Informationen. Aufmerksames Zusehen reicht. Schwer verständlich ist, warum Zatareih aus Syrien erst in Dubai und dann in der Türkei war, um sich jetzt – auf der Durchreise – in Budapest zu befinden. Eine „Flucht“ ist das nicht mehr. Sondern eine gezielte Migration. Interessant auch, dass Deutschland seinerzeit einen Innenminister hatte, Thomas de Maizière, der uns erklärt, dass es nicht „so leicht“ sei, „Grenzen zu schließen gegen entschlossene Menschen“. Was genau ist dann der Sinn der Grenze? Die Idee eines eventuellen Schließens der Grenze hat auch die Film-Merkel, sie fragt ihren Paladin Peter Altmaier in einer Spielszene, ob dies „theoretisch möglich“ sei. Der weiß es nicht. Abgehakt. Und immer wieder wird suggeriert, dass der „Flüchtlingszug“ ins gelobte (Deutsch-)Land nur sein naturge­gebenes Recht einfordert. Zatareih erzählt in einer Interviewpassage, wie er seinen Mitstreitern seinerzeit sagte, da seien fünf bis sechs Polizeiautos, „aber wir sind 1300 Personen, sie können uns nicht kontrollieren“. Schön, wenn man weiß, wie man sich durchsetzen muss. Es ist gelungen und gelingt immer wieder. Nicht nur im Doku-Film. Das lässt für die Zukunft hoffen. 

Der ungarische Botschafter hat sich in einem Schreiben an das ZDF gewandt, in dem sich die Formulierung „an Ehrverletzung grenzende Propaganda“ findet. Für den weniger direkt angegriffenen Zuschauer ist es „den Intellekt beleidigende Propaganda“.