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13.09.19 / Alexander, der große Preuße / Biografien, Comics, Zeichnungen und der ganze Humboldt – Übersicht der Buchveröffentlichungen zum Humboldt-Jahr

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-19 vom 13. September 2019

Alexander, der große Preuße
Biografien, Comics, Zeichnungen und der ganze Humboldt – Übersicht der Buchveröffentlichungen zum Humboldt-Jahr
Harald Tews

Alexander von Humboldt ist für viele immer noch ein lohnendes Unterfangen. Das zeigen die zahlreichen Buchveröffentlichungen zum Humboldt-Jahr (siehe auch Seite 4). Unter den Neuerscheinungen ist manches Lesenswertes.

Vor drei Jahren hatte die deutsch-britische Historikerin Andrea Wulf mit ihrer Biografie Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur (C. Bertelsmann, 560 Seiten, 24,99 Euro) eine wahre Flut von Büchern eingeleitet, die sich mit dem preußischen Abenteurer und Naturforscher befassen. Vom Rummel, der von dessen am 14. September an­stehendem 250. Jahrestag seiner Geburt ausgelöst wurde, wollte auch sie profitieren. So hat sie ihrer preisgekrönten Biografie, die sich sogar weltweit erfolgreich verkaufte und Humboldt postum zum internationalen Medienstar machte, ein höchst beachtliches Bilderbuch nachgelegt.

Bei Wulfs neuestem Opus Die Abenteuer des Alexander von Humboldt (C. Bertelsmann, 272 Seiten, 28 Euro) handelt es sich um die Comic-Variante ihrer Humboldt-Biografie. Der Protagonist selbst taucht als Sprechblasenheld auf, der als knapp 90-Jähriger rückblickend über seine Südamerikareise aus den Jahren 1799 bis 1804 berichtet. Der von Lillian Melcher illustrierte Band greift dabei auf Humboldts Zeichnungen zurück, die er während seiner Expedition angefertigt hat. 

Das Buch kann man als Einstiegshilfe in die Humboldt-Welt verstehen oder auch als die Bilderbuchausgabe von Wulfs Humboldt-Biografie für Lesefaule. Dabei wird textlich nicht wenig geboten. Auf der Doppelseite über den Aufstieg zum 6267 Meter hohen Chimborazo, den Humboldt damals für den höchsten Berg der Welt hielt, wird anhand der Vegetationsgrenze, die Humboldt am Berg ausgemacht hatte, erklärt, dass sich seitdem die Pflanzen 500 Meter nach oben bewegt haben und das „die globale Erwärmung ... zu erheblichen Veränderungen bei der Verteilung tropischer Pflanzen“ führe. Dieser mit 270 Seiten überdimensionale Comicstrip für Erwachsene, in dem Originalzitate mit fiktiven Sprechblasen-Dialogen abwechseln, ist wohl das sonderbarste, aber auch unterhaltsamste Druck­erzeugnis zum Humboldt-Jahr.

Die gegenüber Wulfs Comic seriösere Bilderbuchvariante bietet Alexander von Humboldt – Reise nach Südamerika von Ulli Kulke (Frederking & Thaler, 136 Seiten, 19,99 Euro). Neben zum Teil ganzseitigen historischen An­sichten, Grafiken, Landkarten und modernen Fotos vom Dschungel erzählt Kulke in dieser Neuauflage eines Geo-Buchs von 2010, wie Humboldt vom Abenteurer zum „Star von Paris und Berlin“ wurde. Denn nach seiner Rück­kehr aus Südamerika lebte er 20 Jahre in Paris, ehe er nach Berlin zog, wo er am 6. Mai 1859 starb.

Wer mehr über das 90 Jahre umspannende Leben Humboldts erfahren möchte, dem bieten sich jenseits der etwas sprunghaften Biografie von Wulf einige Alternativen an. Mehr vom preußischen Blickwinkel aus betrachtet der Berliner Kulturjournalist Rüdiger Schaper mit Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten (Siedler, 246 Seiten, 20 Euro) das Leben des Forschers. Wie mit einer Kamera zoomt er das Leben Humboldts in Berlin weit heran, um ihn dann bei seinen Reisen in der Totalen zu beobachten. Einen schnellen Überblick über das Leben Humboldts bietet dagegen die kurze, informative und mit einer Zeittafel versehene Monografie Alexander von Humboldt des in New York tätigen Historikers Andreas Daum (C.H. Beck Wissen, 128 Seiten, 9,95 Euro).

Mit Alexander von Humboldt und die Globalisierung ist jetzt bei Suhrkamp (476 Seiten, 14 Eu­ro) die Taschenbuchausgabe einer Biografie über den „Querdenker seiner Zeit“ erschienen, die Ottmar Ette schon vor zehn Jahren veröffentlicht hat. Der Potsdamer Romanist zählt weltweit zu den führenden Humboldt-Experten. Er ist auch Projektleiter der Edition der „Humboldt-Tagebücher“, welche die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2014 für zwölf Millionen Euro erworben hat. Von einer „Jahrhundert-Erwerbung“ war damals die Rede. Auf 4500 eng beschriebenen Seiten hatte Humboldt seine Reiseeindrücke festgehalten, die er dick in Leder eingewickelt hatte, um sie vor Regen oder Stürzen ins Flusswasser zu schützen.

Unter dem Internet-Link https://humboldt.staatsbibliothek-berlin.de/werk sind die digitalisierten Reisetagebücher mitsamt dem in Berlin und Krakau verwahrten Nachlass – insgesamt 33000 Blatt – für jedermann frei einsehbar. Eine Auswahl der Humboldt-Tagebücher hat Ette jetzt in dem Band Das Buch der Begegnungen (Manesse, 416 Seiten, 45 Euro) herausgebracht.

Gemeinsam mit Julia Maier hat Ette außerdem einen prachtvollen Band mit Zeichnungen aus den amerikanischen Reisetagebüchern veröffentlicht: Bilder-Welten (Prestel, 736 Seiten, 148 Euro).  Humboldt war auch ein Künstler. Den Bilderschatz, den er hinterließ, hatte Oliver Lubrich schon vor wenigen Jahren mit dem Band Das graphische Ge­samtwerk (Lambert Schneider, 800 Seiten 49,95 Euro) gehoben. Daneben ist von ihm und Dominik Erdmann der Band Alexander von Humboldt: Das zeichnerische Werk erschienen (wbg Edition, 448 Seiten, 100 Euro), in dem 260 bisher unveröffentlichte Zeichnungen aus dem Nachlass vorgestellt und vorzüglich erläutert werden.

Humboldt selbst galt als einer der ersten Populärwissenschaftler, der seine Texte anschaulich mit eigenen Zeichnungen versah. Neben Landschafts- und Tierdarstellungen malte er unzählige Pflanzen. Walter H. Lack stellt in der aktualisierten Neuausgabe von Alexander von Humboldt und die botanische Erforschung Amerikas (Prestel, 280 Seiten, 49,95 Euro) eine Auswahl der besten botanischen Illustrationen des Forschers vor.

Aber auch Humboldt im Original zu lesen bietet sich reichlich Gelegenheit. So ist die von Hanno Beck herausgegebene und kommentierte zehnbändige Darmstädter Ausgabe der Werke Humboldts neu auf dem Markt (wbg Edition, 3897 Seiten, 99 Euro). Abgeschlossen wird die Ausgabe mit Humboldts bekanntestem Werk, dem „Kosmos“, von dem er vier Bände zu Lebzeiten veröffentlichte, ein fünfter erschien aus dem Nachlass. Das Werk basiert auf den 16 Vorträgen, die Humboldt in Berlin hielt. Zu den Zu­hörern gehörte Henriette Kohlrausch. Ihre Abschriften sind jetzt als Die Kosmos-Vorlesung an der Berliner Sing-Akademie im Insel Verlag erschienen (325 Seiten, 

16 Euro). Ein Vergleich mit den Originalhandschriften Humboldts bietet der Band Die Kosmos-Vorträge (Insel, 280 Seiten, 14 Euro). 

Bei dtv hat Humboldt-Experte Lubrich mit Thomas Nehrlich außerdem Humboldts Sämtliche Schriften in zehn Bänden herausgebracht (6848 Seiten, 250 Euro). Dabei handelt es sich um etwa 1000 Artikel, Essays und wissenschaftliche Beiträge, die Humboldt in loser Form in Zeitungen und Journalen in fünf Kontinenten veröffentlicht hatte und die ihn zum internationalen Wissenschaftsstar machten. Eine vorzügliche Auswahl dieser Schriften präsentieren Lubrich und Nehrlich in Der andere Kosmos (dtv, 448 Seiten, 30 Euro). Von 1789 bis 1859 wird je ein Text ausgewählt, den Humboldt in diesen 70 Jahren geschrieben hat.

1829 bereiste Humboldt auf Einladung des Zaren Nikolaus I. außerdem Russland. Aus dessen Reisebriefen hat Lubrich mit Die Russland-Expedition. Von der Newa bis zum Altai (C.H. Beck, 224 Seiten, 18 Euro) einen Band zusammengestellt, mit dem man als Leser Humboldt bis zur chinesischen Grenze begleiten kann. Humboldt be­schreibt seine Reise so anschaulich und bildhaft, dass einem die eigene Reise dorthin erspart bleibt.