24.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
13.09.19 / Magellan machte die Erde zur Kugel / Auf der Suche nach den Gewürzinseln die Welt erstmals umrundet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-19 vom 13. September 2019

Magellan machte die Erde zur Kugel
Auf der Suche nach den Gewürzinseln die Welt erstmals umrundet
Klaus J. Groth

Dass die Welt keine Scheibe, sondern eine Kugel ist, galt im ausgehenden Mittelalter noch als Theorie. Den endgültigen Beweis lieferte Ferdinand Magellan mit der Entdeckung der Westpassage vom Atlantik in den Pazifischen Ozean. Er segelte auf der nach ihm benannten Magellanstraße. Am 20. September vor 500 Jahren begann er seine Expedition zu den geheimnisvollen Gewürzinseln, den Molukken.

Er war „kleinwüchsig und unscheinbar“, aber „wacker in seinen Gedanken und zu großen Taten aufgelegt“, so beschreibt der Geistliche Bartolomé de Las Casas den portugiesischen Ritter und Seefahrer Fernando de Magallanes, dem er am Hofe des spanischen Königs begegnete. Magellan gelang es, bis zu Karl I. vorzudringen und ihm seinen Plan zu unterbreiten. Von Weltumseglung war nicht die Rede. Die spanische Krone suchte dringend einen Zugang zum Gewürzhandel, der Portugal die Kassen füllte. Schiffsladung auf Schiffsladung mit Zimt, Koriander und Pfeffer aus Indien kam in Portugal an. Die Gewürze wurden nicht nur für die feine Küche, sondern auch zum Konservieren und zur Herstellung von Arzneien verwandt. Der Vertrag von Tordesillas von 1494 sperrte die Spanier vom lukrativsten Geschäft dieser Zeit aus. 

Das Abkommen teilte die Welt „brüderlich“ in zwei Teile, eine östliche, die Portugal gehören sollte, und eine westliche, die spanische. Die beiden Seemächte verpflichteten sich, um einen Handelskrieg zu vermeiden, Kolonien nur auf „ihrer“ Seite zu erobern und auszubeuten. Eine Linie über 370 Legas (1170 Kilometer) westlich der Kapverdischen Inseln wurde nach zähen Verhandlungen als Grenze festgelegt. 

Die Spanier merkten bald, dass sie die schlechtere Karte gezogen hatten. Der östliche Seeweg, den Vasco da Gama 1498 entdeckte, war ihnen versperrt, der westliche von Kolumbus war noch nicht gefunden. Portugals Schiffe segelten an der afrikanischen Küste entlang um das Kap der Guten Hoffnung herum in den Indischen Ozean und errichteten dort eine Handelsniederlassung nach der anderen. 

Magellan stellte sich dem König als erfahrener Seemann vor, der von seinem Dienst in der portugiesischen Indien-Armada den Subkontinent und Teile Malaysias kannte. Ein Freund dort hatte ihm von Gewürzinseln berichtet, auf denen Muskatbäume und Nelken in Hülle und Fülle gediehen. Ihr Duft drang bis weit auf das Meer hinaus. Immer wieder brachten Seeleute kleine Mengen dieser Gewürze mit. Sie wurden mit purem Gold bezahlt. Woher sie aber kamen, blieb ein Rätsel.

Karl I. zeigte sich geneigt, Magellan die Expedition zu finanzieren, wandte aber ein, dass das Eldorado der Gewürze, sollte er es tatsächlich finden, am falschen Ort, auf der portugiesischen Seite liegen könnte. Daran hatte Magellan längst gedacht. Nach den Berechnungen des angesehenen Kartografen Riu Faleiro lagen die Molukken knapp im Westen, würden also der spanischen Krone gehören. Der König schloss mit Magellan eine „Kapitulation“. Er sollte „Inseln, Festländer und andere Dinge“ entdecken, als Lohn „für Mühsal und Gefahr“ sollte er ein Fünftel vom Reingewinn seiner Unternehmung erhalten und ein reicher Mann werden. Wenn er denn zurückkehrte.

Als Generalkapitän der Gewürz-Armada befehligte Magellan fünf Dreimaster, die „Concepcíon“, die „San Antonio“, die „Santiago“, die „Trinidad“ und die „Victoria“ mit insgesamt 237 Mann Besatzung. Am 20. September 1519 ließ er in Sanlúcar die Segel setzen. Der Italiener Antonio Pigafetta führte das Bordtagebuch über diese Schreckensfahrt der Qualen und Verzweiflung.

Die Stimmung war von Anfang an schlecht. Die spanischen Kapitäne wollten keinen portugiesischen Befehlshaber akzeptieren. Die erste Meuterei in Patagonien schlug Magellan grausam nieder. Pigafetta berichtet: „Juan de Cartagena wurde vor aller Augen gevierteilt, nachdem ihm die Gnade einer letzten Beichte erwiesen worden war. Luis de Mendoza entkam nur dadurch demselben Ende, dass er trotz seiner Fesseln zu flüchten versuchte und bei diesem Fluchtversuch erstochen wurde.“

Am 21. Oktober 1520 erschien unter 52 Grad südlicher Breite ein Gebirge am Horizont. Dahinter vermutete Magellan die gesuchte Westpassage. „Er wusste, dass der Weg durch eine sehr verborgene Meerenge führte, denn er hatte diese auf einer Karte gesehen, die von Martin Behaim, einem vortrefflichen Kosmografen, gezeichnet worden war und vom König von Portugal aufbewahrt wurde.“

Vor der Durchfahrt kam es wieder zur Rebellion. Die Besatzung eines Schiffes desertierte und segelte nach Spanien zurück. Am 28. November passierte die Armada den Durchschlupf und gelangte ins Südmeer, von Magellan wegen des ruhigen Wassers Pazifik, Stiller Ozean, genannt. Drei Monate lang kam kein Land in Sicht. Die Vorräte waren erschöpft. „Der Zwieback, den wir aßen, war kein Zwieback mehr, sondern nur noch Staub, der mit Würmern und dem Unrat von Mäusen vermischt war und unerträglich stank.“

Mit den letzten Tropfen faulem Wasser erreichte die Expedition die Philippinen. Bei einem Gefecht mit den Ureinwohnern auf der Insel Mactan wurde Magellan erschlagen.

Allein die „Victoria“ kehrte im September 1522 mit nur drei Dutzend Überlebenden nach Spanien zurück. Kapitän Juan Sebastian Elcano hatte die Gewürzinseln (Molukken) erreicht, auf dem Rückweg durch den Indischen Ozean das Kap der Guten Hoffnung umrundet und so die Weltumseglung vollendet. Die „Victoria“ brachte so viele Muskatnüsse und Nelken mit, dass die Kosten der Expedition mehr als beglichen waren. Zur selben Zeit eroberte Hernan Cortes das Reich der Azteken mit ihren Goldschätzen. Spanien stieg auf zur kolonialen Supermacht.

Der wohl einzige würdigende Nachruf auf den Entdecker der Westpassage stammt aus der Feder Pigafettas, der zu den Heimgekehrten zählte:

„Fernando Magaglianes ist tot. Aber ich hoffe, dass ihn sein Ruhm überleben wird … Er besaß eine genauere Kenntnis der Seekarten und der Schifffahrtskunst als jeder andere Mensch auf Erden. Das geht schon daraus hervor, dass außer ihm niemand den Wagemut besaß, die Erde zu umsegeln, was ihm beinahe geglückt ist.“