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27.09.19 / Eine neue Form des Fliegens / Lilium Jet, Volocopter, CityAirbus – Was Lufttaxis wirklich leisten können

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-19 vom 27. September 2019

Eine neue Form des Fliegens
Lilium Jet, Volocopter, CityAirbus – Was Lufttaxis wirklich leisten können
Friedrich List

Flugtaxis sind neuerdings in aller Munde. Laut der Unternehmensberatung Roland Berger sind weltweit um die 100 dieser Kleinflugzeuge in der Entwicklung. Alleine im Jahre 2017 sind rund 40 Projekte auf den Weg gebracht worden. 

Flugtaxis sollen die verstopften Straßen in unseren Innenstädten entlasten oder für schnelle Zubringerdienste in großen städtischen Ballungsräumen sorgen. Vor allem versprechen die neuen elektrischen Antriebe eine neue Form des sauberen, weitgehend emissionsfreien Fliegens. 

Ein Team um den US-Amerikaner Akshat Kasliwal von der University of Michigan hat untersucht, wie umweltfreundlich Flugtaxis wirklich sind. Dabei ging man vom stark kohlelastigen Energiemix in den USA aus. Ergebnis: Bis zu 35 Kilometern hat immer noch das Verbrenner-Auto die Nase vorn. Bei Entfernungen um 100 Kilometer ist das fliegende E-Taxi besser, aber immer noch schlechter als ein Elektroauto. Nach dieser Studie wären Flugtaxis in den Innenstädten eher weniger wirtschaftlich, bei Flügen ins Umland oder zwischen Nachbarstädten aber sehr wohl.

In Deutschland soll Ingolstadt Testgelände werden, und auch in Hamburg beschäftigen sich Wissenschaftler mit einem Konzept für den urbanen Luftverkehr. Fluggeräte, wie sie die deutschen Unternehmensgründungen mit einer innovativen Geschäftsidee und hohem Wachstumspotenzial (Startups) Lilium und Volocopter, aber auch der Airbus-Konzern entwickeln, sind typisch für diese entstehende Art Flugzeug. In der Regel sind es kleine Maschinen für zwei bis sechs Personen, die sich für Zubringerdienste oder Kurierflüge eignen. Der Lilium Jet ist ein kleiner Senkrechtstarter mit ummantelten Fans an den Tragflächen. Volocopters Konstruktion verfügt über kleine, einzeln angetriebene Rotoren, die an einer schwenkbaren Ringkonstruktion über der hubschrauberartigen Kabine montiert sind. Der CityAirbus wird von vier großen, ummantelten Fans in schwenkbaren Gondeln angetrieben. 

Während der Erstflug des CityAirbus noch auf sich warten lässt, sind die beiden Konkurrenten bereits in der Luft. Der Lillium Jet ist im Mai zu seinem Erstflug aufgestiegen, nachdem Anfang des Jahres bereits ein kleinerer Erprobungsträger mit dem Antriebssystem geflogen war. Lilium strebt die Zulassung für 2024 an. Vom Volocopter fliegen bereits mehrere Prototypen. Volocopter hat seinen Kleinhubschrauber bereits in Dubai vorgeführt, um sich dort für Lufttaxi-Dienste zu bewerben. Auch in Singapur plant das Unternehmen Demonstrationsflüge. Derartige Fluggeräte wären Teil eines luftgestützten Nahverkehrssystems, in dem auch Drohnen sowie konventionelle Flugzeuge und Hubschrauber unterwegs wären. 

Wissenschaftler am Institut für Lufttransportsysteme der Technischen Universität Hamburg und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben jüngst ein Konzept für die urbane Luftmobilität vorgelegt. Die Forscher um den Professor Volker Gollnick betrachteten dabei nicht nur das Stadtgebiet, sondern auch die wesentlich größere Metropolregion Hamburg. 

Täglich pendeln rund eine halbe Million Menschen nach Hamburg hinein und wieder hinaus. Die Wissenschaftler setzten voraus, dass ein Prozent dieser Pendler auf Flugtaxis umsteigt. Damit würden täglich rund 4500 Flüge zusätzlich den Luftraum über Hamburg durchqueren. Das Konzept wäre machbar, würde allerdings die Situation am Boden kaum beeinflussen. „Das Verkehrschaos am Boden lässt sich durch Lufttaxis nicht beheben“, sagt Gollnick. Dafür sei die Zahl der Flüge zu gering. 

Aber schnellere Reisezeiten sind möglich. „Durch Flugtaxis kann man auf vielen Strecken im Hamburger Stadtgebiet schon etwa die Hälfte der Reisezeit einsparen“, sagt Gollnick. Überwachung und Kontrolle des städtischen Luftverkehrs sollte eine lokale oder regionale Behörde übernehmen. Bislang fehlen hierfür aber geeignete Flugführungs- und Überwachungssysteme. Als nächstes wollen die Forscher untersuchen, wie hoch die Lärmbelastung wirklich wäre und ob die Bevölkerung das Mehr an Lärm akzeptieren würde.