26.01.2022

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27.09.19 / Ruf nach der »guten« Diktatur

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-19 vom 27. September 2019

Ruf nach der »guten« Diktatur
Erik Lommatzsch

Über 30 Jahre sind ins Land gegangen, seit Herbert Grönemeyer „Kinder an die Macht“ forderte. Mit Blick auf den Kotau, den die große Politik vor den unreflektierten Forderungen der jungen „Fridays for 

Future“-Demonstranten macht, scheint eine derartige Machtübernahme nicht mehr weit zu sein. Beim „UN-Jugendklimagipfel“ trat Generalsekretär António Guterres folgerichtig vor allem als „Zuhörer“ auf. In einem inzwischen offenbar breit akzeptierten Rigorismus erklärte Greta Thunberg: „Wir haben gezeigt, dass wir geeint sind und dass uns junge Leute niemand stoppen kann.“

Bedenken gegen derartige Worte scheinen unangebracht. Genauso wenig wie Bedenken gegen Grönemeyer, der nun nicht mehr nur Kinder an der Macht sehen will, sondern während eines Konzerts in Wien laut forderte, wenn Politiker schwächelten, „dann liegt es an uns, zu diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat“. Fehl am Platze sei, wer die Situation „für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze“ nutze. Weiter heißt es, „wir müssen diesen Menschen so schnell wie möglich und ganz ruhig den Spaß daran austreiben“. 

Wer ist „uns“ und „wir“? Wie soll das aussehen mit dem „Spaß austreiben“? Ist das ein Aufruf zum Umsturz? Hat da jemand die demokratischen Spielregeln nicht verstanden, die beinhalten, dass Selbstlegitimation aufgrund vermeintlicher moralischer Überlegenheit nicht dazu ausreicht, eine Gesellschaft zu „diktieren“? Interessiert sich das Bundesamt für Verfassungsschutz für den Sänger, der seine Sätze ausdrücklich auch auf Deutschland bezog?

Wohl kaum. Er steht auf der „richtigen“ Seite. Denn anders als im Text seines Erfolgsliedes, gibt es gerade im Zeitalter der mächtigen Kinder sehr wohl ein „Gut“ und ein „Böse“. Und da kann man auch schon mal die Diktatur des „Guten“ fordern. Wer sich an Ansprachen von NS-Machthabern erinnert fühlte, wurde darauf hingewiesen, dass man doch das Augenmerk bitte auf die Inhalte von Grönemeyers „Rede“ richten sollte. 

„Wer aber könnte sich nun von einem flammenden Appell gegen Rassismus und Intoleranz angegriffen fühlen?“, fragte „Die Zeit“. Gern zitiert, unter anderem von der „Frankfurter Allgemeinen“, wurde eine Stellungnahme des Kabarettisten Florian Schroeder: „Grönemeyers Aufruf mit einer Sportpalast-Rede zu vergleichen, ist infam und dumm.“ Sein Niveau zeigte „Der Tagesspiegel“, indem er die Schriftstellerin Hatice Akyün mit einer Twitterbotschaft zu Wort kommen ließ: „Was seid ihr für elende Pissnelken, die Herbert #Groenemeyer dafür angehen, dass er sich gegen Nazis ausspricht!“ 

Schlechten Stil nimmt man in Kauf, der Ruf nach der „guten“ Diktatur ist schwer angesagt. Dass dort dann lediglich „Armeen aus Gummibärchen“ – um abermals eine Textzeile Grönemeyers aufzugreifen – aufmarschieren werden, ist allerdings nicht zu erwarten.