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27.09.19 / Teure Scheune / Kosten bei Berlins neuem Museum der Moderne verdoppeln sich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-19 vom 27. September 2019

Teure Scheune
Kosten bei Berlins neuem Museum der Moderne verdoppeln sich
H. Tews

Es ist wie beim Gebrauchtwagenhändler, der nur die Karosserie anbietet. Soll der Wagen fahren, müssen noch Motor, Reifen und Lenkrad eingebaut werden, was alles doppelt so teuer macht. So müssen sich die Berliner mit ihrem Museum des 20. Jahrhunderts vorkommen, das auf dem Kulturforum am Matthäi­kirchplatz errichtet werden soll und das statt der ursprünglich geplanten 200 Millionen Euro jetzt 364,2 Millionen Euro kosten soll. Außerdem können 52,2 Mil­lionen Euro für künftige Bau-Indexsteigerungen und 33,8 Millionen Euro Risikokosten hinzugerechnet werden, sodass sich die Gesamtsumme dann auf 450,2 Millionen Euro beläuft. Und das ist noch optimistisch gerechnet.

Auf Berlin kommt jetzt im Kultursektor das zu, was Hamburg mit der Elbphilharmonie erlebt hat. Interessant dabei: Beide Male hat das Schweizer Architektenbüro Herzog & de Meuron die Finger im Spiel. Begründung der Kostensteigerung diesmal: Um Abstand zur nahen St.-Matthäus-Kirche zu wahren, musste der äußerlich einer Scheune ähnelnde Bau kleiner gestaltet werden. Das dadurch entstehende räumliche Defizit will man mit einem weiteren Untergeschoss ausgleichen. Und das kostet eben.

Den Bau-Initiatoren, die Stiftung Preußischer Grundbesitz und Kulturstaatsministerin Monika Grütters, sind dabei die Hände gebunden. Sie nehmen die Ko­stensteigerung zähneknirschend hin, denn man benötigt dieses Museum dringend. Mit den Sammlungen der Familien Erich Marx, Flick, Marzona, Berggruen und Scharf-Gerstenberg kann man das neue Haus gleich mit fünf Schenkungen beziehungsweise Leihgebern füllen. Allerdings wollen die Familien mit einer kuratierten Ausstellung ihrer Sammlungen nicht bis Sankt Nimmerlein warten. Sollte Berlin es nicht fertiggbringen, bis 2026 diese Kunstscheune zu eröffnen, drohen sie mit dem Abzug ihrer Sammlungen in andere Städte.

Will Berlin aber die Kunst des 20. Jahrhundert ausstellen, ist es auf diese Sammlungen angewiesen. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges vernichteten einen Großteil des damaligen Be­standes an moderner Kunst. Und um neue Werke zu kaufen, reichen die klammen Museumsetats nicht aus, zumal moderne Kunstwerke heutzutage als Anlageobjekte dienen und daher auf dem Markt zu schwindelerregenden Preisen gehandelt werden. 

Soll dieser Museumswagen also fahren, muss man für die Extras tief in die Tasche greifen.