26.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
27.09.19 / »Vorkämpfer der Unterdrückten« oder »Hochstapler«? / Der New Yorker Bürgerrechtler, Politiker, Fernseh- und Radiomoderator sowie Baptistenprediger Al Sharpton

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-19 vom 27. September 2019

»Vorkämpfer der Unterdrückten« oder »Hochstapler«?
Der New Yorker Bürgerrechtler, Politiker, Fernseh- und Radiomoderator sowie Baptistenprediger Al Sharpton
Markus Matthes

Für seine Anhänger ist der am 3. Oktober 1954 in Brooklyn geborene US-Amerikaner Alfred Charles „Al“ Sharpton ein unermüdlicher Aktivist und Vermittler in Rassefragen, der Gewalt gegen Minderheiten anprangert. Seine Gegner dagegen halten ihn für einen Scharfmacher und Störenfried, der erst einen Streit provoziert, um ihn dann schlichten zu können.

Schon als Kind ein begabter Redner, wurde Sharpton 1969 Direktor des Jugendprogramms der Bürgerrechtsorganisation 

Southern Christian Leadership Conference, die er 1971 im Streit verließ. Er studierte zwei Jahre Politik ohne Abschluss, gründete aber in jener Zeit das National Youth Movement. Ein Stehaufmännchen, kandidierte er nacheinander für die Kammer des Staates New York, den US-Senat, das Amt des Bürgermeisters in seiner Heimatstadt und sogar das Weiße Haus.

Landesweite Bekanntheit erlangte Sharpton 1987 als Sprecher einer angeblich von sechs weißen Männern vergewaltigten jungen Schwarzen. Als sich Monate später alles als erfunden herausstellte, musste Sharpton wegen Verleumdung 65000 US-Dollar an einen hohen Juristen zahlen, den er der Mittäterschaft bezichtigt hatte. Reue zeigte er nie. 

Auch sonst nimmt Sharpton kein Blatt vor den Mund. Nachdem 1991 in Brooklyn ein farbiger Junge von einem orthodoxen Juden überfahren worden war, lynchte ein schwarzer Mob den Studenten Yankel Rosenbaum. Bei den dreitägigen Ausschreitungen gab es 190 Verletzte und 130 Festnahmen. Sharpton bezeichnete damals die Israeliten als „Diamantenhändler“. Bei einem anderen Zusammenstoß zwischen Schwarzen und Juden mit acht Todesopfern nannte er sie „Blutsauger“ und „Eindringlinge“.

Von der Messerattacke eines Italoamerikaners genesen, baute Sharpton ab 1991 das National Action Network auf, um angebliches Fehlverhalten bei der Polizei und insbesondere das Racial Profiling anzuprangern. Auf Druck von Sharpton sind dementsprechend unter New Yorks jetzigem Bürgermeister Bill de Blasio spontane Kontrollen von Polizeibeamten drastisch zurückgegangen. 2014 wurde publik, dass Sharpton dort in den 1980er Jahren bezahlter FBI-Informant im Kampf gegen die Mafia gewesen war. Dagegen verbrachte Sharpton 2001 90 Tage im Gefängnis wegen des unerlaubten Betretens einer militärischen Einrichtung in Puerto Rico. Er soll außerdem regelmäßig Reisebüros, Hotels und Vermieter nicht bezahlt haben, und über seine Steuerschulden äußert sich Sharpton nach wie vor widersprüchlich.

Früher eher eine politische Randfigur, aber für Präsident Barack Obama ein „Vorkämpfer der Unterdrückten“, war Sharpton zwischen 2009 und 2014 61 Mal Gast auf dessen Amtssitz. Der aktuelle Hausherr des Weißen Hauses, Donald Trump, seit drei Jahrzehnten mit Sharpton bekannt, hält ihn demgegenüber für einen „Hochstapler“. Sharpton unterschätzt den polarisierenden Effekt der Identitätspolitik, spielt die tödliche Gewalt von Schwarzen untereinander herunter und ignoriert den stetigen Kollaps der Familienstrukturen bei den Afro­amerikanern. Damit tut er seiner Klientel letztendlich keinen Gefallen.