27.01.2022

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04.10.19 / Ende einer goldenen Epoche / Jacques Chirac kämpfte gegen Rechts bis über den Tod hinaus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40-19 vom 04. Oktober 2019

Ende einer goldenen Epoche
Jacques Chirac kämpfte gegen Rechts bis über den Tod hinaus
E. Michels

Jacques Chirac ist tot. Nicht nur das offizielle Frankreich trauert und überschlägt sich geradezu in Lobeshymnen, auch das Volk trauert. Trotz strömenden Regens erwiesen ihm Tausende Franzosen am Sonntag nach einer interreligiösen Zeremonie die letzte Ehre. Chiracs Tod symbolisiert das Ende einer goldenen Epoche.

Doch das Fundament aller heutigen gesellschaftlichen Verwerfungen wurde damals von niemand anderem als Chirac gelegt: Als Premierminister (1974–1976) unter Giscard d’Estaing ließ er 1975 die Abtreibung legalisieren und autorisierte 1976 den Nachzug der Familien der Gastarbeiter. Chirac inthronisierte damit den „Großen Austausch“: Mehr als 200000 jährlich abgetriebenen französischen Babies (2018 eine Abtreibung auf drei Geburten) stehen seither jährlich mehr als 200000 legale Einwanderer gegenüber (2018: 255000). Dadurch legte Chirac auch die Axt an das französische Sozialsystem. Durch die Einführung der Berufssteuer 1975 ruinierte Chirac die französische Industrie nachhaltig und dauerhaft. 1981 führte sein Verrat an d’Estaing zur Wahl des Sozialisten Mitterand und zu 14 Jahren sozialistischer Herrschaft. 

Als Pariser Bürgermeister (1977–1995) veruntreute Chirac öffentliche Gelder und benutzte seine Stellung zur Vorteilsnahme und zum Vertrauensmissbrauch. Dafür wurde er 2011 nachträglich zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Als Präsident (1995–2007) beendete Chirac 1996 die französischen Atomtests und bereitete so Frankreichs Wiedereingliederung in die NATO vor. Innenpolitisch bescherte er sich selbst durch Ungeschicklichkeit eine Cohabitation mit den Sozialisten, in deren Folge die wirtschaftlilch tödliche 35-Stunden-Woche eingeführt wurde. Chirac war vom Kampf gegen Rechts besessen. 1995 verurteilte er Frankreich pauschal und wider historischer Tatsachen für den Genozid an den Juden. 2002 ließ er sich mit sozialistischer Hilfe gegen Jean-Marie Le Pen als Präsident wiederwählen. Als radikaler Laizist verhinderte Chirac die Erwähnung der christlichen Wurzeln Europas in der Präambel der Europäischen Verfassung.

Am Montag wurde Chirac in einem Staatsakt beigesetzt, zu dem sämtliche Politiker außer Marine Le Pen geladen waren.