19.01.2022

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11.10.19 / Malerische Annäherung an deutsche Dichtergrößen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 41-19 vom 11. Oktober 2019

Malerische Annäherung an deutsche Dichtergrößen
Manuela Rosenthal-Kappi

Das Lesen von Reisebüchern, Erzählungen, Gedichten und Briefen Theodor Fontanes hat den Berliner Künstler Hans-Jürgen Gaudeck, dazu inspiriert, 40 Orte in Deutschland aufzusuchen, an denen Fontane sich aufgehalten hat. 

Der Beginn des ersten Bandes der „Wanderungen“ von 1861 wurde auch Gaudeck zum Motto: „Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben“. Im vorliegenden Buch geht es um das Unterwegs- und wieder Daheimsein. Gaudecks Reise beginnt in Berlin, spannt einen Bogen um die Metropole durch den Spreewald bis nach Leipzig und Dresden, streift den Harz, den Rhein und führt nach Norddeutschland an die Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern und die von Fontane so geliebte Mark Brandenburg schließen sich an. 

Fontane hatte keine eigentlichen Urlaubsreisen unternommen, seine Reisen waren eher eine Flucht aus der Großstadt Berlin mit ihrer sommerlichen Hitze und den üblen Gerüchen. Während seiner Aufenthalte arbeitete Fontane an seinen Romanen und Publikationen, wobei die  Eindrücke der Reisen in seine Romane einflossen. Landschaftsimpressionen, Beobachtungen menschlichen Lebens und Verhaltensformen der Menschen flossen in seine Werke ein. 

Auszügen von Fontanes Werken und Briefen stellt Gaudeck seine Aquarelle jeweils auf der rechten Buchseite gegenüber. So enttanden Impressionen von Schloss Paretz, Werder, Schloss Caputh, aber auch von der Grabstätte Heinrich v. Kleists in Dreilinden am Kleinen Wannsee. Sehr gelungen sind die Aquarelle vom Spreewald. Fontane, dessen Geburtstag sich am 30. Dezember zum 200. Mal jährt, verschlug es als Kriegsberichterstatter unter anderem während des Deutsch-Dänischen Kriegs 1864 nach Schlewsig-Holstein. Eine jahrzehntelange Freundschaft verband ihn mit Theodor Storm und dem Dichter Klaus Groth. 

So verwundert es nicht, dass Gaudeck ein Buch in gleicher Aufmachung auch Storms Lyrik widmet, die auf ausdrucksstarke Weise Wehmut und Sentimentalität verbindet. Der Maler hat sich auf Storms Spuren begeben, um die raue norddeutsche Natur mit ihren atemberaubenden Küsten und den einzigartigen Wolkenformationen in Gemälden dessen Gedichten gegenüberzustellen. Entstanden sind 40 Aquarelle, in denen die Schönheit beschaulicher kleiner Fischerdörfer, aber auch die Flora auf Sandboden sowie die Küstenwelt zu sehen sind. Ein Buch, das mit seiner Ausdrucksstärke – neben den spätromantischen Gedichten Storms – zum Schwelgen einlädt.