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15.11.19 / Teurer Köder für Inder / Merkels Scheckbuchpolitik soll Fachkräfte nach Deutschland locken

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-19 vom 15. November 2019

Teurer Köder für Inder
Merkels Scheckbuchpolitik soll Fachkräfte nach Deutschland locken
Bodo Bost

Obwohl China längst eine Wirtschaftsmacht ist, zahlt Deutschland immer noch 630 Millionen Euro Entwick­lungshilfe an Peking. Jetzt will Bundeskanzlerin Angela Merkel auch noch eine Milliarde Euro zusätzlich für den zweiten asiatischen Tigerstaat, Indien, lockermachen.

Merkels vierter und womöglich letzter Besuch als Kanzlerin in Indien war ihr bei Weitem spendabelster. Einen Koffer mit einer Milliarde Euro zusätzlicher Entwicklungshilfe stellte die Kanzlerin der siebtgrößten Wirtschaftsmacht der Erde in Aussicht. Dabei leben in der größten Demokratie der Welt auch viele der Superreichen dieses Planeten wie Mittal oder Tata, aber zugleich auch weltweit die meisten Menschen in absoluter Armut. 

Jeder fünfte Inder besitzt weniger als umgerechnet 1,80 Dollar pro Tag. Ob die deutsche Ent­wicklungshilfe etwas am Hauptproblem Indiens, der ungleichen Verteilung des Wohlstandes infolge des Kastensystems, ändern kann, ist jedoch mehr als unwahrscheinlich.

Bei ihrem wohl letzten Indienbesuch wollte die Kanzlerin bei ihrem Amtskollegen Narendra Modi, der sie als persönliche Freundin bezeichnete, einen guten Eindruck hinterlassen. Modi, der 2014 ins Amt gewählt und dieses Frühjahr wiedergewählt wurde, vertritt eine hindunationalistische Politik nach innen und gleichzeitig eine wirtschaftsliberale Öffnung nach außen. 

Viele Analysten halten einen solch antagonistischen Kurs für gelinde gesagt, kontraproduktiv. Dafür soll es jetzt eine Milliarde Euro zusätzlich geben. Dies ist allein schon angesichts der Militärausgaben Indiens von mehr als 

66 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 (Quelle: statistika.com) eine Farce. Das Geld soll vor allem für grüne, kohlendioxidarme, nachhaltige urbane Mobilität, Infrastrukturverbesserung und grüne Energie verwendet werden. 

Obwohl Delhi einen Spitzenplatz in der Rangliste der am ärgsten verpesteten Städte der Welt belegt, ist auch diese Investition wenig zielführend, wenn nicht gleichzeitig Maßnahmen gegen das hohe Bevölkerungswachstum, die Mutter aller Übel, ergriffen werden. 

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern hätten zwar zugenommen, „könnten aber noch intensiver sein“, so die Kanzlerin. Für Deutschland steht Indien als Handelspartner nur auf Platz 26. Das bilaterale Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr 18,2 Milliarden Euro, bei einem Handelsüberschuss von deutscher Seite.

Rund 1800 deutsche Firmen sind in der deutsch-indischen Handelskammer organisiert. Die Handelskammer soll nach dem neuen deutschen Fachkräfte-Einwanderungsgesetz gemeinsam mit den Visa-Stellen der Botschaften neue Fachkräfte für Deutschland rekrutieren. Dafür ist zunächst einmal eine Aufstockung der indischen Studentenzahlen in Deutschland geplant.

Aus Indien soll das Gros dieser Fachkräftezuwanderung kommen. Gegenüber der Asylsucherzuwanderung aus Indien, die bei etwa anderthalbtausend pro Jahr liegt, ist die Fachkräftezuwanderung jedoch eine Zuwanderung zweiter Klasse, sie ist auf die Gültigkeit des Arbeitsvertrages befristet und ohne Rundumsozialversorgung wie bei der Asylzuwanderung.