20.04.2024

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15.11.19 / Steinreich, aber marode

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-19 vom 15. November 2019

Steinreich, aber marode
Harald Tews

Arm, aber sexy, das galt vielleicht früher mal für Berlin. Jetzt hat man den Eindruck, die Hauptstadt ist stinkreich, aber marode. Nicht nur beim Flughafen BER, der als Dauerbaustelle seit Jahren vor sich hin rottet, hat man schon viel Geld zum Fenster hinausgeworfen. Die Berliner gönnen sich auch teure Prestigebauten für ihre Kunstschätze und vernachlässigen dafür ihre alten Museumshäuser.

Jetzt hat der Bundesrechnungshof die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) für den miserablen Zustand vieler ihrer 20 Museen, Sammlungen, Bibliotheken und Archive gerügt. Über viele Jahre hinweg sei ein Bauunterhaltsstau in Höhe von etwa 50 Millionen Euro entstanden. In besonders sanierungsbedürftigen Gebäuden wie dem Dahlemer Museumskomplex, dem Kunstgewerbemuseum am Kulturforum oder im Neuen Museum auf der Museumsinsel würden Exponate vor Pfützen geschützt auf Paletten lagern, seien wertvolle Objekte in Depots notdürftig mit Plastikplanen abge­deckt oder würde der Wind durch undichte Fenster pfeifen.

Die Kritik des Rechnungshofes kommt just zu einem Zeitpunkt, da der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über die Bewilligung der Mehrkosten des am Kulturforum geplanten Museums des 20. Jahrhunderts entscheidet (die Sitzung fand am 14. November nach Redaktionsschluss statt). Statt der ursprünglich vorgesehenen 200 Millionen Euro soll dieses einer monströsen Scheune ähnelnde Gebäude mehr als das Doppelte kosten, nämlich 450 Millionen Euro.

Das Haus gehört in jene Reihe von Vorzeigebauten, mit denen die Falten im Berliner Stadtgesicht ausgebügelt werden sollen. Ne­benbei entstehen neue Runzeln, die niemand wegretuschieren kann. Da wird für 600 Millionen Euro das Humboldt-Forum im rekonstruierten Berliner Schloss entstehen, wobei sich der ursprünglich für diesen Monat geplante Eröffnungstermin um ein Jahr verschiebt. Mehrkosten: sechs Millionen Euro. Für 134 Millionen Euro entstand nach fast zehnjähriger Bauzeit die James-Simon-Galerie, die eigentlich nur der Eingang zu den Museen auf der Musemsinsel ist. Dort ist noch das Pergamonmuseum bis mindestens 2023 geschlossen, dessen Sanierungskosten ebenfalls nun auf fast eine halbe Milliarde Euro in die Höhe geschnellt sind.

Daneben verkümmern architektonische Juwelen wie die Fried­richswerdersche Kirche, die we­gen Neubauten in unmittelbarer Nähe einsturzgefährdet war. Mitte kommenden Jahres soll sie wieder für Ausstellungen genutzt werden.

Die SPK klagt, dass Ausgaben für den Erhalt der Gebäude aus dem kleinen Etat für Betriebsausgaben getragen werden müssen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die sich gern im Glanz der Prestigebauten sonnt, sollte als Vorsitzende des Stiftungsrats der Preußenstiftung rasch etwas daran ändern. Denn sonst sieht Berlin nach außen hin zwar hübsch aus, verfällt aber zunehmend nach innen.