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15.11.19 / Sofias Versailles / Der Frieden von Neuilly-sur-Seine

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-19 vom 15. November 2019

Sofias Versailles
Der Frieden von Neuilly-sur-Seine

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schlossen die sieg­reichen alliierten und assoziierten Mächte mit jeder der Mittelmächte beziehungsweise deren Nachfolgern einen gesonderten Separatfrieden, die sogenannten Pariser Vorortverträge. Den Anfang machte der Vertrag von Versailles mit der wichtigsten der Mittelmächte, dem Deutschen Reich. Es folgten der Vertrag von Saint-Germain-en-Laye mit Deutschösterreich, der Vertrag von Trianon mit Ungarn und der Vertrag von Sèvres mit dem Osmanischen Reich. Vor 100 Jahren war Bulgarien dran. Am 27. November 1919 unterzeichneten die Kriegssieger mit dem Balkanstaat den Vertrag von Neuilly-sur-Seine. 

Aufgrund dieses Vertragswerks kam Bulgariens Zugang zur Ägäis in Thrakien zwischen den Flüssen Mesta und Mariza mitsamt des wichtigen Hafens Dedeagatsch unter die Verwaltung der Alliierten, die das Gebiet 1920 an Griechenland abgaben, das es heute noch in Besitz hält. 

Das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das spätere Jugoslawien, erhielt Zaribrod (Dimitrovgrad) und Strumica sowie einige weitere Ortschaften entlang des Donau-Nebenflusses Timok. Diese sogenannten westlichen Gebiete Bulgariens gehören heute zur ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Serbien.

Zwischen Bulgarien und seinem nördlichen Nachbarn Rumänien wurde die nach dem Zweiten Balkankrieg im Frieden von Bukarest 1913 gezogene Grenze wiederhergestellt. Die Grenzverschiebungen zwischen den beiden Nachbarn infolge des am 7. Mai 1918 abgeschlossenen rumänischen Separatfriedens mit den Mittelmächten wurden revidiert. Die in Neuilly-sur-Seine gezogene bulgarisch-rumänische Grenze hatte bis zum 1940 unterzeichneten bulgarisch-rumänischen Vertrag von Craiova Bestand.

Diese territorialen Amputationen, denen der bulgarische Verhandlungsführer und Ministerpräsident Aleksandar Stambolijski nur zähneknirschend zugestimmt hatte, ließen das Staatsgebiet des Zarentums von 113920 auf 103146 Quadratkilometer schrumpfen und machten zahllose bulgarische Bürger schlagartig zu Untertanen fremder Mächte. Fast 100000 Bulgaren wurden aus ihrer bisherigen Heimat vertrieben oder verließen diese freiwillig.

Abgesehen von diesen Territorialverlusten sollte der Balkanstaat Reparationen in Höhe von 400 Millionen US-Dollar bezahlen und seine Streitkräfte reduzieren. Neben 10000 Mann Gendarmerie und 3000 Grenzwächtern war nur noch ein kleines stehendes Herr von 20000 Mann gestattet.

W.K./PAZ