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15.11.19 / Tatort Kinderzimmer / Brisantes Thema – ZDF zeigt Filme über Kindesmisshandlungen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-19 vom 15. November 2019

Tatort Kinderzimmer
Brisantes Thema – ZDF zeigt Filme über Kindesmisshandlungen
Anne Martin

Es gibt Filme, bei denen die Beurteilungen von Regie und Schauspielern angesichts des Themas fast nachrangig ist – Kindesmisshandlung ist so ein Fall. Das ZDF sendet mitten im dunklen Herbst ein aufrüttelndes Beispiel, frei nach dem Buch des Berliner Rechtsmediziners Michael Tsokos, „Deutschland misshandelt seine Kinder“. 

In „Stumme Schreie“ (18. No­vember, 20.15 Uhr) erlebt der Zuschauer das toxische Szenario aus überforderten Eltern, blauäugigen Sozialarbeitern, die sich mit jeder Ausrede abspeisen lassen und Kindern, die der häuslichen Willkür schutzlos ausgeliefert sind. Nein, es ist kein Vergnügen, diesen Film zu sehen. Aber eine Pflicht. Denn hingesehen wird viel zu wenig. 

Der renommierte Autor Thorsten Näter macht eine junge Ärztin (Natalie Belitski) zur Protagonistin, die auf eigene Faust versucht, zwei kleine Kinder aus dem häuslichen Terror zu be­freien. Natürlich eckt diese Jana bei ihrem Vorgesetzten an, selbstredend sieht sie sich einer aufgebrachten Sozialarbeiterin gegen­über, die darauf verweist, dass es manchmal auch zum Kindeswohl gehört, auf die Einsicht der Eltern zu vertrauen und das Kind in der Familie zu lassen. 

Wer durchhält, wer sich dem Anblick von Striemen auf Kinderrücken und verbrannten Handflächen aussetzen kann, wird auf grundsätzliche Missstände verwiesen. Warum dürfen sich Ärzte, die ein schwerstmisshandeltes Kind behandeln, hinter ihrer ärztlichen Schweigepflicht verstecken, da sie doch zumindest eine Meldung ans Jugendamt machen dürften?

Warum werden Nachbarn nicht aktiv, wenn in der Nachbarwohnung regelmäßig ein Kind schreit? Und vor allem: Warum bleiben Mütter bei ihren gewalttätigen Partnern? 

Die nachfolgende Dokumentation „Tatort Kinderzimmer“ fasst zusammen, was so furchtbar schief läuft in diesem Land. Mehr als 4100 Kinder wurden 2018 schwer misshandelt, alle fünf Tage stirbt ein Kind an den Folgen der elterlichen Tortur. Besonders gefährlich ist das Schütteln von Babys, das zu schweren Behinderungen, zu Koma und Tod führen kann. In der Doku wird das Beispiel eines heute Fünfjährigen gezeigt, der immer noch Spätfolgen eines Schütteltraumas aufweist, das ihm im Alter von drei Monaten vom eigenen Vater zugefügt wurde. Wie Hohn wirken vor diesem Hintergrund die Kernsätze der UN-Kinderrechtskonvention, wonach Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung, auf elterliche Fürsorge, auf Förderung und Schutz vor Verwahrlosung haben.  Immerhin entlässt der Film einen mit einem Hoffnungsschimmer: Die junge Mutter, deren Baby von ihrem Partner totgeschüttelt wurde, weil ihn das Schreien störte, trennt sich. Fortsetzung offen.

„Leute, die Kinder misshandeln, sind Serientäter“, sagt der Rechtsmediziner, dargestellt von Jürgen Maurer. „Und wer misshandelt wird, misshandelt später selber.“ Eine Gewaltspirale, die ohne Hilfe von außen kaum zu durchbrechen ist.