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15.11.19 / Gott loben mit Elvis / In bayerischen Gotteshäusern trifft Kirchenmusik auf Popmusik

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-19 vom 15. November 2019

Gott loben mit Elvis
In bayerischen Gotteshäusern trifft Kirchenmusik auf Popmusik
Markus Bauer

Bei einer Konzertreihe in der Oberpfalz und in Nie­derbayern trifft seit 2018 die Kirchenmusik die Popmusik. Modern abgekürzt und auf Englisch nennen sich die von Benedicta Ebner, Kirchenmusikerin in der Pfarreiengemeinschaft Er­goldsbach-Bayerbach – dort leitet sie sechs Chöre –, initiierten Aufführungen „KiMu goes Pop“.

Fünf bestens besuchte Konzerte im vergangenen Jahr sowie im Sommer dieses Jahres in katholischen Kirchen deuten auf ein großes Interesse an diesem Zusam­mentreffen der Musikstile hin. Doch das ist nicht unumstritten: Popmusik in der Feier der heiligen Messe, der Eucharistie – da scheiden sich bisweilen die Geister. Darf das durch Elvis Presley bekannt gewordene Liebeslied „I can‘t help falling in love with you“ in einem Trauungsgottesdienst gesungen werden? Oder Reinhard Fendrichs „Weil’st a Herz hast wia a Bergwerk“?

Bleiben wir beim letztgenannten Beispiel. Damit lassen sich Ebners Ansatz und Intention gut beschreiben. „Ich komponiere Lieder und Messzyklen, denen ich bekannte Melodien zugrundelege, und schaffe somit völlig neue Kirchenmusik“, erklärt die Kirchenmusikerin. Konkret heißt das: Sie schreibt zu bekannten Pop- und Rocksongs oder auch Schlagern und Balladen neue, dem religiös-liturgischem Sinngehalt entsprechende Texte und erarbeitet zu den Melodien Chorsätze. 

„Da ich überzeugte Kirchenmusikerin bin, achte ich sehr darauf, dass die liturgisch korrekten und von mir verfassten Texte den jeweiligen Messteilen zugrundeliegen und der Liturgie gerecht werden“, konkretisiert sie.

Und so sind dann – um Beispiele zu nennen – ein „Kyrie“ auf Basis von Vangelis‘ „Conquest of Paradise“ zu hören, ein „Heilig“ nach „The Lion sleeps tonight“, ein „Agnus Dei“ à la „California Dreaming“ oder ein „Gloria“ im südamerikanischen Rhythmus gemäß Sergio Mendes’ „Mas Que Nada“. Natürlich komponiert Ebner auch eigene Musik in mo­dernen Stilen, die in die Kategorie „KiMu goes Pop“ passen. 

„Warum Gott nicht auf diese Art loben?“ Diese Frage stellt sich den Zuhörern bei den Konzerten die Kirchenmusikerin. Und da ist sie sich einig mit weiteren Mitstreitern, die in der gleichen Richtung agieren. Andreas Feyrer etwa, Kirchenmusiker in der Amberger Pfarrei St. Konrad. Zum Pastoralbesuch mit Firmung des Diöze­sanbischofs Rudolf Voderholzer Anfang Juni 2016 hat er eigens die „Missa Serena“ für Jugendchor, Streicher, Orgel und Schlagzeug komponiert: Kyrie, Gloria, Sanctus/Benedictus und Agnus Dei mit den traditionellen liturgischen lateinischen Texten – aber auch swingend und rockend.

Zwei Ansätze und ein Anliegen: Man will Menschen mit moderner und liturgiekonformer Musik (wieder) in die Kirchen beziehungsweise Gottesdienste locken. Das nächste „Kirchenmusik goes Pop“ findet übrigens am 17. No­vember um 17 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Michael in Neutraubling (Landkreis Regensburg) statt.