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15.11.19 / Die Bedeutung des Bisons

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-19 vom 15. November 2019

Die Bedeutung des Bisons
Silvia Friedrich

Am Anfang des Buchs „Die Würdigung des Bisons“ sieht man, wie eine indianische Sprache aussieht, denn jeweils linksseitig steht die Geschichte in der Ausdrucksweise der Plains-Cree, eines eingeborenen Volkes in der Prärie Nordamerikas. Rechtsseitig ist die Übersetzung ins Deutsche zu lesen. Welche wichtige Bedeutung der Bison für die Indianer hatte, wird ausführlich beschrieben mittels einer Unterhaltung zwischen einem Großvater und seinem Enkel. Rya Lavallee, der „Wächter der Weisheit“ und Medizinmann aus dem Volke der Cree erzählt über die Bedeutung des Bisons, die kanadische Autorin Judith Silverthorne hat Lavallees Erzählung aufgeschrieben und Mike Keepness, der in einem Reservat im Süden Saskatchewans aufwuchs, hat sie mit ausdrucksstarken Bildern in Szene gesetzt. 

Bekannt ist, dass es einst viele Bisonherden gab, die von den eingedrungenen Weißen mit ihren Feuerwaffen so gut wie ausgerottet wurden. Von den früher 30 bis 50 Millionen Tieren, die die Weiten Nordamerikas durchwanderten, existierten um 1889 nur noch 1000. 

Das Leben der Indianer wurde dadurch entscheidend beeinflusst, bot ihnen der Bison doch über Jahrtausende alles, was zum Überleben nötig war. Das Haar wurde als Wolle genutzt für Halfter, Seile und Satteldecken, auch um Puppen herzustellen oder Kopfbedeckungen, Armbänder und Verzierungen. Die Haut der Bisons wurde für Mokassins oder Stiefel gebraucht, das Fleisch und die Innereien gegessen, auch für harte Zeiten als Vorrat getrocknet. Die raue Seite der Zunge wurde als Haarbürste gebraucht, die Blase zur Herstellung von Sehnen oder als Medizinbeutel, die Galle als Färbemittel, der Magen als Behälter, die ungegerbte Haut diente zur Fertigung von Schuhsohlen, Gürteln, Kopfbedeckungen, Schnüren, Riemen und Gurten. Damit ist bei Weitem noch nicht alles erwähnt, was die Indianer nutzten, um in der Prärie zu überleben. 

„Die Bisons gaben uns alles und verlangten nichts“, sagen die Indianer. Die Geschichte zeigt erstmals in Form einer Legende um die Bisons, welches Opfer sie den Menschen brachten. Die kanadische Originalausgabe gewann mehrere Buchpreise.

Ray Lavallee, Judith Silver-thorne: „Die Würdigung des Bisons. Eine Legende der Plains-Cree“, Mons Verlag, Dresden 2019, gebunden, 48 Seiten, 23,90 Euro