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06.12.19 / Kulturhistorisches Seminar / Musik, Kunst und Architektur in Ostpreußen / Seminarteilnehmer lernten in Helmstedt Beispiele einer vielfältigen Kulturlandschaft kennen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-19 vom 06. Dezember 2019

Kulturhistorisches Seminar
Musik, Kunst und Architektur in Ostpreußen
Seminarteilnehmer lernten in Helmstedt Beispiele einer vielfältigen Kulturlandschaft kennen
Barbara Eulitz

Zum Kulturhistorischen Seminar der Landsmannschaft Ostpreußen waren 34 Personen, darunter fünf Teilnehmerinnen der Deutschen Minderheit Allenstein sowie Besucherinnen aus Lettland und Litauen, nach Helmstedt angereist. Es gab für Viele ein fröhliches Wiedersehen. Nach einer Einführung und Begrüßung durch Gudrun Breuer am Abend des 9.November begannen am nächsten Tag nach dem Frühstück die Referate und Diskussionen bis zirka 17 Uhr.

Die Themen waren Beispiele für die Kulturlandschaft Ostpreußens. Kaum eine Provinz des Deutschen Reiches hatte bis 1945 so ein reiches kulturelles Leben aufzuweisen. Ob wir hier an die Ordensburgen denken oder die sakrale Baukunst betrachten, die etwa mit dem Königberger Dom oder der Wallfahrtskirche Heiligelinde ungeahnte Höhen erreichte. Natur- und Geisteswissenschaften, Dichtung und Musik sowie Bildende Kunst wurden von einer Reihe ostpreußischer Persönlichkeiten grundlegend beeinflusst. Gelehrte wie Immanuel Kant verhalfen der Königsberger Universität „Albertina“ zu Weltruhm.  Das geistig-kulturelle Leben spiegelte sich in der tragenden Rolle des Theaters, des Opernhauses und des Zeitungswesens wider. Ebenso spielte die ostpreußische Volkskunst eine wichtige Rolle:  Hausbau, Bauernmobiliar und Küchengeräte in vielfacher Form. Die Teppichweberei sowie Textil- und Keramikkunst  sind hier zu nennen. Im Seminar konnten nur Beispiele betrachtet werden.

Die Tagung begann mit einem Referat von Professor Braun über 15 politische Persönlichkeiten aus Ostpreußen. Hier begegneten den Teilnehmern unter anderem Arthur Zimmermann, Herbert Ehrenberg, Rainer C. Barzel, Dietrich Stobbe und Leah Rabin. Die Anwesenden erfuhren durch Frau Bergler über den Kampf der Frauen für die Gleichberechtigung und für das Frauenstimmrecht im Jahr 1919. Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere (1741–1796) hatte bereits in seinen Schriften durch äußerst moderne Thesen zur Frauenemanzipation überrascht. Hierüber referierte Lorenz Grimoni, der den „Schriftsteller im Geheimen“ sehr lebendig werden ließ.

Der Schriftsteller Hermann Sudermann (1857–1928), ein ostpreußischer Dichter zwischen Heimat und Welt, wurde den Anwesenden nahegebracht von Walter Rix. Unterstrichen wurde dieser Vortrag am Abend mit der Verfilmung von Sudermanns Novelle „Fahrt nach Tilsit“. Ein Nachmittag stand zum Kennenlernen des Königsberger „Hauses der Bücher“, gegründet 1722, auf dem Programm. Micheal Paul zeichnete den Weg dieses Unternehmens nach, das nach 100 Jahren unter neuer Leitung als „Gräfe & Unzer“ weiterbestand. Es wurde nach dem Ersten Weltkrieg zu Europas größter und modernster Sortimentsbuchhandlung. Im August 1944 brannte das Gebäude aus. In der Nachkriegszeit ist sie als Verlag in Westdeutschland in anderer Form neu entstanden.

Die ostpreußische Archäologie wurde mit der Siedlung Wiskiauten von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Jaroslav Prassolow sprach über den letzten Denkmalpfleger  Hermann Sommer, der das sogenannte „Archiv Fischhausen“  zusammenstellte, welches Grundlage für umfassende Feldstudien der heutigen Zeit geworden ist.

 Den Schlussvortrag hielt Jörn Pekrul. Er nahm seine Zuhörer mit auf eine Wanderung durch das heutige Kaliningrad. Seine brillanten Bilder zeigten in liebevoller Detailtreue architektonische und künstlerische deutsche Spuren an vielen Gebäuden der Stadt, dass der Königsberg-Besucher seinen Eindruck, es stünde fast nichts Deutsches mehr in der Stadt, revidieren muss.

Diese Bilder aus der unvergessenen Heimat beeindruckten alle. Das Seminar schloss mit dem gemeinsam gesungenen Ostpreußenlied.

Die Tage des Seminars waren ausgefüllt mit neuem Wissen und zahlreichen Anregungen für die Teilnehmer. Der Heimatabend war voller Fröhlichkeit, Gesang und Rezitationen. Die am Rande aufgebaute Handarbeitsausstellung unter dem Blickpunkt „Das machen wir in der Werkwoche“ von Grudrun Breuer fand große Beachtung.