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24.01.20 / Kolumne / Clärchens letzter Tanz

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 04 vom 24. Januar 2020

Kolumne
Clärchens letzter Tanz
Theo Maass

Seit 1913 gehört Clärchens Ballhaus zu den bekannten Vergnügungslokalen in Berlin. Zwei Weltkriege, die Nationalsozialisten und die DDR-Kommunisten haben dieses traditionsreiche Tanzlokal in Berlin-Mitte nicht kaputt bekommen. Tom Cruise und Brad Pitt waren da, Max Raabe nahm im Spiegelsaal des Lokals ein Album auf. Zu DDR-Zeiten frequentierten NVA-Soldaten dieses Tanzlokal für die „reifere Jugend“. Prostituierte und Stasileute warteten hier auf Kundschaft.  Es wurde nach Disko, Walzer, Swing und Tango getanzt. Das Besondere: In Clärchens Ballhaus bekam man auch zu Essen. 

Yoram Roth, Sohn des erfolgreichen Immobilienunternehmers Rafael Roth, stapft erfolgreich in die Fußspuren seines Vaters. Er kaufte Ende 2018 das Areal an der Auguststraße 24. Im Juli 2019 wurde öffentlich, dass er den Vertrag mit den bisherigen Betreibern nicht verlängert. Jetzt wird der Komplex erst einmal saniert. Der neue Besitzer versichert: „Ich will, dass das Gebäude hinterher so aussieht, als wäre es nie angefasst worden.“ Das Ballhaus soll in fünf bis sechs Monaten wiedereröffnet werden. Nun, man wird sehen. 

Tatsächlich sind in den vergangenen 20 Jahren viele Lokale, Kinos und Klubs verschwunden, die früher einmal das Flair der Innenstadt ausmachten, auch im alten West-Berliner Zentrum, beispielsweise am Kurfürstendamm, ist vieles weg. Das Big Eden, Flash Point, das Marmorhaus, das Kopenhagen oder zuletzt das Lousiada, um nur einige frühere Anziehungspunkte zu nennen. Ein neuer Pächter für den Fall der Weidereröffnung sei noch nicht in Sicht. Und das Sterben der Klubs geht unvermindert weiter (siehe Meldung unten).