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28.02.20 / KRIMI / Mordermittlung in wirren Zeiten / 17. Juni 1953 in Dresden: Kriminal-Oberkommissar Heller muss in einem VEB der DDR in einem grausamen Fall ermitteln

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09 vom 28. Februar 2020

KRIMI
Mordermittlung in wirren Zeiten
17. Juni 1953 in Dresden: Kriminal-Oberkommissar Heller muss in einem VEB der DDR in einem grausamen Fall ermitteln
Lydia Wenzel

In welchen Zeiten leben wir nur?“ Als sich am 17. Juni die Bürger der DDR aufmachen, um gegen die Regierung, niedrige Löhne und die allgemein schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen zu protestieren, herrscht auch in Dresden Ausnahmezustand. 

Schon kurz darauf beginnt eine Welle von Verhaftungen und immer mehr Menschen versuchen, in den Westen zu fliehen. Inmitten dieser aufgewühlten Situation wird Kriminal-Oberkommissar Heller beauftragt, einen grausamen Mordfall in einem VEB für Rohrisolationen aufzuklären, der sich während der Aufstände zugetragen haben muss. 

Ausnahmezustand in Dresden

Um sich selbst nicht wegen der Proteste zu belasten, weigern sich die meisten der Mitarbeiter, bei der Aufklärung mitzuhelfen und auszusagen. Doch dies ist nicht der einzige Widerstand, auf den der aufrechte Kommissar trifft, denn auf einmal schaltet sich auch das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) in die Ermittlungen ein. So gerät Heller schließlich selbst noch ins Visier der Stasi, während immer weitere Menschen tot aufgefunden werden, die mit dem Betrieb zu tun hatten. Sollte Heller vielleicht lieber auch mitsamt seiner Frau und Kindern „rübermachen“, fragt sich der Ermittler.

Spannend und facettenreich malt der „Spiegel“-Bestseller-Autor Frank Goldammer in „Juni 53“ ein Bild der Umstände des 17. Juni und dessen Nachwirkungen in seiner Heimat Dresden. Der inzwischen fünfte Krimi um Kommissar Max Heller ist gut recherchiert und erzählt einfühlsam aus Hellers Perspektive davon, wie Menschen diese schicksalsreichen Tage in der Geschichte der DDR erlebt haben könnten und wie sie mit ihren Nöten und Zweifeln umgingen. 

Unerwartete Wendungen

Hinzu kommt noch ein spannender, wenn auch streckenweise in den Beschreibungen der einzelnen Mordopfer ziemlich grausamer Mordfall, den es gilt, in all seinen Verstrickungen zu lösen. Hierbei ergeben sich immer wieder unerwartete Wendungen, sodass der Krimi dazu einlädt, direkt in einem Rutsch verschlungen zu werden. 

Auch wenn er die ersten Bände der Reihe noch nicht kennt, findet der Leser leicht einen Zugang; der Krimi macht jedoch auch Lust auf die anderen Titel der Reihe, die bereits mit Volker Kutschers gerade erst verfilmter Serie „Babylon Berlin“ verglichen wurden. 

Frank Goldammer, „Juni 53“, dtv-Verlag, München 2020, broschiert, 352 Seiten, 15,90 Euro