18.01.2022

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17.04.20 / Wanderungsströme / Migranten gehen wieder heim / Corona schreckt Asylsucher von einer Einwanderung nach Italien oder Spanien ab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16 vom 17. April 2020

Wanderungsströme
Migranten gehen wieder heim
Corona schreckt Asylsucher von einer Einwanderung nach Italien oder Spanien ab

Wenn ein Migrant sich freiwillig auf den Weg macht, dann tut er das in der Annahme, dass es ihm am Zielort seiner Wanderung besser ergeht als an deren Ausgangsort. Für das Ausmaß von Migration ist deshalb nicht nur entscheidend, wie abstoßend der Herkunftsort, sondern auch wie anziehend der Zielort ist. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Push-Faktoren (vom englischen „push“, drücken) und Pull-Faktoren (vom englischen „pull“, ziehen). 

Da Europa im Allgemeinen sowie Italien und Spanien im Besonderen von Corona überdurchschnittlich betroffen sind, hat die Anziehungskraft, die von Europa im Allgemeinen sowie Italien und Spanien im Besonderen auf potenzielle Migranten ausgeht, stark gelitten. Und zwar so sehr, dass sich immer mehr abzuzeichnen scheint, was jahrzehntelang nicht möglich schien und nie in Erwägung gezogen wurde, nämlich dass Migrationsströme sich auch wieder in umgekehrte Richtung bewegen könnten.

Epizentren von Corona

Nachdem im südlichen Mittelmeer das Schleusergeschäft fast vollkommen zum Erliegen gekommen ist, weil kaum noch ein Migrant nach Italien will, erwartet Libyen jetzt die Rückkehr vieler Tausender gestrandeter schwarzafrikanischer Migranten in ihre Heimatländer. Neue Migrantenkarawanen werden nicht mehr in die beiden von Milizen kontrollierten Landeshälften gelassen. In Libyen haben die Behörden bereits darauf hingewiesen, dass gestrandete afrikanische Migranten im Notfall nicht in libysche Krankenhäuser aufgenommen werden. Dies hatte in den Migrantenlagern für eine Panikstimmung gesorgt. Viele schwarzafrikanische Armutsmigranten haben jedoch nicht das Geld für die Rückfahrt. 

Ähnlich ist es in Spanien, dem weltweit am zweitstärksten von der Pandemie betroffenen Land. Vor den zwei spanischen Enklaven in Nordafrika, in denen wie im Mutterland die Corona-Pandemie grassiert und es bereits erste Tote gibt, war es schon seit Jahren nicht mehr so ruhig wie in den letzten Wochen. Marokko fürchtet jetzt sogar ein Übergreifen der Pandemie von den Enklaven auf das eigene Land und hat daher seine Grenzen zugemacht. 

In Spanien wie in Italien ist es zwar weiterhin möglich, Asyl zu beantragen, aber die Gesundheitssysteme dieser Länder sind angesichts der Pandemie weitgehend zusammengebrochen. Ein wichtiges Motiv für die Migration in diese Staaten, nämlich die Aussicht auf ein sichereres Leben, ist damit weggefallen.B.B.