29.01.2022

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17.04.20 / Wilhelm zu Wied / Der Preuße an Albaniens Spitze

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16 vom 17. April 2020

Wilhelm zu Wied
Der Preuße an Albaniens Spitze
Manuel Ruoff

Infolge des Ersten Balkankrieges zog sich der „kranke Mann am Bosporus“, das Osmanische Reich, nolens volens weitgehend aus Europa zurück. Noch während des Krieges, am 28. November 1912, wurde in Albanien eine unabhängige Republik ausgerufen. Die sechs europäischen Großmächte, mit der Ausnahme Frankreichs allesamt Monarchien, waren bereit, die Unabhängigkeit Albaniens anzuerkennen, aber nicht eine albanische Republik. Ein Fürstentum sollte es stattdessen sein. Das warf die Frage nach dem Fürsten auf. 

Im Sommer 1913 einigten sich die Großmächte auf der Londoner Botschafterkonferenz auf den damals 37-jährigen preußischen Rittmeister Wilhelm Friedrich Heinrich Prinz zu Wied. Den Verlegenheits- und Kompromisskandidaten qualifizierte weniger, was er war als was er nicht war. Er stammte nicht aus den Nachbarländern Albaniens und war auch nicht deren Favorit. Er gehörte als Deutscher keiner der bedeutenden Ethnien und als Protestant auch keiner der bedeutenden Religionsgemeinschaften Albaniens an. Von einer Tante, der Königin Elisabeth von Rumänien, soll sein Name ins Spiel gebracht worden sein.

 Albanien war damals nicht stabiler als heutzutage, und so stellte der deutsche Prinz Bedingungen, bevor er das Angebot der Großmächte annahm, Fürst von Albanien zu werden. Zu den Forderungen gehörte, dass ihm nicht nur die Großmächte, sondern auch Vertreter Albaniens die Führung des Landes antrugen und dass die Großmächte ihn mit einer Anleihe finanziell unterstützten. Beides wurde ihm zugesagt. Und in der Tat trug ihm nun auch eine albanische Delegation die Führung des Landes an. 

Nach Besuchen in den Großmachthauptstädten Rom, Wien, London, Paris und Sankt Petersburg betrat der Deutsche am 7. März erstmals albanischen Boden und richtete sich in seiner neuen Hauptstadt Durrës ein. Das junge Fürstentum war starken Anfeindungen von Innen und vom benachbarten Ausland ausgesetzt. Aber Wilhelm I., wie er als Fürst hieß, konnte sich halten, solange die Großmächte hinter ihm standen. Mit deren Harmonie war es jedoch spätestens bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs vorbei. Am 3. September 1914 ging er, wie er es selbst verkündigte, „für einige Zeit nach Westen“. Durch seine anschließende Kriegsteilnahme in der preußischen Armee verlor er die letzten Chancen, bei der Neuordnung Europas durch die Sieger nach Kriegsende eine Rolle zu spielen. Er starb vor 75 Jahren, am 18. April 1945, im rumänischen Exil.