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26.06.20 / Paramilitärische Gewalt / Lizenz zum Töten / Im Nordwesten der USA stehen sich linke und rechte Bürgermilizen unversöhnlich gegenüber – Die Schusswaffe ist immer griffbereit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26 vom 26. Juni 2020

Paramilitärische Gewalt
Lizenz zum Töten
Im Nordwesten der USA stehen sich linke und rechte Bürgermilizen unversöhnlich gegenüber – Die Schusswaffe ist immer griffbereit

Man mag verständnislos auf die Präsenz bewaffneter Freischärler in der besetzten Zone von Seattle blicken. Oder man sieht eine gewisse Ironie darin, wenn Radikale, die den modernen Staat und seine Institutionen ablehnen, ein eigenes Gemeinwesen aufbauen und dann selbst genau diese Funktionen abbilden. 

Für die Menschen in der „CHOP“ sind die Bewaffneten primär Schutz vor bewaffneten Angriffen durch rechte und rechtsradikale Gruppierungen, die es auch im traditionell liberalen Seattle und im pazifischen Nordwesten der USA gibt. Und das gewaltbereite rechte Milieu hat bereits damit gedroht, am 4. Juli in die „CHOP“ zu marschieren. 

Hinzu kommt, dass der pazifische Nordwesten besonders seit Donald Trumps Amtsantritt Schauplatz von Zusammenstößen zwischen linker Protestszene einerseits und konservativen Trump-Anhängern, rechtspopulistischen Gruppierungen und echten Rechtsradikalen auf der anderen Seite ist. In Seattle, aber auch in Portland und anderen Städten im Landesinneren treffen diese Fraktionen immer wieder aufeinander. 

Bekannteste linke Gruppierungen sind die Emerald Antifa aus Seattle und die Rose City Antifa aus Portland, eine der ältesten aktiven Antifa-Gruppen in den USA. Hinzu kommt ein breites Spektrum von linksalternativen Gruppierungen und Bürgerrechtsinitiativen, sowie die in den gesamten USA agierende Black Lives Matter-Bewegung. Der „John Brown Gun Club“ beruft sich auf das Recht auf Waffenbesitz und verhält sich ähnlich wie viele der paramilitärischen Milizen im rechten Spektrum. Sie schult ihre Mitglieder im taktischen Schusswaffengebrauch oder tritt auf politischen Veranstaltungen als Sicherheitsdienst auf.

Rechts von der Mitte finden sich Gruppen wie „Patriot Prayer“ aus Portland, oder die in den gesamten USA aktiven „Proud Boys“ oder die „Three Percenters“, „Patriot Prayer“ beansprucht, gewaltfrei und antirassistisch zu sein, ist aber häufig in gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Antifa verwickelt. Wer wen angegriffen hat, ist meist unklar, weil beide Seiten etwas gegen vor Ort arbeitende Journalisten haben. Aber Linke wie Rechte werden immer wieder von Gerichten ins Gefängnis geschickt. 

Für die „Proud Boys“ ist der Kampf gegen die Antifa Teil der Vereinsregeln. Die „Three Percenters“ sehen sich als verfassungstreue Patrioten und sind Teil der USA-weiten Milizbewegung, die paramilitärisch organisiert ist und sich auf einen kommenden Bürgerkrieg vorbereitet. Vorläufer der Bewegung traten erstmals in den 70er Jahren auf. Unter den Präsidenten Clinton und Obama erlebten diese Freischärler Phasen hohen Zulaufs. F.L.