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26.06.20 / Im Westen viel Neues / In Nordrhein-Westfalen erinnern gleich mehrere Häuser an verschiedene Regionen und Provinzen des alten Preußen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26 vom 26. Juni 2020

Im Westen viel Neues
In Nordrhein-Westfalen erinnern gleich mehrere Häuser an verschiedene Regionen und Provinzen des alten Preußen
Veit-Mario Thiede

Weiter so!“ lautet das Motto des vom Landschaftsverband Rheinland getragenen Niederrheinmuseums in Wesel bei der Fortentwicklung seiner Dauerschau. „Neue Wege“ will das von der Stiftung Haus Oberschlesien geführte Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen gehen. „Alles beim Alten“ meldet das in der Trägerschaft der Kulturstiftung Westpreußen stehende Westpreußische Landesmuseum in Warendorf. Mit dem Slogan „Platz da, das Museum kommt!“ macht das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterhaltene Preußenmuseum Minden auf seine Neueröffnung im kommenden Jahr aufmerksam.

Preußen am Rhein

Im LVR-Niederrheinmuseum gelten seit der Wiedereröffnung am 30. Mai für die Besucher zum Schutz vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus neue Regeln. Man kann sie in der eigens erstellten Anlage zur Hausordnung nachlesen. Maximal 50 Besucher dürfen sich in dem zum Museum ausgebauten ehemaligen Getreidespeicher der Zitadelle Wesel aufhalten. Sie müssen einen Mund- und Nasenschutz tragen, sich an die üblichen Abstandsregeln halten und sollten die an den Haupteingängen und an den Toilettenanlagen installierten Spender mit Handdesinfektionsmittel benutzen. Eine Neuheit ist das Einführungsvideo in die derzeitige Dauerausstellung, zu der jeder Besucher obendrein einen Lageplan mit eingezeichneter Laufrichtung erhält.

Seitdem das frühere Preußenmuseum Wesel 2018 als Niederrheinmuseum neu eröffnet wurde, arbeitet das Museumsteam um Direktor Veit Veltzke an der schrittweisen Verwirklichung der neu konzipierten Dauerausstellung. Die soll 2024 abgeschlossen sein. Standen früher einzig und allein die Bedeutung Preußens für die Region Niederrhein und Wesel als ehemalige preußische Festungs- und Garnisonsstadt im Blickpunkt, weitet sich nun die Perspektive. Vermittelt werden jetzt auch die historischen Verflechtungen mit dem niederländischen Raum und die europäische Dimension der niederrheinischen Geschichte.

Geschichte Oberschlesiens

Während die Besucher des Niederrheinmuseum vorerst freien Eintritt haben, Spenden jedoch gern gesehen sind, gelten in dem seit 5. Mai wieder offenen Oberschlesischen Landesmuseum die üblichen Eintrittspreise. Aber während man in Wesel selbst für seine Schutzmaske sorgen muss, bietet das Ratinger Museum den Besuchern Masken und Handschuhe an. Laufrichtungspfeile und Abstandslinien leiten durch die Dauerausstellung. Das Museum hat nach den Worten von Susanne Peters-Schildgen die Aufgabe, der Öffentlichkeit „ein Bild von der Geschichte und Kultur der schlesischen Regionen zu vermitteln und somit auch über das heutige Polen und Tschechien zu informieren“. 

Bis die Stelle der Museumsleitung neu besetzt ist, leitet Susanne Peters-Schildgen kommissarisch das Museum. Sie kündigt die Neukonzeption der 22 Jahre alten Dauerschau an: Diese „soll die wechselvolle Geschichte Oberschlesiens und der Menschen, die in dieser Region zu verschiedenen Zeiten gelebt haben, in Beziehung zu aktuellen Fragestellungen setzen. Stichworte wären hier zum Beispiel Migration, Minderheiten, ethnische Vielfalt und Diversität, Identität, Fremdsein, Toleranz und Integration.“ Im Herbst dieses Jahres sollte eine Sonderausstellung über schlesische Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Industrie und Sport beginnen. Zu ihnen gehören beispielsweise Joseph von Eichendorff, Bernhard Grzimek und Lukas Podolski. „Die Einhaltung des ursprünglichen Starttermins hängt davon ab, ob wir angefragte Exponate von unseren Partnermuseen in Polen wegen der Corona-Krise termingerecht nach Ratingen transportieren können“, erklärt Peters-Schildgen. 

Nicht viel Neues gibt es aus Warendorfs seit dem 19. Mai wieder offenem Westpreußischen Landesmuseum zu berichten. Deutschlands zentrale Einrichtung zur Erforschung und Vermittlung von Geschichte und Kultur des historischen Westpreußen residiert in einem ehemaligen Franziskanerkloster. Die angesichts der Corona-Krise eingeführten Hygienevorschriften fallen knapp aus. Im Eingangsbereich stehen Spender mit Handdesinfektionsmitteln, das Tragen eines Nasen- und Mundschutzes ist Pflicht, die üblichen Abstandsregeln sind einzuhalten. Und: „Bitte nichts anfassen.“ So instruiert kann der Besucher den Parcours durch die Stationen der westpreußischen Geschichte und die Dokumentation landsmannschaftlicher Aktivitäten antreten.

Ein Kompetenzzentrum für Preußen

Seit 2014 ist das in der alten Defensionskaserne der ehemaligen Garnisonsstadt Minden untergebrachte Preußenmuseum zwecks denkmalgerechter Sanierung des Gebäudes und Einrichtung einer neuen Dauerausstellung geschlossen. Auf dem Museumsplatz steht neuerdings ein Container. Ab September soll in, um und an ihm ein buntes Kulturprogramm auf die für 2021 vorgesehene Eröffnung des Museums neugierig machen. Dessen Leiterin ist Sylvia Necker. Sie kündigt an: „Ich möchte preußische Geschichte pfiffig erzählen. Es braucht dringend neue Perspektiven und Interpretationen, zumal das Thema ja oft erst einmal Abwehr und Augenrollen hervorruft.“ Titel der geplanten Dauerschau ist „Potz Blitz – Preußen!“ 

In ihr will Necker zum Beispiel mit gängigen Klischees wie dem der Gleichsetzung von Preußen mit der Pickelhaube aufräumen, auf heute alltäglich erscheinende preußische Errungenschaften wie die Sozialversicherung und die zivile Ehe aufmerksam machen und eine Galerie der Preußinnen einrichten, in der etwa Königin Luise und Käthe Kollwitz zu Ehren kommen. Besonders wichtig ist ihr der Gegenwartsbezug der preußischen Geschichte. Die in der künftigen Dauerschau angesprochenen Themen werden in Sonderausstellungen vertieft. Sie tragen Arbeitstitel wie „Preußen im Film“, „Die preußische Amtsstube“ oder „Preußen, Protestantismus und Pflichtbewusstsein“. Die rührige Direktorin hat den ehrgeizigen Anspruch, das Museum als bundesweites Kompetenzzentrum zum Thema Preußen zu etablieren.

Kaiser Wilhelm in Porta Westfalica

Sylvia Necker ist auch für eine der großen Touristenattraktionen Ostwestfalens zuständig: das auf dem Wittekindsberg von Porta Westfalica stehende Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Mittelpunkt des vom Architekten Bruno Schmitz entworfenen, weithin sichtbaren Wahrzeichens der Region ist das vom Bildhauer Caspar von Zumbusch geschaffene Standbild Kaiser Wilhelms I. Die 88 Meter hohe Anlage ist das zweitgrößte deutsche Nationaldenkmal, übertroffen nur vom drei Meter höheren Leipziger Völkerschlachtdenkmal. Seit 28. Mai steht das auf der Ringterrasse eingerichtete Besucherzentrum wieder offen. Es informiert an sechs Stationen über die Geschichte des 1896 eingeweihten Monuments und seiner Umgebung.

b Weitere Informationen:

LVR-Niederrheinmuseum 

An der Zitadelle 14-20, Wesel 

www.niederrheinmuseum-wesel.lvr.de

Oberschlesisches Landesmuseum 

Bahnhofstr. 62, Ratingen 

www.oberschlesisches-landesmuseum.de 

Westpreußisches Landesmuseum 

Klosterstraße 21, Warendorf 

www.westpreussisches-landesmuseum.de

LWL-Preußenmuseum 

Simeonsplatz 12, Minden 

www.lwl-preussenmuseum.de