11.08.2022

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24.07.20 / Tesla / „Ich sehe da ordentlich Krach für uns“ / Massive Kritik an den Arbeitsbedingungen beim US-Elektroautobauer

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30 vom 24. Juli 2020

Tesla
„Ich sehe da ordentlich Krach für uns“
Massive Kritik an den Arbeitsbedingungen beim US-Elektroautobauer
Norman Hanert

Als der Milliardär Elon Musk unlängst über Twitter einen Entwurf für die neue Fabrik seines Elektroautoherstellers Tesla zeigte, die südöstlich von Berlin entstehen soll (Tesla Gigafactory 4), war auf dem Werksdach eine begrünte Terrasse mit einem Schwimmbecken zu sehen. Auf die Nachfrage, „Swimming-Pool auf dem Dach?“, reagierte Musk mit einem: „Sicher.“

„Es ist ein einziges Chaos“ 

Angesichts der Berichte über die Arbeitsbedingungen in den bereits bestehenden Tesla-Werken scheint die Frage nach einem firmeneigenen Schwimmbecken durchaus berechtigt. Aus Teslas Batteriezellenfabrik in Storey County, Nevada, USA (Tesla Gigafactory 1) und dem Stammwerk im kalifornischen Fremont haben Mitarbeiter in den letzten Jahren immer wieder über Dauerstress, Zwölf-Stunden-Tage, schlechte Bezahlung, Druck und Überwachung durch Vorgesetzte sowie allgemein schlechte Arbeitsbedingungen berichtet. „Es ist ein einziges Chaos“, schätzte ein Angestellter aus dem Werk Fremont die Arbeitsbedingungen vor einiger Zeit ein. Mit Blick auf das Tesla-Hauptwerk in Kalifornien sprach Musk selbst sogar schon einmal von einer „Produktionshölle“.

Auch in der Autobranche sorgte Tesla wegen der Produktionsbedingungen bereits für Verwunderung. Der Neuling unter den Autoherstellern setzte beispielsweise in seinem Hauptwerk Fremont für eine neue Montagelinie kurzerhand zwei riesige Zelte neben das bestehende Fa-brikgebäude. Musk sprach von „minimalen Ressourcen“ und lobte seine Mitarbeiter, welche die Zelte „aus Altmetall, das wir in unseren Lagerhallen hatten“, zusammengebaut hätten. Als Fotos der Zeltfabriken öffentlich wurden, fühlten sich einige Kommentatoren allerdings an Hinterhofwerkstätten in Schwellenländern erinnert.

Mehrfach warfen ehemalige Tesla-Angestellte dem Unternehmenschef vor, die Produktionszahlen über die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu stellen. In einem Interview gab Musk Ende 2018 an, er selbst arbeite ungefähr 120 Stunden pro Woche, während seine Mitarbeiter zeitweise 100 Wochenstunden bewerkstelligen mussten.

Auch beim neuen Werk in Brandenburg drückt Musk auf das Tempo. Parallel zu den Bauarbeiten wird bereits Personal gesucht. Die Stellenanzeigen sind zumeist in englischer Sprache verfasst. Bereits im Frühjahr waren in einer Stellenanzeige des Autoherstellers nicht nur fließende Englisch- und Deutschkenntnisse verlangt worden, sondern auch Polnischkenntnisse. Dies hatte zu Vermutungen geführt, Tesla wolle für sein deutsches Werk preiswertere polnische Mitarbeiter rekrutieren.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kündigte vor diesem Hintergrund bereits harte Auseinandersetzungen mit dem Elektroautobauer an. Der Gewerkschafter sagte, wenn Tesla für sein Werk bei Berlin deutsche Infrastruktur nutze und zugleich niedrig entlohnte Arbeitskräfte aus Polen hole, sei das „purer Kapitalismus“. Der Spitzengewerkschafter weiter: „Ich sehe da ordentlich Krach für uns.“

In neueren Stellenanzeigen des US-Autobauers für das Werk in Grünheide wird von Bewerbern die Fähigkeit gefordert, „unter sehr hohem Druck zu arbeiten“. An anderer Stelle heißt es, die Arbeitskultur sei von einem hohem Tempo geprägt und verlange vollen Einsatz. Von Ingenieuren, die in Grünheide anfangen wollen, erwartet Tesla, notfalls auch nachts und an den Wochenenden zu arbeiten, wenn ein Projekt dies erforderlich mache.

100-Stunden-Woche

Vorgesehen ist für das Werk generell ein Betrieb in drei Schichten pro Tag. Folgerichtig erwartet Tesla von Arbeitskräften in der Montage auch eine „Offenheit für Nachtarbeit, einschließlich Überstunden an Wochentagen und Wochenenden“.

Einen neuen Maßstab für den Wirtschaftsstandort Deutschland setzt Tesla auf jeden Fall mit dem Tempo, mit dem das neue Werk in Brandenburg gebaut werden soll. Der Tesla-Chef will in dem von ihm regelmäßig als „Giga Berlin“ bezeichneten Werk bereits in einem Jahr, im Juli 2021, die Produktion anlaufen lassen.