28.01.2022

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24.07.20 / Deutsche Bahn / Mit Verspätung nach Stettin / Nach jahrelangem Abwarten – Bahnstrecke von Berlin nach Pommerns Hauptstadt wird modernisiert

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 30 vom 24. Juli 2020

Deutsche Bahn
Mit Verspätung nach Stettin
Nach jahrelangem Abwarten – Bahnstrecke von Berlin nach Pommerns Hauptstadt wird modernisiert

Mehr als 70 Jahre nachdem ein Teil der Bahnstrecke Berlin–Stettin als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert wurde, beginnt die Deutsche Bahn mit der Modernisierung einer der ältesten Bahnlinien Deutschlands. Die Bahn, Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg wollen fast eine halbe Milliarde Euro in den Ausbau der Strecke zwischen Berlin und der Großstadt an der Oder investieren. 

Wie die Deutsche Bahn am 9. Juli in Angermünde bei der Vorstellung des Projekts mitteilte, soll der Streckenausbau nächstes Jahr beginnen und im Jahr 2016 abgeschlossen werden. Beseitigen will die Bahn im Zuge des Ausbaus auch ein Nadelöhr, das ein Problem für das gesamte Eisenbahnnetz Europas darstellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Sowjetunion das komplette zweite Gleis zwischen Bernau bei Berlin und Stettin-Scheune als Reparation demontiert. Bis heute ist die Strecke bei Passow (Uckermark) auf 30 Kilometern nur eingleisig befahrbar und zudem auch nicht elektrifiziert. Für Bahnreisende soll der Streckenausbau die Fahrtzeit künftig um gut 

20 Minuten, auf dann 90 Minuten, verkürzen. 

Erst die Mitfinanzierung des Ausbaus durch Berlin und Brandenburg macht nun einen durchgehenden zweigleisigen Ausbau möglich: Der Bund steuert für das Projekt etwa 380 Millionen Euro bei, Berlin und Brandenburg wollen sich mit insgesamt 100 Millionen Euro beteiligen. Die Deutsche Bahn selbst hatte aus Kostengründen jahrelang nur weiterhin eine eingleisige Variante geplant. 

Bei der Präsentation des Vorhabens in Angermünde sagte Ronald Pofalla, Infrastruktur-Vorstand der Deutschen Bahn, durch das Projekt sollen Kommunen und Menschen an der Strecke enger zusammenrückt.“ Tatsächlich ist der derzeitige Zustand der Bahnstrecke Berlin–Stettin kein Ruhmesblatt für die Verkehrspolitik der Bundesregierung. Schließt die Deutschen Bahn die Steckenmodernisierung tatsächlich wie geplant bis 2026 ab, werden immerhin mehr als 35 Jahre seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vergangen sein. 

Bereits im Jahr 2003 hatte der damalige Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD), selbst gebürtiger Stettiner, den durchgehend zweigleisigen Ausbau und eine Elektrifizierung der kompletten Strecke angemahnt. Trotz der EU-Osterweiterung ab Mai 2004 lag der Streckenausbau bis jetzt auf Eis.

Das jahrzehntelange Abwarten kann durchaus als symptomatisch gesehen werden: Politik und Wirtschaft haben zwar das Potenzial erkannt, das in der Großstadt Stettin steckt, der große Wurf ,den Wachstumsmotor anzuwerfen und zu nutzen, ist allerdings bislang ausgeblieben. Allein schon aus geografischen Gründen liegt für die Regionen um Stettin eine starke Orientierung hin zur Millionenmetropole Berlin nahe. 

Nach Berlin ist die Hauptstadt Pommerns zudem auch die zweitgrößte Stadt in der nordöstlichen Region. Mit über 400.000 Einwohnern überflügelt Stettin deutlich Städte wie Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam, Cottbus, Schwerin und Rostock. N.H.