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07.08.20 / Wirtschaft / Rotstift trifft die Mark und das Elsass / Alstom fusioniert mit Bombardier – Erlaubt die EU den Franzosen, was den Deutschen verwehrt wird?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32 vom 07. August 2020

Wirtschaft
Rotstift trifft die Mark und das Elsass
Alstom fusioniert mit Bombardier – Erlaubt die EU den Franzosen, was den Deutschen verwehrt wird?

Unter Berufung auf Wettbewerbsbedenken hatte die EU-Kommission vergangenes Jahr das Vorhaben des ICE-Herstellers Siemens untersagt, mit dem 

französischen TGV-Produzenten Alstom zusammenzugehen. Die milliardenschwere Übernahme des kanadisch-deutschen Zugherstellers Bombardier durch Alstom will Brüssel nun offenbar jedoch durchwinken. Laut einem Medienbericht sind die Wettbewerbshüter aus Brüssel bereit, die Pläne für einen neuen globalen Bahnriesen unter Auflagen zu genehmigen.

Die von den Franzosen angebotenen Zugeständnisse werden vor allem Standorte in Brandenburg und im Elsass treffen. Wie der Konzern in Paris ankündigte, will Alstom einen Teil der Produktion im Bombardier-Werk in Hennigsdorf abstoßen. In dem Werk bei Berlin stellt Bombardier bislang neben Straßenbahnen auch ICE-Züge, U-Bahnen und Talent-3-Fernverkehrszüge her. Um die Übernahme von Brüssel genehmigt zu bekommen, plant Alstom, die komplette Plattform für die Talent-3-Züge samt der Produktionsanlage an einen anderen Zughersteller zu verkaufen. Laut Gewerkschaftsangaben arbeiten im Bombardier-Werk Henningsdorf derzeit rund 2000 Stammbeschäftigte und etwa 500 Leiharbeiter. Mit den Verkaufsplänen würde der Schienenfahrzeugstandort, der in diesem Jahr 110. Geburtstag feiert, in Zukunft zweigeteilt.

Siemens-Pläne von Brüssel gestoppt

Volkmar Pohl, Chef des Betriebsrats am Hennigsdorfer Standort, sieht in den Verkaufsplänen zudem auch den Verzicht auf ein „gut laufendes Projekt“ und warnt vor dem Verlust von Kompetenz. Alstom will des Weiteren seinen Produktionsstandort im elsässischen Reichshofen zusammen mit der Plattform der dort gebauten „Coradia Polyvalent“-Regionalzüge abgeben. Im Werk in Reichshofen arbeiten für Alstom 800 Mitarbeiter. Auch für die deutsche Hauptstadt zeichnen sich Folgen durch die französischen Übernahmepläne ab. Bombardier Transportation steuert bislang seine weltweiten Geschäfte mit Zügen von Berlin aus. 

Ob diese Zentrale in Berlin unter dem neuen französischen Eigentümer noch eine Zukunft hat, ist fraglich. Naheliegend erscheint eher, dass die Geschäfte des neuen Bahnriesen künftig komplett vom Alstom-Hauptsitz in Frankreich geführt werden.

Mit der Übernahme der Bombardier-Bahnsparte erhöht Alstom seinen Auftragsbestand auf 75 Milliarden Euro und steigert seinen Jahresumsatz auf mehr als 15 Milliarden Euro. Mit diesen Zahlen wird das Unternehmen durch die Übernahme von Bombardier Transportation zum größten Schienenfahrzeugkonzern Europas. Nach dem chinesischen Bahnkonzern CRRC steigt Alstom zudem zum zweitgrößten Bahnhersteller der Welt auf.

Bereits 2017 hatte auch Siemens mit Bombardier über einen Zusammenschluss ihrer Bahnsparte verhandelt. Nach dem Scheitern der Gespräche wurde kolportiert, der Münchner Technologiekonzern habe wegen der schlechten Finanzlage der Kanadier die Finger von dem Geschäft gelassen. Siemens entschied sich schließlich dafür, einen Zusammenschluss mit dem französischen Konkurrenten Alstom zu wagen. Dieser Fusionsversuch scheiterte am Veto der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. N.H.