17.01.2022

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21.08.20 / Libanon / Programmierte Katastrophe / Die Riesenexplosion in Beirut hat den schon am Boden liegenden Staat in den Abgrund katapultiert.

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34 vom 21. August 2020

Libanon
Programmierte Katastrophe
Die Riesenexplosion in Beirut hat den schon am Boden liegenden Staat in den Abgrund katapultiert.
Bodo Bost

150 Tote, Tausende Verletzte und 300.000 Obdachlose sind die vorläufige Bilanz der Riesendetonation von Beirut, die einen großen Teil der Hauptstadt des Libanon zerstört hat. Dass es bislang keine Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gibt, ist das eigentlich Erstaunliche an dieser Katastrophe, die eine der explosivsten Regionen der Welt heimgesucht hat, in der Explosionen nichts Ungewöhnliches sind. Die Ursache der Explosion waren fast 3000 Tonnen Ammoniumnitrat, die in einem Lagerhaus am Hafen untergebracht waren. Der Stoff, der zur Herstellung von Sprengstoff und Düngemitteln dient, war dort seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen gelagert worden. 

Auf die Verantwortlichkeit für die Lagerung dieses Sprengstoffs konzentriert sich jetzt im Lande – zusätzlich zu den weltweiten Hilfsmaßnahmen – die öffentliche Diskussion. Oft gehen die Hilfs- und Aufräumtrupps nach ihrem Einsatz direkt auf die teilweise zerstörten Straßen und demonstrieren noch mit ihren Aufräumgeräten gegen die Regierung, gegen die sie schon seit fast einem Jahr auf die Straße gehen. Die Riesenexplosion und deren Aufarbeitung haben das ohnehin schon vorhandene Misstrauen gegen die Regierung mit Recht noch gesteigert, wurde als Ergebnis der ersten Untersuchungen doch ein Dutzend einfacher Hafenarbeiter verhaftet, die keinerlei Kompetenz hatten, während von den Hintermännern in den Ministerien und den Milizen, die den Libanon kontrollieren, bislang noch niemand ins Visier genommen wurde. Dabei wissen alle, dass diese den Libanon zur Geisel genommen haben und ihn zugrunde richten. 

Als der französische Präsident Emmanuel Macron zu Besuch in die zerstörte Stadt eilte, forderten ihn die Einheimischen auf, sie vor den korrupten Politikern zu retten. Es war so, als wünschten sich die Menschen die Kolonialzeit zurück, als französische Truppen mehr als 20 Jahre lang das Mandat über den Libanon hatten. 

Anstatt Kolonialtruppen werden nun Hilfsmaßnahmen aus aller Welt in den Libanon gekarrt und auch Riesensummen zum Wiederaufbau. Gerade dies könnte das Manna der korrupten Eliten sein, denn ohne die Detonation hätte dem Libanon, der auch als Finanzplatz bankrott ist, niemand mehr geholfen. Selbst die eigenen libanesischen Auswanderer in aller Welt, die über Jahrzehnte das Land über Wasser gehalten haben, waren die letzten Jahre skeptisch geworden, ob es sich noch lohnt, in dem durch und durch korrupten Land weiter zu investieren.