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28.08.20 / Praxistest / Feldversuche in Finnland und Namibia / Wegen der örtlichen und zeitlichen Begrenzung ist die Aussagekraft der Studienergebnisse gering

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35 vom 28. August 2020

Praxistest
Feldversuche in Finnland und Namibia
Wegen der örtlichen und zeitlichen Begrenzung ist die Aussagekraft der Studienergebnisse gering
D.P.

Die Idee, jedem Bürger eines Staates ein bedingungsfreies Grundeinkommen zu gewähren, ist nicht neu. Zahllos sind die Vorschläge, wie ein solches Vorhaben umzusetzen und zu finanzieren sei. Schon in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelte der spätere Nobelpreisträger Milton Friedman das Konzept einer negativen Einkommensteuer. Eine feststehende Summe sollte danach einfach von der zu entrichtenden Steuer abgezogen werden. Während Personen mit hohen Bezügen demzufolge einfach weniger Abgaben zahlen, sollen Geringverdiener eine entsprechende Barauszahlung vom Finanzamt erhalten. In Deutschland gibt es mit dem Arbeitslosengeld II ein ähnliches Modell, auch wenn es technisch anders umgesetzt wird. Allerdings muss derjenige, der diese Form der Grundsicherung beantragt, sich zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit verpflichten, zumindest soweit er arbeitsfähig ist. Insoweit handelt es sich hier nicht um eine bedingungslose Leistung. Basierend auf den Vorschlägen Friedmans wurden noch weitere Modelle eines Grundeinkommens entwickelt.
Vorschläge Milton Friedmans

Neben diesen theoretischen Überlegungen gab es etliche Versuche, im Rahmen von verschiedenen Projekten die Funktionsfähigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens in der Praxis zu erproben. Erst im späten Frühjahr dieses Jahres legten finnische Behörden den Abschlussbericht zu einer Feldstudie vor, bei der 2000 Bürgern über die Dauer von zwei Jahren ein Grundeinkommen in Höhe von 550 Euro ausgezahlt wurde. Viele Versuchsteilnehmer berichteten davon, dass sich die Leistungen positiv auf ihre Lebensqualität ausgewirkt hätten. Allerdings weist die Studie zahlreiche methodische Mängel auf, und an dem Versuch wurden nur Personen beteiligt, die zu Beginn des Projektes arbeitslos waren.
In Namibia hatte man 2008 einen anderen Ansatz gewählt. In dem Ort Otjivero wurde fast jedem Bewohner ein bedingungsloses Zusatzeinkommen ausgezahlt. Tatsächlich zog die kleine Gemeinde schnell Gewerbetreibende an und begann zu prosperieren.

Die Aussagekraft dieser Studienergebnisse ist jedoch gering. Problematisch erscheint vor allem, dass die Versuche örtlich oder zeitlich begrenzt sind. Wer bereits weiß, dass ein ihm ausgezahltes Zusatzeinkommen in einem Jahr wieder wegfällt, der wird nicht deswegen eine gut bezahlte Anstellung kündigen. Stärkt man die Kaufkraft der Einwohner in einem lokal abgegrenzten Gebiet, so lockt man damit zwar Investitionen von Unternehmen an, zieht sie aber zugleich aus dem Rest des Landes ab.