21.01.2022

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28.08.20 / Ausbildung / Dem Handwerk geht der Nachwuchs aus / Corona-Maßnahmen verschärfen die Krise beim Schulniveau – Lehrbetriebe baden es aus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35 vom 28. August 2020

Ausbildung
Dem Handwerk geht der Nachwuchs aus
Corona-Maßnahmen verschärfen die Krise beim Schulniveau – Lehrbetriebe baden es aus

Bereits im Frühjahr hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) aufgrund der Schulschließungen wegen Corona die Durchführung der Vergleichsarbeiten VERA 3 und VERA 8 ins Belieben der Bundesländer gestellt. Nach Bremen und Niedersachsen nutzt nun auch Brandenburg diese Regelung und setzt im gerade begonnen neuen Schuljahr die Tests an den märkischen Schulen aus.
Wichtiger Teil von VERA sind Vergleichsarbeiten für die 3. und 8. Jahrgangsstufe, die Aufschluss über den Leistungsstand der Schüler liefen sollen. Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), Ehefrau von Olaf Scholz, begründete die diesjährige Pause bei den Vergleichsarbeiten mit der Absicht, die Schulen zu entlasten. Mit der Entscheidung vergibt die Landesregierung allerdings auch die Gelegenheit, zu klären, welche Folgen die monatelangen Schulschließungen beim Leistungsstand der Schüler hinterlassen haben. Außergewöhnlich ist die Lage an Brandenburgs Schulen indessen nicht nur wegen der Pandemie. Im neuen Schuljahr unterrichten im Land so viele Seiteneinsteiger als Lehrer wie nie zuvor. Von den 1544 unbefristet neu eingestellten Kräften sind 510 Quereinsteiger, die aus anderen Berufen kommen.

Immer mehr Quereinsteiger

Damit verfügt gut ein Drittel der Neueingestellten über keine einschlägige Ausbildung zum Lehrerberuf. Insgesamt verfügt von den insgesamt 20.900 Lehrkräften in Brandenburg damit jeder Achte über kein Lehramtsstudium. Wie Ministerin Ernst mitteilte, haben sich wegen Corona nur rund 200 Pädagogen vom Präsenzunterricht abgemeldet. Weil sie zu Risikogruppen gehören, wollen diese Lehrkräfte erst einmal von zuhause oder in besonders geschützten Bereichen der Schulen arbeiten. Lehrergewerkschaften hatten vor dem Beginn des Schuljahres mit weitaus höheren Zahlen von Lehrkräften gerechnet, die nicht in den Schulen eingesetzt werden können.

Prekär sieht die Entwicklung am Ausbildungsmarkt aus. Wenige Wochen vor dem Start des Ausbildungsjahres ist in Brandenburg noch immer fast jede zweite Lehrstelle unbesetzt. Nach Angaben der Arbeitsagentur waren Anfang August im Land noch rund 6800 Plätze frei. Insbesondere Handwerksbetriebe suchen noch immer nach Schulabgängern, die eine Berufsausbildung anfangen wollen. Schon seit Jahren macht den Unternehmen zu schaffen, dass viele Jugendliche Abitur und ein Studium anstreben, während dagegen eine Lehre als verpönt gilt.
Melden sich Bewerber, stellen die Ausbilder bei den Schulabsolventen häufig Nachholbedarf fest. Wie groß die Defizite beim Nachwuchs sind, zeigt eine Einschätzung, die kürzlich ein Handwerksmeister gegenüber dem Sender rbb abgab: „Im ersten Jahr der Berufsschule fängt man in Mathematik mit dem Stoff der 7. Klasse an, steigert sich langsam bis zur 10. Klasse, erst dann beginnt die Fachmathematik.“

Die Probleme sind seit Jahren bekannt. Die Corona-Maßnahmen haben die Lage in diesem Jahr aber noch einmal verschärft. Weggefallen sind zum großen Teil persönliche Kontaktmöglichkeiten, Ausbildungsmessen und auch Firmenpraktika, über die Jugendliche ins Arbeitsleben hineinschnuppern können. N.H.