21.01.2022

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28.08.20 / Neues aus Danzig / Ein altes Schachspiel kehrt heim

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35 vom 28. August 2020

Neues aus Danzig
Ein altes Schachspiel kehrt heim
gdansk.pl/BS


Das einzigartige Schachspiel, das einst in den Bernsteinwerkstätten in Danzig hergestellt wurde, kehrt dank der Finanzierung durch die Europäische Union, die Einwohner von Danzig und zahlreiche Touristen nach Danzig zurück. Ermöglicht wurde das durch den Erlös aus dem Verkauf von Eintrittskarten in den acht Danziger Museen im Jahr 2019 und dank der Finanzierung durch die Europäische Union aus dem grenzüberschreitenden Kooperationsprogramm Polen-Russland 2014–2020. Das einzigartige und vollständige 330 Jahre alte Bernstein-Schachspiel wurde im Ausland für ca. 2,4 Millionen PLN angekauft. Mehrere führende Museen haben sich ebenfalls dafür interessiert, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York.

In Danzig war man sich indessen bewusst, dieses einzigartige Meisterwerk muss in die „Welthauptstadt des Bernsteins“ zurückkehren. Bernsteingegenstände sind empfindlich, und die Anfälligkeit für Beschädigungen steigt mit dem Alter des Gegenstands, weshalb viele Bernstein-Meisterwerke nur in Fragmenten erhalten sind, erklärt Waldemar Ossowski, Direktor des Danziger Museums. Das Schachspiel ist eines der vier erhaltenen und komplett vollständig. Nur ein erfahrener Meister konnte so ein Kunstwerk herstellen. Ähnliche, vollständige und gut erhaltene Sets befinden sich in den Sammlungen der dänischen Königsfamilie, der Eremitage in Sankt Petersburg und im Grünen Gewölbe in Dresden. Sie sind alle auf den Anfang des 18. Jahrhunderts datiert. Dieses spezielle Exponat, das das Danziger Museum ankaufen konnte, zeichnet sich durch eine höhere Handwerkskunst aus als die meisten bekannten Gegenstücke.

Laut Museumsdirektor Ossowski entstand das Set in der Blütezeit des Schachs um 1690 in Danzig, höchstwahrscheinlich in der Werkstatt von Michael Redlin, einem der besten und kunstfertigsten Danziger Bernsteinkünstler seiner Zeit. Das von ihm gefertigte Schachspiel nahm den Weg von Danzig nach Amsterdam und 1758 nach Blair Castle in Schottland. Besitzer war die Familie Murray. Ab 1660 wurden die Herzöge von Atholl genannt. Bereits als die Murrays die Schachfiguren kauften, mussten sie repariert werden, was die schottische Familie anscheinend getan hat. Heute findet man Spuren des fachgerechten Klebens mit Techniken und Materialien, die im 18. Jahrhundert bekannt waren.

Ab dem 28. Juni 2021 können die Besucher das wertvolle Schachspiel und viele weitere einzigartige Bernstein-Kunstwerke im neuen Bernsteinmuseum in der Großen Mühle in Danzig besichtigen und sich daran erfreuen.