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28.08.20 / DobrudschaDeutsche / Leben in einem umstrittenen Land / Josef Sallanz hat den Weg der Deutschen in der Dobrudscha, einem Landstrich zwischen unterer Donau und Schwarzem Meer, nachgezeichnet

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35 vom 28. August 2020

DobrudschaDeutsche
Leben in einem umstrittenen Land
Josef Sallanz hat den Weg der Deutschen in der Dobrudscha, einem Landstrich zwischen unterer Donau und Schwarzem Meer, nachgezeichnet
Dirk Klose

Von Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete eine jahrhundertelange Geschichte des Deutschtums in Ost- und Südosteuropa. In der Dobrudscha, dem Landstrich zwischen unterer Donau und Schwarzem Meer, lebte die kleinste deutsche Minderheit, weit weniger spektakulär als etwa Sudetendeutsche oder Siebenbürger Sachsen. Den Dobrudschadeutschen hat das Deutsche Kulturforum östliches Europa einen informativen Band gewidmet, der fast einem Epilog auf eine heute fast untergegangene Gemeinschaft gleichkommt.

Der 1963 im rumänischen Arad geborene Autor unterteilt seine Darstellung in zwei größere Kapitel. Das erste ist eine politische Geschichte. Es informiert über die ab 1840 in drei Wellen erfolgte Immigration von Deutschen aus Bessarabien und Südrussland in das zwischen Rumänien und Bulgarien immer wieder umstrittene Land. Diese Deutschen sahen sich nur im Ersten Weltkrieg größeren Anfeindungen ausgesetzt, sonst aber lebten sie mit zahlreichen anderen Nationalitäten in einem wahren Völkergemisch gleichberechtigt zusammen. Im Jahre 1940 aber holte Deutschland nicht zuletzt unter völkischen Gesichtspunkten die damals knapp 17.000 Deutschen „heim ins Reich“ und siedelte viele, da die meisten ohnehin Landwirte waren, im Warthegau an, was 1945 zu erneuter Aufgabe von Gut und Land führte. Eine größere Zahl wanderte nach Übersee aus, die in der Bundesrepublik Lebenden halten, so gut es heute geht, landsmannschaftliche Verbindung.

In einer wahren Puzzlearbeit hat der Autor anschließend „dobrudschadeutsche Lebenswelten“ aufgezeichnet, also Angaben zu Familie, Religion, Wirtschaft trotz harter äußerer Umstände hatten sich die Menschen schmucke Höfe mit „typisch deutschem“ Aussehen gebaut, Festen und schließlich zu den beiden Titularnationen Rumänien und Bulgarien sowie zu Menschen aus dem ganzen Umkreis des Schwarzen Meeres. Merkmale wie großer Fleiß, Ausdauer, Frömmigkeit und unbeirrbare Treue zu deutschen Sitten und Gebräuchen prägten den Alltag.
In der Geschichte ihrer Titularnationen haben die Dobrudschadeutschen, anders als etwa die Deutschen in den anderen Ländern, wenig Spuren hinterlassen. Sie wurden, wie der Autor am Ende resümiert, „überrollt von der Moderne und den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts“. Umso verdienstvoller ist es, dass ihnen mit diesem anschaulich geschriebenen Buch ein so schönes Denkmal gesetzt wird.

Josef Sallanz: „Dobrudscha. Deutsche Siedler zwischen Donau und Schwarzem Meer“, Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam 2020,
264 Seiten, 19,80 Euro