21.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
25.09.20 / Kino / Multikulturelles Auswürfeln / David Copperfield wird Inder – Die Verfilmung des Klassikers von Charles Dickens als ethnisch kunterbuntes Treiben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39 vom 25. September 2020

Kino
Multikulturelles Auswürfeln
David Copperfield wird Inder – Die Verfilmung des Klassikers von Charles Dickens als ethnisch kunterbuntes Treiben
Harald Tews

Filme, die einen Oscar gewinnen wollen, müssen neuerdings bestimmte Standards erfüllen. Sind Minderheiten wie Schwarzafrikaner, Asiaten oder Indianer nicht bis zu 30 Prozent repräsentiert, kriegt der Film, mag er auch ein künftiger Meilenstein der Kinogeschichte sein, keinen Preis. 

Wenn es danach geht, steht der kommende Oscargewinner für den besten Film schon fest. Die britische Charles-Dickens-Verfilmung „David Copperfield. Einmal Reichtum und zurück“, die seit diesem Donnerstag in unseren Kinos zu sehen ist, übererfüllt die Quote der Politischen Korrektheit locker. Die im Film gezeigte viktorianische Gesellschaft ist hier so multikulturell bunt, dass es fast schon wie eine Satire auf die Korrektheits-, Diversitäts- und Proporzanhänger wirkt.

Der Verdacht der Verballhornung liegt nahe, gilt doch Regisseur Armando Iannucci als Satirespezialist, wie er mit dem schwarzhumorigen Film „The Death of Stalin“ von 2017 bewies. Darin zog er die letzten Tage des sowjetischen Diktators dermaßen durch den Kakao, dass der Film in Russland letztendlich verboten wurde.

Jetzt dient ihm Dickens’ Klassiker als Spielwiese für seinen abstrusen Humor. Wenn es denn wenigstens feiner englischer Humor wäre. Aber damit ist es auch nicht weit her, mixt er sich doch mit draller italienischer Commedia dell’arte. Der Brite Iannucci ist schließlich selbst Sohn italienischer Einwanderer und das Thema Migration tief in ihm verwurzelt.

So hat er seinen Film ethnisch querbeet besetzt. Eine Schwarze spielt eine vornehme Dame, ein Asiate einen alkoholsüchtigen Anwalt, und Copperfield wird als dunkelhäutiger Inder geboren und als Erwachsener vom indischstämmigen „Slumdog Millionär“-Star Dev Patel verkörpert. Die Rollen der Schurken, Betrüger und sonstigen Kotzbrocken bleiben natürlich den Weißen vorbehalten. Hier glänzt immerhin Ben Whishaw als kriecherischer Uriah Heep (nach dem sich eine bekannte Rockband benannt hat).

Ansonsten ist der Film eine durchaus amüsante Slapstick-Version von Dickens’ autobiografisch geprägtem Roman, der ja selbst vor skurrilen Einfällen und exzentrischen Figuren platzt wie Copperfields Tante (Tilda Swinton), ihrem spinnerten Cousin Mr. Dick (Hugh Laurie aus der TV-Serie „House“) oder dem ewig bankrotten Mr. Micawber (Peter Capaldi). 

Zur Nebensache wird dabei die Handlung, in der Copperfield aus dem Garten Eden des Elternhauses in die Hölle eines Arbeitshauses als Flaschenreiniger hinabsteigt, um über das Fegefeuer der Liebe als gefeierter Schriftsteller zurück ins Elysium zu gelangen. Große Freiheiten hat sich Iannucci in dem Kostümfilm auch bei den Dialogen genommen, die er aus dem viktorianischen Korsett sprengt und zeitgemäß mit schnoddrigem Humor aufpeppt. Dadurch wird der Film zu einer unterhaltsamen Comedyshow, bei der nur Dickens’ Roman das Pech hatte, als Folie zu dienen. Jedes andere Werk hätte es auch getan. Aber Beliebigkeit gehört zum Programm, das zeigt ja schon das multikulturell-bunte Auswürfeln der Akteure.