19.01.2022

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02.10.20 / Pandemie / Viel weniger verschnupft / Kleiner Trost: Zwar rollt die zweite Corona-Welle auf uns zu, doch eine Grippewelle wird wohl ausbleiben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40 vom 02. Oktober 2020

Pandemie
Viel weniger verschnupft
Kleiner Trost: Zwar rollt die zweite Corona-Welle auf uns zu, doch eine Grippewelle wird wohl ausbleiben
Wolfgang Kaufmann

Mit der Virusgrippe ist nicht zu spaßen: Im Gegensatz zu den banalen Erkältungen kann die Influenza zu erheblichen Komplikationen und damit auch zum Tod führen. Während der Grippesaison 2017/18 starben hierzulande geschätzte 25.000 Menschen an der Infektionskrankheit. 

Noch höher lag die Zahl der Opfer in der Bundesrepublik 1995/96, 1969/70 und 1957/58. Nicht zu vergessen auch die Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte und 300.000 Deutsche das Leben kostete. Dahingegen verliefen die Grippewellen der vergangenen beiden Winter mit 954 und 541 bestätigten Todesfällen glimpflich – und nun mehren sich die Anzeichen dafür, dass es in den kommenden Monaten ebenfalls keine Influenza-Epidemie oder gar -Pandemie geben wird.

Auf der Südhalbkugel der Erde, auf der die Grippesaison wegen der gegensätzlichen Jahreszeiten von April bis August dauert, registrierte man in diesem Jahr auffällig wenige Infizierte. Das berichten Sonja Olsen und deren Kollegen von den US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC). So wurden aus Australien lediglich 33 Fälle von echter Influenza gemeldet und aus Chile zwölf sowie Südafrika sechs – bei immerhin 83.300 getesteten Personen. Zum Vergleich: Während der Jahre zuvor waren pro Saison durchschnittlich immer um die 25.000 Menschen in diesen drei Staaten nachweislich an Influenza erkrankt gewesen.

Historischer Tiefstand bei Influenza

Ähnliches wie in der CDC-Mitteilung steht auch im „Influenza Update 376“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 14. September: In den 52 Ländern, in denen Anfang September 145.000 Personen mit Erkältungssymptomen auf Influenza A und B getestet worden waren, fanden sich nur 34 Infizierte, wobei diese zumeist das A/H3N2-Virus trugen. Das hatte 1968 die Hongkong-Grippe-Pandemie ausgelöst, weshalb die Influenza-Schutzimpfung seither auch gegen diesen speziellen Erreger immunisieren soll. Allerdings scheint der nun mutiert und somit resistenter gegen Impfstoffe zu sein.

Dass es im Sommer 2020 kaum Influenza-Fälle auf der Südhalbkugel gab, führen die Experten von WHO und CDC auf die Corona-Maßnahmen zurück. Da man Großveranstaltungen verboten und die sozialen Kontakte eingeschränkt sowie eine Maskenpflicht eingeführt habe, sei auch die Verbreitung anderer Viren als SARS-CoV-2 deutlich erschwert worden.

Dieser mutmaßliche Corona-Effekt soll sich nun sogar in den USA zeigen. Laut CDC ergab die Auswertung der Daten von etwa 300 Labors in sämtlichen Bundesstaaten der USA einen historischen Tiefstand bei den sommerlichen Influenza-Fällen: Zwischen Mai und August seien gerade einmal 0,2 Prozent der entsprechenden Tests positiv ausgefallen, während sich die Werte im gleichen Zeitraum der Vorjahre stets im Bereich von 1,04 bis 2,36 Prozent bewegt hätten.

Rhino-Viren auf dem Vormarsch

Für Deutschland teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert-Koch-Instituts (RKI) am 15. September sogar mit, die extrem geringe Zahl der bislang eingesandten Proben wegen Influenza-Verdachts erlaube überhaupt keine statistische Auswertung.

Bleibt das Niveau bei den Grippeinfektionen weiterhin so niedrig, was nach den bisherigen Beobachtungen zu erwarten ist, so dürfte das positive Auswirkungen auf die Corona-Situation haben. Eine Arbeitsgruppe um Matthieu Domenech de Cellès vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie an der Berliner Charité fand Belege dafür, dass die verschiedenen Influenzaviren mit dem SARS-CoV-2-Erreger interagieren und so für ein bis zu 2,5-fach häufigeres Auftreten von Covid-19-Erkrankungen sorgen können.

Gleichzeitig bietet die momentan einzigartige Abwesenheit von Grippeviren aber keinen Anlass für Leichtsinn, denn andere Atemwegsinfektionen, welche weder im Zusammenhang mit der Influenza noch Corona stehen, sind in Deutschland derzeit wieder auf dem Vormarsch. Das ergibt sich aus dem letzten Monatsbericht der AGI über die epidemiologische Lage im Zeitraum vom 8. August bis 4. September. In 73 von 130 eingesandten Proben habe man Rhino-Viren gefunden. 

Die Rhino-Erreger lösen zwar meist nur einen harmlosen Schnupfen aus, verursachen manchmal aber auch lebensgefährliche Symptome. Die Ansteckung erfolgt hierbei vor allem über Schmierinfektionen. Deshalb schützen die als Universalmittel angepriesenen Mund-Nase-Bedeckungen in diesem Fall nur sehr begrenzt bis gar nicht. Darüber hinaus lassen sich die Rhino-Viren kaum durch die jetzt üblicherweise allerorts verwendeten alkoholhaltigen Desinfektionsmittel neutralisieren.