28.01.2022

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02.10.20 / Lufthansa / Kranich im Sinkflug / Die Sorgen um die größte deutsche Fluggesellschaft nehmen zu – Massiver Stellenabbau geplant

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40 vom 02. Oktober 2020

Lufthansa
Kranich im Sinkflug
Die Sorgen um die größte deutsche Fluggesellschaft nehmen zu – Massiver Stellenabbau geplant
Peter Entinger

Als die Corona-Pandemie den internationalen Luftverkehr weitgehend lahmlegte, war die Lufthansa einer der ersten Großkonzerne, der Alarm schlug. Der Staat sprang als Kreditgeber ein und hoffte, das Unternehmen würde auf einen rabiaten Stellenabbau verzichten. Nun steht fest, dass sich beide Seiten verrechnet haben.

Die Lufthansa benötigte im Frühjahr schnell frisches Geld. Das bekam sie allerdings zu ungünstigen Konditionen. Die stille Einlage von knapp sechs Milliarden Euro muss in den ersten zwei Jahren mit vier Prozent verzinst werden und danach schrittweise mit bis zu neuneinhalb Prozent. In Zeiten von Negativ-Zinsen für den Geldgeber eigentlich ein lukrativ erscheinendes Geschäft, das Arbeitsplätze sichern sollte.

Doch die Geschäfte laufen derzeit nur unwesentlich besser und die finanziellen Belastungen sowie der Sinkflug der Aktie verunsichern das Unternehmen. Die Folge ist, dass 150 der noch 760 Flugzeuge dauerhaft stillgelegt werden. Nach Verhandlungen mit dem Bund als Kreditgeber wurde zugesichert, dass nicht mehr als 22.000 Stellen möglichst sozialverträglich abgebaut werden. Mittlerweile sagen immer mehr Branchenkenner, das reiche nicht. Noch schweigt sich der Konzern aus, aber durchgesickert ist, dass es 26.000 der weltweit noch rund 180.000 Arbeitsplätze kosten könnte. 

„Die Aussichten für den internationalen Luftverkehr haben sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt“, teilte die Lufthansa in der vergangenen Woche knapp mit. Für das vierte Quartal hatte der Konzern ursprünglich mit rund 30 bis 40 Prozent der Vorjahresbuchungen gerechnet, mittlerweile geht man nicht einmal mehr von einem Viertel aus. 

Staatshilfe bald aufgebraucht

Die „Badische Zeitung“ berichtet, die Lufthansa machte derzeit alle eineinhalb Stunden rund eine Million Euro Miese. Setze sich dieser Trend fort, seien die Staatshilfen, an denen neben der Bundesrepublik Deutschland auch Österreich, die Schweiz und Belgien beteiligt waren, bereits in eineinhalb Jahren aufgebraucht. 

Doch ob der internationale Flugverkehr dann konstant auf Vorkrisenniveau sein wird, kann niemand vorhersagen. In der Branche gibt es Vermutungen, vor allem die Zahl der Geschäftsreisenden könne sich dauerhaft verringern. 

Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr sucht derweil das Gespräch mit den Gewerkschaften, will Massenentlassungen durch Gehaltskürzungen verhindern. „Wir wollen nicht durchgefüttert werden, sondern unternehmerisch tätig sein, und deshalb müssen die Kosten runter“, formulierte es Vorstandsmitglied Harry Hohmeister gegenüber dem „Spiegel“.