28.01.2022

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02.10.20 / Warum Putin schweigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40 vom 02. Oktober 2020

Warum Putin schweigt
Manuela Rosenthal-Kappi

Nachdem es vier Jahre lang ruhig in der Region Bergkarabach war, ist scheinbar über Nacht ein neuer bewaffneter Konflikt ausgebrochen (siehe Seite 6). Während der türkische Präsident Erdogan dem „brüderlichen Aserbaidschan“ mit „allen Ressourcen und aus vollem Herzen“ Unterstützung zusagte, reagiert der russische Präsident auffallend zurückhaltend. Warum schweigt Putin angesichts einer solchen Provokation?

Manchmal ist es besser, sich aus Streitigkeiten herauszuhalten. So mag Wladimir Putin augenblicklich auch denken angesichts der vielen Probleme, mit denen er sich herumschlagen muss: die anhaltenden Proteste im eigenen Land, die Nawalnyj-Vergiftung, der schwankende Nachbar in Weißrussland, EU-Sanktionen und nicht zuletzt das drohende Aus für das Prestigeobjekt Nord Stream 2. Der Karabach-Konflikt kommt also alles andere als gelegen.

Eigentlich müsste die russische Armee aufgrund der Mitgliedschaft Armeniens in einem von Russland dominierten Militärblock dem kleinen Land als Schutzmacht beistehen, aber Putin pflegt seit Jahren gute Beziehungen sowohl zu Aserbaidschan und Armenien, Waffenlieferungen inklusive. Bislang ist es Russland gelungen, allzu enge Beziehungen des Aserbaidschaners Ilham Alijew zur Türkei zu verhindern, doch in letzter Zeit sucht dieser deren Nähe.

Alijew soll innenpolitisch zunehmend unter Druck geraten. Dieses Schicksal teilt er mit dem armenischen Gegner Nikol Paschnjan. Traditionell stand Russland den christlich-orthodoxen Armeniern näher. In der Gebirgsregion Bergkarabach leben nur 150.000 Menschen, von denen die Mehrheit Christen sind. Gegen den armenischen Präsidenten gibt es seitens Putins jedoch Vorbehalte, da dieser im Gegensatz zu seinem Vorgänger einen zu unabhängigen Kurs verfolgt. Mit einem Krieg gegen Aserbaidschan wolle er nur von innenpolitischen Problemen ablenken, mutmaßt man in Moskau. Zudem hat Putin wenig Interesse, die Türkei als wichtigen Partner in Syrien und als Abnehmer von Öl  und Gas zu verlieren.