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02.10.20 / Umwelt / Nur das Saarland ist noch frei von Wölfen / Schäden durch das Raubtier nehmen dramatisch zu – Viele Schäfer haben bereits aufgegeben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 40 vom 02. Oktober 2020

Umwelt
Nur das Saarland ist noch frei von Wölfen
Schäden durch das Raubtier nehmen dramatisch zu – Viele Schäfer haben bereits aufgegeben
Dagmar Jestrzemski

Da der Wolf weiterhin gesetzlich streng geschützt ist, breitet er sich in Deutschland nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) mit einer jährlichen Zuwachsrate von etwa 35 Prozent weiter aus. Nur das Saarland ist noch wolfsfrei. Nach einer Hochrechnung des Verbands lebten im Frühsommer 2020 bereits rund 1800 Wölfe in Deutschland. 

Obwohl die Schäden durch Risse von Nutztieren mit dem Anwachsen des Wolfsbestandes seit 2012 exponentiell zugenommen haben, sind die Ausfälle sehr unterschiedlich groß und die Schäden werden begrenzt, wenn in einem Gebiet Herdenschutzmaßnahmen ergriffen werden. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr bei 887 Wolfsangriffen insgesamt 2894 Weidetiere getötet oder so übel zugerichtet, dass sie eingeschläfert werden mussten. Darunter waren 2500 Schafe und Ziegen, doch es werden auch immer mehr Rinder und Pferde von Wölfen angegriffen. 

Wolfsfreie Zonen gefordert

Zum Vergleich: 2016 haben Geschädigte deutschlandweit erstmals über 1000 tote und verletzte Nutztiere nach Wolfsattacken gemeldet. Mitunter tötet ein einzelner Wolf im Blutrausch mehrere Dutzend Weidetiere. Einen besonders hohen Anstieg verzeichneten 2019 die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Bei 371 nachgewiesenen Wolfsangriffen kamen 1026 Schafe, Ziegen und Rinder und auch mehrere Pferde ums Leben, davon mehr als die Hälfte in Niedersachsen. Damit ergab sich eine Zunahme um mehr als 60 Prozent im Vergleich zu 2018, als in den drei Bundesländern 630 Weidetiere Wölfen zum Opfer fielen. Der Trend setzt sich fort: Bis Mitte Juni dieses Jahres haben einzelne Wölfe oder ganze Wolfsrudel 590 Weidetiere getötet. 

Obwohl die Weidetierhaltung überaus wichtig für den Natur- und Umweltschutz ist und viele Schäfer wegen der Verluste durch Wölfe bereits aufgegeben haben, bleibt die vielstimmige Forderung nach wolfsfreien Zonen bislang unerfüllt. Lediglich in Einzelfällen dürfen seit diesem Jahr sogenannte Problemwölfe bejagt werden, darunter Tiere, die Herdenschutzzäune dreimal überwunden haben. Erwischt haben die Jäger jedoch noch keinen. Allein die Jagd auf den Wolf mit der Kennung GW924m in Südholstein kostete 2019 rund 70.000 Euro, hinzu kamen 76.000 Euro für die DNA-Untersuchungen. Der Wolf wurde schließlich in Mecklenburg-Vorpommern von einem Auto überfahren. 

Gefahr für den Flutschutz

Immer mehr Bundesländer zahlen geschädigten Tierhaltern 100 Prozent finanziellen Ausgleich für Wolfsschäden. 2019 bewilligten die Länder mehr als 14 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen, unter anderem für Schutzzäune, Entschädigungen nach Wolfsrissen, Datensammlungen durch Kameras und Genbestimmungen. Ein im August errichteter, 35 Kilometer langer Elektrozaun soll die Schafe auf einer Deichlinie zwischen Bremen und Bremerhaven vor Wolfsattacken schützen. In jüngster Zeit wurden die Deichschafe immer häufiger von Wölfen angegriffen. Ohne die Beweidung der Deiche durch Schafe ist jedoch der Hochwasserschutz gefährdet. Daher fördert das niedersächsische Umweltministerium das Pilotprojekt mit 375.000 Euro. Den Rest zahlt der Deichverband Osterstader Marsch.