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06.11.20 / Covid-19 Wie im Frühjahr sollen die Deutschen im November empfindliche Einschränkungen hinnehmen, um die Corona-Infektionszahlen zu drücken. Die Folgen des ersten Lockdown sind indes gravierend / Jedem Dritten droht die Pleite / Hotel- und Restaurantbetriebe stehen am Abgrund. Staatliche Unterstützung hilft nur begrenzt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45 vom 06. November 2020

Covid-19 Wie im Frühjahr sollen die Deutschen im November empfindliche Einschränkungen hinnehmen, um die Corona-Infektionszahlen zu drücken. Die Folgen des ersten Lockdown sind indes gravierend
Jedem Dritten droht die Pleite
Hotel- und Restaurantbetriebe stehen am Abgrund. Staatliche Unterstützung hilft nur begrenzt
Hans Heckel

Die Anleger an der Börse sahen kommen, was dann tatsächlich folgen sollte: Der deutsche Aktienindex DAX erlitt bereits am Morgen, bevor der zweite Lockdown beschlossen wurde, einen heftigen Schwächeanfall. Glaubt man den Wirtschaftsforschern, wird es nicht bei einer Delle bleiben.

So rechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bereits im September damit, dass Deutschlands Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) im laufenden Jahr um 6,25 Prozent einbrechen werde. Das wäre der steilste Abstieg seit Gründung der Bundesrepublik, mehr noch als im Folgejahr der Finanzkrise von 2008. Für den Fall eines weiteren Lockdowns prognostizierte das IW indes einen Rückgang von 8,25 Prozent auf das ganze Jahr 2020 bezogen. Selbst im kommenden Jahr werde eine zweite Schließungswelle mit einem Minus von einem Prozent des BIP zu Buche schlagen. Eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau schon im Jahre 2022 würde damit „in weite Ferne rücken“.

Hinter den kalten Zahlen von Statistiken und Prognosen verbergen sich Millionen Schicksale. Laut Guido Zöllick, dem Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), droht einem Drittel der Betriebe seiner Branche der Untergang. Selbst wenn man unterstellt, dass der Verbandschef möglichst düstere Zahlen wählt, um den Druck auf die Politik auch hinsichtlich staatlicher Unterstützungszahlungen an die leidenden Betriebe zu verstärken: Dass zahlreiche Hotel- und Gastronomiebetriebe den Lockdown nicht überleben werden, erscheint ausgemacht.

Schließlich sind die Unternehmen schon aus der Schließungsphase im Frühjahr geschwächt hervorgegangen, viele haben keine Reserven für schlechte Zeiten mehr. Auch der Sommer konnte den Verlust oft nicht wettmachen, Belegungsbegrenzungen bei Hotels und Abstandsregeln in Restaurants haben den Umsatz gemindert. Die massiv reduzierte Zahl ausländischer Touristen grub Betrieben, die vor allem auf diese Zielgruppe spezialisiert sind, zusätzlich das Wasser ab. Die schon eingetretenen oder drohenden Pleiten deuten darauf hin, dass die staatliche Unterstützung, so wichtig sie sein mag, realen Umsatz nicht ersetzen kann. 

Wegen des ausbleibenden Gastronomie-Absatzes schlagen auch die Brauereien Alarm. In der Veranstaltungsbranche, mit 1,5 Millionen Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 130 Milliarden Euro der sechstgrößte Zweig der deutschen Wirtschaft, herrscht Verzweiflung. Die Reisebranche leidet unter für Touristen geschlossenen Hotels. Für die Zeit vom Beginn des ersten Lockdowns bis Jahresende rechnet man hier mit einem Umsatzrückgang auf ein Fünftel des Vorjahreswerts.

Das Schicksal der Betriebe schlägt selbstredend auch auf die Angestellten durch. Die Beschäftigten der Gastronomie geraten bei einem Lockdown sogar besonders stark unter die Räder. Zwar können sie, wie die Arbeitnehmer anderer Branchen auch, in Kurzarbeit gehen. Doch gehen die Gehaltseinbußen etwa bei ihnen weit über das offiziell ausgewiesene Maß hinaus, da ein wesentlicher Teil der Einkünfte aus Trinkgeldern resultiert, die nun vollständig und ersatzlos ausfallen.

Außer-Haus-Verkauf soll den Restaurants eine kleine Einnahmequelle retten. Doch geben Betreiber an, dass sich das Hochfahren der Küche und die Weiterbeschäftigung der nötigen Kräfte hierfür kaum lohne. Zudem kommt Außer-Haus-Verkauf für viele Betriebe, wie etwa abgelegene Ausflugslokale, nicht infrage. Und selbst da, wo es geht, bleibt der für Restaurants besonders lukrative Getränkeverkauf weitgehend auf der Strecke.





Kurzporträts

Guido Zöllick Der Präsident des Branchenverbandes Dehoga sieht einen Sturm von Firmenzusammenbrüchen auf sein Gewerbe zukommen.

Alfons Hörmann Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sorgt sich um 27 Millionen Mitglieder in rund 90.000 deutschen Sportvereinen. 

Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, beklagt, dass wegen Corona bislang über 50.000 Krebs-Operationen verschoben wurden.