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06.11.20 / Gesundheit / Wie der Lockdown Körper und Seele krank macht / Möglicherweise kosteten in Deutschland die ersten Zwangsmaßnahmen mehr Menschenleben als das Coronavirus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45 vom 06. November 2020

Gesundheit
Wie der Lockdown Körper und Seele krank macht
Möglicherweise kosteten in Deutschland die ersten Zwangsmaßnahmen mehr Menschenleben als das Coronavirus
Wolfgang Kaufmann

Gemäß ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion (Drucksachennummer 19/21298) verfügt die Bundesregierung über keine „dezidierten Erkenntnisse“ hinsichtlich der gesundheitlichen Kollateralschäden infolge des ersten Lockdowns anlässlich der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Dabei liegen mittlerweile genügend Zahlen vor. Sie stammen unter anderem von der Deutschen Krebshilfe, der Bundespsychotherapeutenkammer, dem Wissenschaftlichen Institut der AOK, dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, dem Aktionsbündnis Patientensicherheit, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller sowie einigen großen Universitätskliniken. Und diese Zahlen sind ebenso eindeutig wie erschütternd.

Die Zahlen sprechen für sich

Angstneurosen, Posttraumatische Belastungsreaktionen und Depressionen nahmen um bis zu 50 Prozent zu, bei älteren Pflegebedürftigen sogar um 71 Prozent. Während vor der Pandemie 18 Prozent aller Kinder psychische Auffälligkeiten wie Hyperaktivität oder Anpassungsstörungen zeigten, stieg die Quote während des Lockdowns auf 31 Prozent. Und bei vier Zehnteln der Jugendlichen und Erwachsenen wurde ein gestiegener Alkoholkonsum registriert. Darüber hinaus äußerten 22 Prozent der von Forschern befragten Personen, die im Frühjahr versuchten, sich umzubringen, dass sie stark unter den Corona-bedingten Einschränkungen gelitten hätten.

Zu diesen psychischen Kollateralschäden kommen die körperlichen. So verzichteten viele Menschen mit leichteren Herzinfarkten, Schlaganfällen oder ähnlichem auf ärztliche Hilfe. Deswegen brauchten die Kliniken ein Drittel weniger Notfälle zu behandeln – jedoch um den Preis der massenhaften Verschleppung von gefährlichen Erkrankungen.

Des Weiteren sagten die Gesundheitseinrichtungen neun Zehntel aller geplanten medizinischen Eingriffe ab oder verschoben diese, darunter 50.000 Krebsoperationen. Von den notwendigen Kon-trollen bei Trägern von Herzschrittmachern und anderen potentiell lebenswichtigen Hilfsmitteln fielen vier Zehntel aus. Auch die gesundheitliche Vorsorge wurde vernachlässigt. Bis zu acht von zehn turnusmäßig anstehenden Untersuchungen fanden nicht statt.

Experten schätzen die Zahl der durch all dies verursachten Todesfälle auf 5000 bis 125.000. Deshalb ist es gut möglich, dass der erste Lockdown mehr Menschenleben in Deutschland gefordert hat als das Coronavirus. Daran starben bis zum 3. November nach offiziellen Angaben genau 10.661 Infizierte.