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06.11.20 / Missbrauchsringe / Wenn Hollywood heimlich die Regie übernimmt / In der Debatte um Pädophilen-Verbrechen wird vieles durcheinandergewirbelt. Immer wieder kommen dabei auch sogenannte Satanisten in die Schusslinie

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45 vom 06. November 2020

Missbrauchsringe
Wenn Hollywood heimlich die Regie übernimmt
In der Debatte um Pädophilen-Verbrechen wird vieles durcheinandergewirbelt. Immer wieder kommen dabei auch sogenannte Satanisten in die Schusslinie
Dirk Pelster

Überall auf der Welt vernetzen sich Pädophilenringe über Ländergrenzen hinweg. Diese Entwicklung bereitet Ermittlern zunehmend Sorgen. Doch in sozialen Netzwerken und alternativen Medien wird schon seit Längerem auch über rituellen Kindesmissbrauch durch satanische Gruppen berichtet, der bis in die obersten gesellschaftlichen Kreise hineinreichen soll. Gibt es diese einflussreichen kriminellen Cliquen von Teufelsanbetern wirklich?

Das Thema sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen gerät regelmäßig in den Fokus der Öffentlichkeit. Meist sind es spektakuläre Einzelfälle oder aber es handelt sich um von Gruppen über längere Zeiträume hinweg organisierte Straftaten. Teilweise vollzieht sich der Missbrauch in Institutionen, wie etwa Kirchen und Heimen, die sich eigentlich auf das Wohl der schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft verpflichtet haben. 

Immer wieder versagen dabei Mechanismen, die dem Schutz von Kindern dienen sollten. Jugendämter sind überlastet, Pädagogen sehen weg, und Kirchenobere schweigen. Fliegen Straftäter auf, kommt es nicht selten zu recht merkwürdigen Pannen bei deren Strafverfolgung, wie etwa bei dem 2018 bekannt geworden Missbrauchsfall im ostwestfälischen Lügde. Traurige Bekanntheit erlangte auch der Fall um den belgischen Sexualmörder Marc Dutroux in den 90er Jahren. Während des gegen ihn geführten Strafprozesses kamen insgesamt 27 Zeugen und Ermittler unter zum Teil sehr mysteriösen Umständen ums Leben. Dutroux selbst behauptete zudem, nur ein ausführender Handlanger gewesen zu sein.

Prominente im Fadenkreuz

Gleichfalls von Mythen umwoben ist der Fall des US-amerikanischen Milliardärs Jeffrey Epstein. Er stand im Verdacht, Kinder und Jugendliche an andere Prominente vermittelt zu haben. Tatsächlich gab es Aufzeichnungen, die zumindest belegen, dass Epstein bekannte Persönlichkeiten wie Bill Gates, Prinz Andrew oder Bill Clinton auf seiner Privatinsel in der Karibik empfing. Zu der Zeit sollen dort auch Minderjährige anwesend gewesen sein. Nach seiner Inhaftierung soll er sich unter äußerst dubiosen Umständen das Leben genommen haben.

Es ließen sich durchaus noch zahlreiche weitere Skandale nennen. Ihnen ist gemein, dass sie größtenteils nie vollständig aufgeklärt wurden und dass zumindest am Rande der einzelnen Komplexe bedeutende politische Entscheidungsträger in die Vorgänge verstrickt zu sein scheinen.

Bereits seit Längerem wird daher der Verdacht geäußert, dass hinter vielen der Missbrauchsfälle nicht nur reine Triebtäter stehen, sondern auch gut organisierte Logen von Satanisten. Besonderes Aufsehen erregte eine Studie des katholischen Bistums Münster zur Häufigkeit von ritueller Gewalt aus dem Jahre 2005. Zahlreiche befragte Therapeuten gaben hier an, dass in ihrer Praxis Patienten von rituellem Missbrauch berichteten. 

Doch dies ist mit Vorsicht zu genießen. Therapeuten haben es berufsbedingt mit einer Klientel zu tun, die psychische Auffälligkeiten zeigt. Wer den Wert solcher mittelbaren Betroffenenbefragungen ermessen will, kann dies über den Umweg eines anderen Phänomens versuchen. In den USA wurden zum Teil kontrovers diskutierte Studien vorgelegt, nach denen Tausende von Amerikanern der Überzeugung sind, dass sie schon einmal durch Außerirdische entführt wurden. Beweise für solche Entführungen gibt es nicht. Ähnlich verhält es sich bei vermeintlich durch satanische Sekten organisiertem Missbrauch von Kindern. Zwar gibt es durchaus gelegentlich andere Straftaten, in denen ein Bezug zu okkulten Glaubensvorstellungen erkennbar wird, jedoch handelt es sich zumeist um Jugendkriminalität. Eine weitere Parallele zu den Berichten um eine Entführung durch Außerirdische besteht darin, dass sich die Schilderungen der vermeintlichen Opfer von satanischem Missbrauch stark an Bildern orientieren, die in den Filmstudios Hollywoods ersonnen wurden. 

Unsichere Zeugenaussagen

In der ursprünglichen alttestamentarischen Überlieferung war Satan aber keineswegs der Bösewicht, wie er heute gern auf der Leinwand präsentiert wird, sondern eher ein übernatürliches Wesen, welches die Menschen im Auftrag Gottes prüfen und Sünder vor dem göttlichen Gericht anklagen sollte. Erst später flochten Christen ihn mit weiteren Figuren, wie dem Wüstendämon Azazel oder dem Lichtbringer Luzifer zusammen und schufen so den Teufel. Okkultisten des frühen 20. Jahrhunderts bemühten sich um eine Neuinterpretation der biblischen Erzählung und interessierten sich für deren ursprüngliche Charaktere. Tatsächlich gab es hier mehrere Gruppen, die Satan und Luzifer kultisch verehrten. Allerdings sollte dies nicht platt im Sinne einer Vergötzung des Bösen, sondern vielmehr als Gegenentwurf zu den damals allzu rigiden Moralvorstellungen der etablierten christlichen Kirchen verstanden werden. 

In diesen Zirkeln wurden daher zwar allerlei befremdliche sexualmagische Übungen praktiziert, ein Missbrauch von Kindern oder dessen ideologische Rechtfertigung gehörte dazu aber nicht. Im 9. Gebot der heute noch in den USA aktiven „Kirche Satans“ wird den Gläubigen stattdessen sogar ausdrücklich aufgetragen, keine kleinen Kinder zu verletzen.

Ein wichtiger Fakt ist zudem, dass die selbsterklärten Opfer eines rituellen Missbrauchs nie wirklich verwertbare Angaben machen. Häufig treten sie erst im mittleren Lebensalter an die Öffentlichkeit. Meist geben sie dabei an, dass eines oder beide ihrer Elternteile hierin verstrickt seien. Namen, Zeitpunkte, Orte oder nähere Tatumstände, die zumindest den Versuch einer Überprüfung des Behaupteten ermöglichen könnten, bleiben sie unter Verweis auf den Selbstschutz oder den Schutz Dritter schuldig. 

Als Motiv für ihre Selbstoffenbarung geben sie an, zukünftige Taten verhindern zu wollen. Glaubhaft ist das alles nicht.Dabei sollte durchaus nicht vorschnell ausgeschlossen werden, dass die Betreffenden wirklich Missbrauchserfahrungen gemacht haben. Für satanisch inspirierte und rituell durchgeführte sexuelle Gewalt gibt es jedoch bislang keine ernst zu nehmenden Beweise.