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06.11.20 / meinungsklima / Appell gegen die „gewalttätige Aufladung“ / Nicht nur Uwe Tellkamp und Jörg Bernig üben Kritik an Ausgrenzung – Der Fall Maron ist bloß ein Beispiel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45 vom 06. November 2020

meinungsklima
Appell gegen die „gewalttätige Aufladung“
Nicht nur Uwe Tellkamp und Jörg Bernig üben Kritik an Ausgrenzung – Der Fall Maron ist bloß ein Beispiel
Erik Lommatzsch

Dass sich der S. Fischer Verlag von seiner langjährigen Autorin Monika Maron getrennt hat (die PAZ berichtete), ist sowohl in den Medien als auch im Kulturbetrieb vielfach mit Befremden aufgenommen worden. Dabei ist der Fall Maron nur ein weiteres Beispiel für ein immer drückenderes, einseitig-restriktives Meinungsklima, welches „falsche“ Ansichten auch handfest sanktioniert.

Grund für den Rauswurf war laut Fischer nicht, dass Maron einen Essayband in der „EXIL“-Reihe der „edition buchhaus loschwitz“ veröffentlicht hatte, sondern der Vertriebsweg dieser Bücher. Als alleinige Erklärung wirkt das wenig überzeugend. Die „Frankfurter Allgemeine“ moniert: „Diese Entscheidung ist unsouverän, maßlos und vielleicht auch unehrlich: Soll man es doch offen sagen, was einen stört.“ Die „Welt“ verweist auf das nun schwer beschädigte Renommee: „Nicht Marons Verhalten widerspricht Fischers Tradition als Haus von Thomas Mann, wie das Haus glaubt, der Hinauswurf aus politischen Gründen befleckt die Geschichte dieses einstmals liberalen Verlages.“ Ähnlich der Autor Klaus-Rüdiger Mai: „Monika Maron muss den Rausschmiss erdulden, doch Fischer muss mit ihm leben. Er geht in seine Verlagsgeschichte ein.“ 

Die Schriftsteller Uwe Tellkamp und Jörg Bernig haben unter der Überschrift „In großer Sorge“ eine gemeinsame Stellungnahme verfasst. Tellkamp ist vor allem bekannt durch seinen Roman „Der Turm“, Bernig war im Mai dieses Jahres regulär zum Kulturamtschef von Radebeul gewählt worden, aber nach Protesten von „Kulturschaffenden“ wurde die Position dann anderweitig besetzt. 

Alles Nichtlinke unter Verdacht

Ausgehend vom Fall Maron verwahren sich Tellkamp und Bernig dagegen, dass die „edition buchhaus loschwitz“, welche von der Buchhändlerin Susanne Dagen verantwortet wird, sowie ihre Buchhandlung und das angeschlossene „KulturHaus“ als „Ort (neu)rechten Denkens stigmatisiert“ würden, einzig aufgrund der Tatsache, dass „Dagen sich einer Festlegung auf ein irgendwie links geartetes Denken entzieht und stattdessen einen Ort bietet, der für alle offen ist“. 

Die Autoren beklagen, nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen, „eine Verwahrlosung und gewalttätige Aufladung der Berichterstattung und Kommentierung“, sobald über Menschen geschrieben werde, „die sich kritisch zu problematischen Entwicklungen in diesem Land äußern – sei das zu Fragen der Meinungsfreiheit, der Verquickung von Politik und Medien, der Migrationspolitik, der Erscheinung des Islam in unserer Gesellschaft oder der Beschneidung verfassungsmäßig festgeschriebener Freiheiten“. 

Sie fragen, welchen Folgeschritt die entsprechenden verbalen Attacken vorbereiten sollen. Die beiden Schriftsteller plädieren nachdrücklich dafür, dass man sich auf Streit und Diskussion einlassen solle, Diffamierung, Denunzierung und Ausgrenzung jedoch eine klare Absage zu erteilen sei. Sie schließen: „In großer Sorge um die Entwicklung in unserem Land rufen wir zu Mäßigung im Umgang miteinander auf.“ Das Verhalten des S. Fischer Verlages gegenüber Monika Maron macht deutlich, wie dringend notwendig es ist, einem derartigen Appell Gehör zu verschaffen.