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04.12.20 / Klimapolitik / EU-Kommission setzt auf Offshore-Windparks / Die installierte Leistung auf See soll bis 2050 um das 25-Fache gesteigert werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49 vom 04. Dezember 2020

Klimapolitik
EU-Kommission setzt auf Offshore-Windparks
Die installierte Leistung auf See soll bis 2050 um das 25-Fache gesteigert werden
Norman Hanert

Für ein „klimaneutrales“ Europa bis zum Jahr 2050 setzt die Europäische Kommission auf einen massiven Ausbau der Windkraftanlagen auf See. Laut einem Konzeptpapier der Kommission sollen in Nord- und Ostsee, im Atlantik und im Mittelmeer bis zur Mitte des Jahrhunderts Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 300 Gigawatt installiert werden. Ohne Berücksichtigung von Großbritannien soll die installierte Leistung auf See damit von derzeit rund zwölf Gigawatt in den nächsten drei Jahrzehnten um das 25-Fache gesteigert werden. Bei den Angaben handelt es sich jeweils um die Nennleistung. Diesen Maximalwert erreichen die Windkraftanlagen in der Realität nur unter optimalen Bedingungen und auch nicht ständig. 

Die Kosten ihres Windkraftplans beziffert die Brüsseler Kommission mit rund 800 Milliarden Euro. Nur etwa ein Drittel der Summe soll in den Ausbau der Windkraftanlagen auf See fließen. Ein Großteil der Mittel wird für den Ausbau der Netzinfrastruktur benötigt, um den Strom von hoher See ans Land und zu den Verbrauchern leiten zu können. Allein auf diesem Feld wird der Investitionsbedarf durch das Windkraftkonzept auf über 530 Milliarden Euro geschätzt. 

Kosten von rund 800 Milliarden Euro

Zur Finanzierung der Projekte sollen Investoren offenbar auch auf Mittel des sogenannten Corona-Wiederaufbaufonds zurückgreifen können. Je nach Ausgestaltung könnten damit letztlich die Steuerzahler einen Teil der Haftung für Marktrisiken aufgebürdet bekommen. 

Großen Wert legt die Kommission bei ihrer Strategie darauf, dass die EU-Mitgliedstaaten beim Ausbau der Windenergie auf See verstärkt grenzüberschreitend zusammenarbeiten. Bislang fehlen entsprechende Rechtsvorschriften der EU für die Meeresprojekte. Aktuell gibt es in der EU und sogar weltweit mit „Kriegers Flak“ nur einen Windpark, bei dem Windkraftturbinen an die Netzinfrastruktur von mehr als einem Land angeschlossen sind. Dass der Windpark in der Ostsee sowohl in die dänische Region Seeland, als auch nach Mecklenburg-Vorpommern Strom liefert, ist bislang nur im Rahmen einer Übergangsregelung möglich.

Dementsprechend fällt die Reaktion aus der Windkraftbranche auf den angekündigten Rechtsrahmen für grenzüberschreitende Projekte aus: „Wir brauchen einen Rahmen, der es uns ermöglicht, in Offshore-Hybridprojekte zu investieren, sie zu betreiben und in ihnen zusammenzuarbeiten“, so Ivan Pineda von der Lobby-Organisation WindEurope.

Vorsichtige Kritik am massiven Ausbau der Windkraft auf den Meeren äußerte der Naturschutzbund Deutschland (NABU). Generell begrüßt die Organisation die Strategie. Zugleich wies der NABU aber auf „eine ungenügende Berücksichtigung des Meeresschutzes, der ökologischen Tragfähigkeit und der marinen Raumordnungspläne“ hin.