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04.12.20 / Hinterpommern / Quempas in Rummelsburg / Von den traditionellen Kronen und liebevoll gestalteten Heften

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49 vom 04. Dezember 2020

Hinterpommern
Quempas in Rummelsburg
Von den traditionellen Kronen und liebevoll gestalteten Heften
Hans-Ulrich Kuchenbäcker

Durch die nimmermüde Kulturarbeit des Heimatkreises Rummelsburg, insbesondere der Heimatkreisgruppe Rummelsburg in Hamburg, ist nicht nur „Der Rummelsburger Quempas“, eine in der Heimat schlicht „Frühkirche“ genannte Christmette im Westen Deutschlands wiederbelebt, sondern auch an den Ursprungsort, die Rummelsburger Stadtkirche, zurückgebracht worden. 

Der „Rummelsburger Quempas“ ist ein Gottesdienst, bei dem die Gemeinde in besonders starkem Maße mitwirkt. Zu den liturgischen Gestaltungselementen gehören die  „Rummelsburger Quempas-Kronen“ und die „Rummelsburger  Quempas-Hefte“. Den genannten drei Bezeichnungen ist deswegen das „Rummelsburger“ vorangestellt, weil das östlich der Elbe einst weit verbreitete Quempas-Singen in dieser Stadt eine besondere Ausformung erhalten hat.

Quempas-Kronen

Wenden wir uns zunächst den Quempas-Kronen zu: Das sind in der für uns zurückzuverfolgenden Zeit, dem immergrünen Tannenbaum nachempfundene geschmückte Weihnachtspyramiden, wie sie schon von der Zeit Karls des Großen her bekannt sind. (Schon damals, um 800 n. Chr, soll auch die lateinische Sequenz „Quem pastores laudavere“ entstanden sein.) Von Kerzenlichtwärme wird ein Flügelrad angetrieben, das über eine Welle in  einem Gehäuse von vier nach oben zusammenlaufenden Hölzern drei Teller in drehende Bewegung bringt, auf denen das Geschehen in der Heiligen Nacht dargestellt ist. Wann solche Pyramiden ihren Weg nach Hinterpommern genommen haben, ist nicht mehr bekannt. Eventuell haben sie mit Kerzen bestückte Lichterkronen (Kronleuchter, Radleuchter, Adventskranz) abgelöst oder ihren Namen vom Kerzenkranz unter den Flügeln erhalten. Die Kronen hatten bei den Chören ihren Platz. Den Solisten leuchteten je zwei kerzentragende Begleiter. 

Es ist naheliegend, dass die Lichterkronen in der Vergangenheit neben der symbolischen auch eine praktische Bedeutung hatten. Wie sollte man sonst am Weihnachtsmorgen aus den Quempas-Heften die Texte des Quempas-Gesanges und die der zahlreichen Lektionen lesen, ohne über eine Lichtquelle in der Nähe zu verfügen.

Das lebensspendende Licht ist von jeher, sowohl im Christentum als auch in der  germanischen Welt, von großer sinnbildlicher Bedeutung gewesen. Man denke an die vielen Bibelstellen, in denen das Licht eine besondere geistliche Überhöhung erfährt und an die Bräuche unserer Ahnen zur Wintersonnenwende. Bekanntlich ist auf diesem Gebiet christliches und heidnisches Brauchtum miteinander verschmolzen.

Die Quempas-Kronen wurden in alter Zeit von den Handwerkern, die auch das Quempas-Singen bestritten, hergestellt und gewartet. In neuerer Zeit, als die Konfirmanden den Quempas sangen, fiel diese Aufgabe versierten Tischlern/Drechslern zu und die Wartung in der Regel dem Werkunterricht in der Schule. Bei jedem der vier zum Quempas-Singen gehörenden Chöre stand eine Krone. Diese wurde mittels eines Holzzapfens in eine Aussparung in der Emporenbrüstung in diese eingesetzt. 

Wie ist es heute um Quempas-Kronen bestellt? Aus der Zeit vor dem II. Weltkrieg gibt es nur noch eine. Die Ehefrau des Verfassers entdeckte sie am 22. August 1994 auf dem Boden der Rummelsburger Kirche. Sie wird heute vom „Rummelsburger Bund der Bevölkerung deutscher Abstammung zu Rummelsburg“ betreut. 1997 bekam sie eine dort angefertigte Schwester. Der Heimatkreis Rummelsburg besitzt zwei originalgetreue etwa 1,65 Meter hohe Quempas-Kronen. Die vom Rummelsburger Tischlermeister Ernst Stremlow 1973 hergestellte hat in der Rummelsburger Heimatstube in Bad Fallingbostel ihren ständigen Platz. Sie ist ein Prunkstück in der Ausstellung. Ebenso eindrucksvoll ist die von unseren Groß Karzenburger Landsleuten Reinhard und Juliane Frank 1997 angefertigte und dem Heimatkreis gestiftete Krone. Zwar fallen sie nicht so ins Auge wie die Kronen, sind für den Ablauf der Frühkirche eher wichtiger, nämlich die Quempas-Hefte. Ihnen entnehmen die Chorsänger – seit 1945 auch Sängerinnen – und die Lektionen singenden Solisten  die  vorzutragenden Texte. Lektionen sind von Weissagung und Erfüllung kündende Bibelstellen.

Heute stellen wir die Hefte aus praktischen Gründen mittels Computer her. In alten Zeiten aber, war dies eine echte Volkskunst. Man schrieb mit Hilfe verschiedenfarbiger Tinten seine Texte selber und verzierte das Quempas-Heft - so gut ein jeder es konnte. In neuerer Zeit war es dann nicht immer kunstvolle Frakturschrift mit schön ausgemalten Anfangsbuchstaben, sondern man begnügte sich teilweise mit der deutschen und der lateinischen Schreibschrift, dazu klebte man in letzter Zeit gern im Handel erworbene Glanzbilder ein. Aber gleichwohl wurden die Hefte mit viel Liebe ausgestaltet. 

Eine wertvolle Nachgestaltung eines Rummelsburger Quempas-Heftes ließ der letzte Rummelsburger Organist Fritz Doepke, verstorben 1994, anfertigen. Unter den Händen des aus Klingenberg im Erzgebirge stammenden Lehrers Max Seidel geriet es zu einem wahren Kunstwerk. Fritz Doepke und Ehefrau Hilde, ebenfalls 1994 verstorben, übergaben es der Rummelsburger Heimatstube im Jahre 1961.

Leider wird es in diesem Jahr das Quempassingen in Rummelsburg coronabedingt nicht geben. Es hat in diesem Jahr leider auch kein Besuch stattfinden können. Doch die Mitglieder des Heimatkreises sind natürlich trotzdem unermüdlich aktiv. In PAZ Ausgabe 46 vom 20. November 2020 wurde von Neuigkeiten bei der Restaurierung der Kirche Groß Volz, Kreis Rummelsburg  berichtet. Das Projekt wird natürlich von Anfang an auch vom Heimatkreis Rummelsburg mitgetragen. Entscheidend ist dabei auch die Arbeit von Alfons Rekowski, dem Vorsitzenden des Rummelsburger Bundes vor Ort. 

Er ist der zuverlässige Vermittler, als Mann in der Heimat hält er Kontakt zu den politisch verantwortlichen Kommunalpolitikern, organisiert deutsch-polnische Treffen und hätte auch gerne den Quempas 2020 vorbereitet. Nun arbeiten alle gemeinsam auf das Treffen in Fallingbostel im Juni und den Quempas im Dezember 2021 hin.

Info:  www.rummelsburg.de